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29.10.2014

Attraktives Rot

Die Anziehungskraft der Farbe ist ein Ergebnis von Jahrmillionen der Evolution

Wer Rot trägt, wirkt auf das andere Geschlecht attraktiver. Beim Sport und im Kampf lässt die Farbe ihren Träger hingegen für den Gegner bedrohlicher wirken. Dieser gefühlsverstärkende Effekt scheint nicht auf eine kulturelle Prägung zurückzugehen, sondern er könnte bereits vor Millionen von Jahren entstanden sein, vermuten nun amerikanische Wissenschaftler. Die Forscher von der Universität in Rochester hatten in Tests mit Rhesusaffen nachgewiesen, dass auch die nahen Verwandten des Menschen auf Rot besonders stark reagieren.

Rhesusaffenweibchen finden Bilder männlicher Hinterteile interessant – sofern sie von der Farbe Rot umfasst werden. Foto: Einar Fredriksen, CC-Lizenz
Rhesusaffen. Foto: Einar Fredriksen, CC-Lizenz

Rote Herzchen, rote Schleifen und viele rote Blumen: Gerade im amerikanischen Kulturkreis wird am Valentinstag ein regelrechter Kult um die Farbe Rot zelebriert – gilt sie doch als die Farbe der Liebe. Da liegt die Vermutung nahe, die von den meisten Menschen empfundene Verbindung zwischen der Farbe und der Attraktivität für das andere Geschlecht sei kulturell geprägt.

Doch weit gefehlt: Die Forscher fanden bei den Affen eine ähnliche Präferenz. In ihren Tests zeigten die Wissenschaftler den Tieren Schwarzweißfotos von Hinterteilen männlicher und weiblicher Affen. Die Fotos waren entweder in blaue oder in rote Rahmen eingefasst. Als Referenzobjekt verwendeten sie das Bild einer Muschel, wie sie in der Heimat der Affen, der sogenannten Affeninsel Caya Santiago in Puerto Rico, überall zu finden ist. Auch die Muschel wurde entweder blau oder rot umrahmt.

Um herauszufinden, wie attraktiv die Tiere die Bilder jeweils fanden, maßen die Forscher, wie lange die Affen die Bilder betrachteten. Das Ergebnis: Für Weibchen waren männliche Hinterteile attraktiver – aber nur, wenn sie in einem rotem Rahmen eingefasst waren. Männliche Affen zeigten hingegen keine Präferenz für weibliche oder männliche Hinterteile – unabhängig von der Farbe des Rahmens. Das galt für beide Geschlechter, auch für das Bild der Muschel.

Rot bedeutet für den Menschen auch Gefahr – ob dies auch für Affen gilt, müssen erst weitere Studien zeigen. Foto: Pixel-3D, Shutterstock.com
Warnschild. Foto: Pixel-3D, Shutterstock.com

"Soweit wir wissen, ist dies der erste Nachweis auf einen solchen äußeren Farbeffekt bei Affen", erklären die Wissenschaftler. Dass die Weibchen stärker auf die Bilder reagieren, wenn diese von der Farbe Rot umrahmt sind, deute darauf hin, dass der beim Menschen bekannte "Rot-Effekt" bereits bei Primaten vorhanden sei. Er sei daher nicht kulturell geprägt, sondern ein biologischer Mechanismus, der sich im Lauf der Evolution entwickelt hat.

Warum jedoch die männlichen Tiere von der Farbe des Rahmens gänzlich unbeeindruckt blieben, können sich die Forscher bisher nicht erklären. Wahrscheinlich gehen von der Gesichtsfarbe der Weibchen stärkere Signale der Paarungsbereitschaft aus als nur vom Hinterteil, vermuten sie. Möglicherweise stelle ein Bild allein des Hinterteils einen zu geringen Reiz dar.  Weitere Studien sollen nun auch diese Frage beantworten helfen. (ud)