19.08.2009

Bei Rot stehen, bei Grün gehen

Wie sich Rot, Gelb und Grün als Ampelfarben durchgesetzt haben

"Bei Rot da steh', bei Grün da geh', bei Gelb gib acht": Die Bedeutung der Ampelfarben kennt heute jedes Kind. Das war nicht immer so. Erst mit der Erfindung der Eisenbahn steht die Farbe Rot im Verkehr für "Stopp!". Noch später etablierten sich Grün für freie Fahrt und Gelb als Achtung-Symbol. Heute sind diese Assoziationen aus dem Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken.

Die Verkehrsampel heißt Ampel, weil sie früher tatsächlich häufig an Seilen aufgehängt war. Foto: gordon bussiek, Photocase.com
Foto: gordon bussiek, Photocase.com

So sehen Kritiker rot, Schiedsrichter verteilen gelbe Karten und Chefs geben grünes Licht. Sogar auf Lebensmittelverpackungen könnten demnächst rote, gelbe und grüne Punkte signalisieren, wie gesund die darin enthaltenen Produkte sind. Wie die Entstehungsgeschichte der Verkehrsampel jedoch verlaufen ist, das hat die Kulturwissenschaftlerin Darijana Hahn in ihrem Buch "Zipp und zu! 50 Erfindungen, die unser Leben wirklich veränderten" nachgezeichnet.

Die erste handbetriebene Ampel stand demnach 1868 in London. Tagsüber ersetzten zwei klappbare Arme die Anweisungen der Verkehrspolizisten. Bei Dunkelheit leuchtete eine drehbare Gaslaterne, die entweder ein rotes oder ein grünes Licht abgab. Das waren neben Weiß die einzigen beiden Farben, die damals gut unterscheidbar erzeugt werden konnten. So lag es nahe, die Farbe Rot als Haltsignal zu verwenden. Sie ist neben Gelb und Orange eine der auffälligsten Farben und steht für Gefahr. Auf Grün fiel die Wahl vermutlich, weil dies die Komplementärfarbe zu Rot ist. Dabei soll das grüne Licht jedoch zunächst "Achtung" oder "Langsamfahrt" signalisiert haben, während Weiß im Allgemeinen für freie Fahrt stand.

Sicher ist, dass die gasbetriebene Ampel in London schon kurz nach ihrer Inbetriebnahme explodierte. Erst nach der Erfindung des elektrischen Lichtes tauchten in den USA vergleichbare Anlagen auf. James Hoge aus Cleveland in Ohio ließ sich dabei von den Tageslichtsignalen aus dem Eisenbahnverkehr inspirieren. Diese hatten aufgrund stark gebündelter Strahlen eine gute Fernwirkung. Im Jahre 1913 erfand er eine zweifarbige Lichtzeichenanlage für den Straßenverkehr. Die ersten dreifarbigen Ampeln wurden 1920 in Detroit und New York aufgestellt.

Weißes Licht als Zeichen für freie Fahrt setzte sich auf Dauer nicht durch. Denn sobald eine Farbscheibe in der Lichtzeichenanlage kaputt ging, erschien plötzlich auch das rote oder grüne Licht weiß. So blieb es bei den auffälligen Farben Rot, Grün und Gelb.

Von den USA aus verbreiteten sich die elektrisch betriebenen Anlagen in den 20er-Jahren dann in Europas Großstädten. Weil sie an Drahtseilen hängend über den Kreuzungen montiert wurden, erinnerten sie an Blumenampeln, was ihnen in Deutschland den umgangssprachlichen Namen "Ampel" verlieh. Mittlerweile werden die Ampelfarben weltweit verstanden. Für Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche oder Farbenblindheit sind allerdings weniger die Farben als die Anordnung der Lichter von oben nach unten entscheidend. (lk)

Weitere Informationen:
Wilhelm Ewert: Die Lichtsignalanlage