25.05.2005

Aluminium macht die Hortensie blau

Die beliebte Blütenpflanze bleibt weiß oder rosé, wenn das Metall im Boden nicht vorkommt

Seit mehr als 200 Jahren zieren Hortensienbüsche europäische Fensterbänke, Terrassen, Balkone und Gärten. Die beliebte Blühpflanze bildet üppige Scheinblüten in weiß, rosé und blassrot – aber auch in blau. Damit sie blau blüht, benötigt die Hortensie allerdings ganz bestimmte Bodenbedingungen. Aluminium spielt dabei eine besondere Rolle, denn Aluminiumionen gehen eine Verbindung mit den Blütenfarbstoffen ein, so dass diese von rosa nach blau umschlagen.

Hortensien sind ein Musterbeispiel dafür, wie selbst Spuren bestimmter Mineralien die Färbung einer Blüte bestimmen können.
Hortensie

Ihren umgangssprachlichen Namen soll die Hortensie der Geliebten des französischen Botanikers Philbert Commerson zu verdanken haben, einer Dame namens Hortense Barré. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das botanisch als Hydrangea macrophylla bezeichnete Gewächs als Zierpflanze aus China und Japan nach Europa eingeführt und erlangte schnell große Beliebtheit. Bereits recht bald tauchten die ersten Berichte von ursprünglich rosafarbenen Hortensien auf, die plötzlich blaue Blüten entwickelten. Schuld an dem Phänomen soll ein Gärtnergeselle gewesen sein, der einige Jungpflanzen irrtümlich in aluminiumoxid- und eisenoxidhaltige Erde gepflanzt hatte. Schnell war klar, dass das Aluminium für den Farbumschlag verantwortlich ist.

Allerdings macht Aluminium nicht alle Hortensiensorten blau, sondern nur rote und roséfarbene Büsche, denn nur diese enthalten den Farbstoff Delphinidin. Dieser geht mit den Metallionen eine Verbindung ein, welche die Scheinblüten blau färbt. Ob eine Hortensie blau werden kann, hängt aber nicht nur von der Sorte ab. Auch bei geeigneten Sträuchern ist das nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen der Fall, da noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle spielen: So muss etwa die Erde einen sauren pH-Wert von etwa 4,5 haben, damit das Aluminium in löslicher Form vorliegt und überhaupt für die Pflanze verfügbar ist.

Steht die Hortensie dagegen in sehr kalkhaltiger und damit alkalischer Erde, bilden die Aluminiumionen kaum lösliche Verbindungen und können somit auch nicht mit dem Wasser aufgenommen werden. Und für die Blaufärbung muss umso mehr Aluminium zur Verfügung stehen, je intensiver die Färbung der Blätter sein soll. Ist dies nicht der Fall – bei zu wenig Aluminium oder nicht genügend saurer Erde –, reichen die wenigen Metallionen nicht für einen vollständigen Farbumschlag von rosa nach blau aus. Dann entstehen mitunter gemischt gefärbte Blüten, die sowohl Rosa- als auch Blautöne aufweisen.

Erhält eine blaue Hortensie längere Zeit kein Aluminium, zeigt sie irgendwann wieder das ursprüngliche Rosa. Um dann erneut eine blaue Färbung zu bekommen, muss die Pflanze wieder für rund zwei Jahre mit Aluminium versorgt werden. Auch starke Sonneneinstrahlung kann das Blau ausbleichen.