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11.01.2012

Attraktiver Knick in der Optik

Was der Silberblick mit glänzendem Edelmetall zu tun hat

Manche finden ihn durchaus attraktiv, auf manche kann er jedoch auch eher dümmlich wirken: Beim Silberblick scheiden sich die Geister. Tatsache ist, dass es durchaus prominente Menschen gibt, denen eine leichtes Innenschielen zugeschrieben wird. Die amerikanische Sängerin Barbra Streisand gehört dazu, der Schauspieler Richard Gere oder auch "Highlander"-Darsteller Christopher Lambert. Die Identität der prominentesten Frau mit Silberblick hingegen ist bis heute umstritten: Mona Lisa, die Besucher des Pariser Louvre nicht nur mit ihrem Lächeln, sondern auch mit ihrem Blick fasziniert. Doch was hat dieser Blick mit dem Schimmern von Silber zu tun?

Mona Lisa ist die wohl prominenteste Frau mit Silberblick. Repro: public domain
Mona Lisa, Foto: public domain

Der Suche nach dem Ursprung des Wortes führt zu einem häufigen Ziel etymologischer Streifzüge: den Brüdern Grimm und ihrem "Deutschen Wörterbuch". Der Begriff stammt demnach aus dem Hüttenwesen und bezeichnet den bei der Trennung des Silbers vom Blei "hervorbrechenden kurzen eigenartigen Schimmer des in Fluss befindlichen Silbers". Es muss sich dabei um einen geradezu magischen Moment handeln, denn der Begriff "Silberblick" hat in der Dichtung des 18. und 19. Jahrhunderts durchaus Bedeutung erlangt – allerdings nicht als Bezeichnung für eine Fehlstellung der Augen.

Benutzt wurde der Begriff vielmehr für jene besonders wertvollen Momente des Lebens, wie Kunst und Dichtung sie bescheren können: "Schiller wird mit seiner Prosa leben, wenn der Undank ihn vergisst, niemand kann ästhetischer uns heben, niemand besser zu genießen geben, was der Silberblick des Lebens ist", dichtete der Schriftsteller Johann Gottfried Seume 1805 anlässlich des Todes von Friedrich Schiller. Und der Dichter Gottfried Keller schrieb 1859: "So genossen sie unwissend, jenes Tages Silberblick, mit am warmen Feuer ruhte, still ein künftiges Geschick."

Ein Silberblick kann durchaus attraktiv sein: Babra Streisand jedenfalls steht auf der Hitliste Prominenter mit leichtem Innenschielen ganz weit vorn. Foto: public domain
Barbra Streisand, Foto: public domain

Es geschah wohl erst im Lauf des 20. Jahrhunderts, dass der Begriff seine Bedeutung hin zu jener Störung wandelte, die Augenärzte als Mikrostrabismus bezeichnen und bei der ein Auge leicht nach innen gerichtet ist. Ob bei diesem Wandel ironischer Spott über den Betroffenen Pate stand oder der "Knick in der Optik" mit dem positiv besetzten Begriff euphemistisch aufgewertet werden sollte, konnten Sprachforscher nicht mehr ergründen. Im Duden taucht der Begriff in der neuen Bedeutung jedenfalls erstmals 1961 auf, berichtet der Schriftsteller Hans Imhoff, der dem Silberblick eine ausführliche Abhandlung gewidmet hat. 

Ungewiss ist zudem der Bezug zum gleichnamigen Begriff aus der Malerei und Kunstgeschichte: Vom Silberblick wird hier gesprochen, wenn ein Porträtierter den Betrachter des Bildes direkt anzuschauen scheint – sogar noch, wenn sich dieser vor dem Bild hin und her bewegt.

Bei Richard Gere gehen die Ansichten auseinander, ob er überhaupt zur Gilde der Prominenten mit Silberblick gehört. Foto: Rob Rich (robwayne1@aol.com), CC-Lizenz
Richard Gere, Foto: Rob Rich, CC-Lizenz

Aus heutiger Sicht scheint dieser Effekt nichts Besonderes, denn in der Fotografie kann diese Wirkung nämlich ganz einfach dadurch erzielt werden, dass der Fotografierte direkt in die Linse blickt. In der Malerei fand die entsprechende Technik jedoch erst in der Renaissance Verbreitung – mit der Mona Lisa als prominentestem Beispiel.

Auch diese geheimnisvolle Diva scheint die Betrachter ihres Porträts direkt anzublicken. Ob sie auch im realen Leben einen Silberblick hatte oder ob dieser Eindruck nur auf der Maltechnik Leonardo da Vincis beruht, bleibt eines der Geheimnisse, die sich um dieses berühmteste Gemälde der Welt ranken. (ud)