02.05.2007

Auf Spurensuche nach den Farbstoffen der Indianer

Kriminalistik-Methoden sollen alten Textilien Farbe zurückbringen

Mit kriminaltechnischen Methoden wollen amerikanische Wissenschaftler die lebhaften Farben von Textilien der vergangenen Hopewell-Kultur der Indianer Nordamerikas rekonstruieren. Die Techniken werden normalerweise eingesetzt, um Fingerabdrücke oder Blutspuren fotografisch festzuhalten. Die Forscher hoffen nun, mit ihren Untersuchungen an alten Stoffen die Zusammensetzung der Pigmente zu ergründen, mit denen sie einst gefärbt wurden – denn dass die Hopewell-Kultur von bunten Kleidern geprägt war, belegen frühe Berichte.

Stoffe der Hopewell-Kultur, Foto: Staatsuniversität von Ohio
Stoffe der Hopewell-Kultur, Foto: Staatsuniversität von Ohio
... und unter UV-Licht, Foto: Staatsuniversität von Ohio
... und unter UV-Licht,  Foto: Staatsuniversität von Ohio
 

Wie die amerikanischen Ureinwohner ihre Stoffe färbten, ist bislang kaum bekannt, denn bei archäologischen Textilfunden sind die Farben meist verblasst, die Muster unscharf und das Gewebe brüchig. Obwohl frühe weiße Siedler indianische Kleider als farbenfroh bezeichneten, kommen bei heutigen archäologischen Ausgrabungen oft nur braune Lumpen zum Vorschein – so auch in Erdhügeln im Süden des amerikanischen Bundesstaates Ohio, in denen Indianer der Hopewell-Kultur vor rund 1.600 Jahren ihre Toten bestatteten.

Einen Stofffetzen dieser Ausgrabung untersuchten nun Christel Baldia und Kathryn Jakes von der Staatsuniversität von Ohio in Columbus. Experten halten den Stoff für einen Baldachin, den die Ureinwohner einst in den Gräbern über die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen spannten. Bei Tageslicht sind darauf mit bloßem Auge nur Ansätze eines verblichenen Musters zu erkennen. In Fotografien mit speziellen Filmen und Filtern und mit Licht im Ultraviolett- oder Infrarotbereich, das für das menschliche Auge unsichtbar ist, kommen jedoch deutliche Farbabstufungen zum Vorschein. Ähnliche Verfahren werden in der Kriminalistik eingesetzt, um beispielsweise Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Die Abdrücke werden dazu mit Silbernitrat besprüht und unter UV-Licht betrachtet.

Wegen des unterschiedlichen Aussehens unter verschiedenen Lichtquellen steht für Baldia und Jakes fest, dass dieser Baldachin mit einem Pigmentfarbstoff verziert worden ist – mit ähnlichen Symbolen, die auch auf antiker Hopewell-Keramik gefunden wurden. Die Wissenschaftlerinnen können noch nicht mit Sicherheit sagen, mit welchen Pigmenten der Baldachin behandelt wurde.

Bereits die Menschen der ältesten bekannten amerikanischen Kultur, der Clovis-Kultur, malten mit rotem Ocker. Und wie Experten vermuten, benutzen die Indianer zum Malen und Färben nicht nur Mineralien, sondern auch pflanzliche Farben, etwa die roten bis orangefarbenen Wurzelsäfte des Echten Labkrauts oder der Kanadischen Blutwurz. Mehr als über die Färbetechnik der amerikanischen Indianer ist über frühe Kulturen im Mittleren Osten und in Indien bekannt. Neben Mineralien und Farben von Tieren bedienten sie sich vor allem im Pflanzenreich: Wurzeln, Beeren, Blätter, Rinde und Holz boten ihnen eine breite Farbpalette.

Um zu bestimmen, ob und mit welchem Farbstoff alte Textilien gefärbt wurden, müssen Experten weiterhin einzelne Fasern mit chemischen Methoden analysieren. Bisher wurden dazu dem Gewebe meist mehrere Proben entnommen, doch die forensische Fotografie liefert den Forschern nun bereits Hinweise auf eine Färbung. Faserproben können so viel gezielter auswählt werden, und der Stoff wird weniger beschädigt – gerade bei den kostbaren und fragilen Textilfunden ist dies ein erheblicher Vorteil. (ks)