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11.02.2009

Automobiles Chamäleon

Wissenschaftler arbeiten an einem Autolack, der auf Knopfdruck die Farbe wechseln kann

Ein Autokauf ist keine leichte Sache. Dauernd müssen Entscheidungen getroffen werden – Schaltgetriebe oder Automatik, Zweitürer oder Viertürer, Diesel oder Benziner? Zumindest die Frage nach der Farbe des Lacks könnte jedoch bald der Vergangenheit angehören: Wissenschaftler arbeiten an einem Autolack, der innerhalb von Sekunden seine Farbe wechseln kann.

Autolacke so zu entwickeln, dass sie jede beliebige Farbe annehmen können, ist ein Traum so manches Automobilbauers. Foto: photoraver, Photocase.com
Foto: photoraver, Photocase.com

Kernstück des Verfahrens ist ein neuartiger Kunststoff, der mit Nanopartikeln versehen ist, berichtet die amerikanische Fachgesellschaft ASM International. Die winzig kleinen Teilchen sind mit paramagnetischen Eigenschaften ausgestattet – das bedeutet, die Nanopartikel magnetisieren sich erst in der Gegenwart eines von außen angelegten Magnetfeldes. Mithilfe unterschiedlich starker Magnetfelder lässt sich nun die Ausrichtung der Nanopartikel im Kunststoff beinahe beliebig verändern. Besonders interessant für die Entwickler: Mit der unterschiedlichen Anordnung der paramagnetischen Nanopartikel ändert sich auch deren Fähigkeit, farbiges Licht zu reflektieren. Die magnetisierten Nanopartikel sind damit in der Lage, eine große Zahl von Farbtönen zu erzeugen. Nötig dafür ist lediglich ein schwacher elektrischer Strom, der ein entsprechendes Magnetfeld erzeugt.

Für Autobauer ist das eine gute Nachricht, da die meisten Karosserieteile aus elektrisch leitfähigen Materialien wie Stahl oder Aluminium hergestellt sind. Die Farbe soll daher direkt auf die entsprechenden Karosserieteile aufgebracht werden und wird anschließend mit einem widerstandsfähigen durchsichtigen Lack überzogen. So ist die paramagnetische Farbe vor äußeren Einflüssen geschützt.

Solange der Motor aus ist, erscheint das Auto allerdings ganz in Weiß. Der Grund dafür: Ohne Motor steht auch kein elektrischer Strom zur Erzeugung des Magnetfeldes zur Verfügung. Erst wenn das Auto angelassen wird und die Karosserie unter leichter Spannung steht, kann das Farbenspiel beginnen. Geht die Entwicklung im jetzigen Tempo weiter, könnten schon in wenigen Jahren die ersten Wagen mit Farbwechsellackierung auf den Markt kommen.

Bereits erhältlich sind dagegen so genannte ChromaFlair-Anstriche. Auch unter dem Namen ChameleonColors oder Colour Shift bekannt, ermöglichen diese Farben ebenfalls interessante optische Effekte für den Autolack. Bei diesen Farben sind ebenfalls Nanopartikel in ein Trägermaterial eingebettet. Die Farbänderung funktioniert dabei allerdings nicht über Magnetfelder, sondern hängt vom Blickwinkel des Betrachters ab. Ein glasähnlicher Überzug verleiht den Nanopartikeln dabei die Fähigkeit, wie ein Prisma zu wirken und so eine Vielzahl unterschiedlicher Farben zu erzeugen.

Für Verbraucher bedeutet das natürlich, dass sie bald wieder eine Entscheidung mehr zu treffen haben – zwischen paramagnetischer Farbe und ChromaFlair. Aber zumindest muss dank Nanotechnologie niemand mehr auf der einmal gewählten Farbe sitzen bleiben. (zen)