20.04.2011

Bei Weiß und Blau droht Gefahr

Was die Farbe aus dem Auspuff über den Zustand von Motoren aussagt

Auspuffqualm und Abgasschwaden galten lange Zeit geradezu als Symbole automobilen Fortschritts. Heute, im Zeitalter von Katalysatoren und Partikelfiltern, ist dicker Rauch aus dem Auspuff ein seltenes Phänomen geworden – und ein manchmal beunruhigendes: Farbige Abgase können Zeichen eines drohenden Motorschadens sein und zeigen im Extremfall an, dass die Technik bereits Schaden genommen hat.

Auspuffqualm, Foto: Ruben de Rijcke, CC-Lizenz
Weißlicher Rauch aus dem Auspuff ist bei kalten Motor und kaltem Wetter meist harmlos. Foto: Ruben de Rijcke, CC-Lizenz

Das häufigste, gleichwohl völlig harmlose Farbphänomen aus dem Auspuff ist oft nach einem Kaltstart im Winter zu beobachten: Es treten weißliche Abgaswolken aus, und was aussieht wie Dampf, ist auch tatsächlich kondensiertes Wasser. Es handelt sich dabei um eines der Endprodukte, die bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel entstehen. Beide Kraftstoffe sind Kohlenwasserstoffe, Verbindungen zwischen Kohlenstoff und Wasserstoff also, die bei der Verbrennung mit dem Sauerstoff der Luft im Idealfall zu Kohlendioxid und Wasser reagieren.

Hat der Motor seine Betriebstemperatur noch nicht erreicht und ist es draußen sehr kalt, kann sich das Abgas im Auspuff so weit abkühlen, dass der Wasserdampf kondensiert und die feinen Wassertröpfchen als feiner Nebel sichtbar werden. Diese weißen Wolken sind daher vollkommen harmlos – und sie verschwinden, wenn der Motor warmgelaufen ist.

Anders sieht es jedoch aus, wenn ein heißer Motor weiße Rauchwolken ausstößt. Dies deutet darauf hin, dass die Zylinderkopfdichtung undicht geworden ist. Diese hat die Aufgabe, das Kurbelgehäuse, in dem die Zylinder mit den beweglichen Kolben befinden, gegen den Zylinderkopf abzudichten. Letzterer enthält neben den Zündkerzen und Einspritzdüsen beim Diesel unter anderem Kanäle für das Kühlwasser. Ist die Zylinderkopfdichtung defekt, kann Wasser aus dem Kühlkreislauf in den Zylinder gelangen, das dort sofort verdampft und im Auspuff wegen der großen Wassermenge meist wieder kondensiert.

Wer Glück hat, bemerkt den so entstehenden weißen Dampf rechtzeitig. Manchmal ist der Ausstoß einer weißen Wolke jedoch auch das letzte Lebenszeichen des Automotors, bevor er mit defektem Zylinderkopf liegenbleibt.

Auspuffqualm, Foto: Chris Keating (Dr. Keats), CC-Lizenz
Steigt bläulicher Rauch aus dem Auspuff, kann ein Defekt am Ölkreislauf des Motors vorliegen. Foto: Chris Keating (Dr. Keats), CC-Lizenz

Weißer Rauch ist also häufig ein übles Zeichen für Autofahrer. Nicht viel anders sieht es bei blauen Abgasen aus: Sie sind Anzeiger dafür, dass an irgendeiner Stelle Motorenöl in den Zylinder gerät und dort verbrennt. Ursache kann auch hier wieder eine defekte Zylinderkopfdichtung sein, durch die Öl aus dem Ölkreislauf in den Brennraum drückt. Doch das Öl kann auch auf anderen Wegen dorthin gelangen: Sind die sogenannten Ventilschaftdichtungen undicht geworden, kommt es ebenfalls zur Verbrennung von Motorenöl. Entlang der Führungen der Ventile, durch die das Kraftstoff-Luft-Gemisch in den Zylinder einströmt, gerät dann Öl in den Zylinder. Das kann ebenfalls passieren, wenn die Dichtringe, die den Kolben gegen die Zylinderwand abdichten, nicht mehr richtig schließen. Blauer Rauch deutet daher meist auf einen Defekt im Ölkreislauf des Motors hin.

Schwarz schließlich ist die dritte Farbe, die sich aus dem Auspuff bemerkbar machen kann. Für Dieselfahrer waren solche schwarzen Wolken jahrzehntelang vollkommen alltäglich: Besonders nach langen Standzeiten oder vielen Kurzstreckenfahrten stieß der Auspuff beim Anlassen oder kräftigen Beschleunigen dicke, schwarze Rußwolken aus. Die mehr oder minder feinen Rußpartikel hatten sich im Auspuff angesammelt und wurden im Abgasstrom herausgeschleudert.

Heute produzieren Dieselmotoren meist sehr viel weniger sichtbare Partikel – oder diese werden gleich durch Partikelfilter aus dem Abgasstrom herausgefiltert. Übermäßiger Rußanfall und damit schwarzer Rauch kann beim Diesel ebenso wie beim Auto mit Benzinmotor jedoch bedeuten, dass der Kraftstoff mit zu wenig Luft verbrannt wird, beispielsweise wenn der Luftfilter verstopft ist oder die Motorsteuerung defekt ist. (ud)