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04.12.2013

Autorität in Weiß

Warum in wissenschaftlichen Labors weiße Kittel getragen werden

Zerzaustes Haar, dicke Brille, ausgelatschte Schuhe und ein langer weißer Kittel: So sieht das klischeehafte Bild des genialen Naturwissenschaftlers aus. Und tatsächlich sind an manchen Hochschulen und Instituten vereinzelt auch außerhalb der Labors so gewandete Vertreter der Wissenschaft anzutreffen. Der weiße Kittel ist für sie ein Symbol wissenschaftlicher Autorität. In den meisten Fällen wird er heutzutage freilich nur getragen, um im Labor vor Chemikalien und Schmutz geschützt zu sein.

An amerikanischen Universitäten werden bis heute zu den Abschlussfeiern Talare getragen. Die Farben der Besätze stehen auch hier für die Zugehörigkeit zur jeweiligen Fakultät. Foto: hxdbzxy, Shutterstock.com
Talare. Foto: hxdbzy, Shutterstock.com

Die eigentliche Farbe der Wissenschaft ist das Schwarz: Der klassische Gelehrte trug lange Zeit einen schwarzen Talar. "Unter den Talaren, Muff von tausend Jahren", hatten die Studenten der 1968er-Bewegung noch skandiert, bis das Kleidungsstück schließlich aus dem deutschen Universitätsbetrieb gänzlich verschwand. Zum Schwarz als Grundfarbe ihrer Talare trugen die Professoren einst noch weitere Farben in Gestalt von aufgenähten Besätzen und von Baretten, an denen ihre jeweilige Fakultät zu erkennen war.

Laut einem königlichen Erlass des Jahres 1853 hatten beispielsweise die Mitglieder der philosophischen Fakultät der Universität Bonn Dunkelblau zu tragen, während Mediziner am Scharlachrot zu erkennen waren. Juristen trugen Purpurrot, während sich evangelische Theologen durch das Violett der Evangelischen Kirche zu erkennen gaben. Die naturwissenschaftliche Fakultät, die sich erst 1937 von der philosophischen abspaltete, wählte Hellblau als Erkennungsfarbe.

Dieser Farbcode konnte jedoch von Hochschule zu Hochschule etwas variieren und war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Inzwischen gibt es jedoch immer mehr Universitäten, in denen die Studenten zu den Abschlussfeiern Talare und Doktorhüte tragen – inspiriert von den aufwendigen Kleiderordnungen britischer und amerikanischer Hochschulen.

Andere als weiße Arbeitskittel sind in wissenschaftlichen Labors heute undenkbar. Foto: shotsstudio / 123RF Stock Foto
Laborkittel. Foto: shotsstudio / 123RF Stock Foto

Doch zurück zum weißen Kittel des Naturwissenschaftlers: Dieser hat im Gegensatz zum Talar (der ursprünglich in den kalten, zugigen Gemäuern der Universitäten auch eine wärmende Funktion hatte) heute nicht nur symbolische Bedeutung, sondern war und ist schlichtweg praktisch: Chemiker etwa, die häufig mit ätzenden oder stark färbenden Flüssigkeiten und Stoffen arbeiten, brauchen ein Kleidungsstück zum Schutz vor den gefährlichen und verschmutzenden Stoffen.

Und ein weißer Stoff, der mit hohen Temperaturen gewaschen und auch gebleicht werden kann, bietet sich hierbei besonders an. Außerdem können sich die Wissenschaftler mit dem Weiß von Metallhandwerkern  oder Schreinern abheben, die bis heute häufig graue oder braune Arbeitsmäntel tragen. So entwickelte sich der weiße Kittel zum Kleidungsstück des wissenschaftlichen Labors – und kein Chemiker oder Biologe würde heute wagen, in einem anderen als einem weißen Kittel im am Arbeitsplatz zu erscheinen. (ud)