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11.11.2009

Bei der Farbe ist manchmal auch ein wenig Toleranz gefordert

Wenn Farben in optimale Übereinstimmung gebracht werden sollen, gibt es keine Perfektion

So hatte es sich der Kunde nicht vorgestellt: Er hatte eigens einen Malermeister beauftragt, die neuen Heizkörper in seiner Wohnung farblich genau den extravaganten Violett- und Rottönen seiner Teppichböden anzupassen. Nun, nach der Montage der Heizkörper, zeigen sich dennoch deutlich sichtbare Farbunterschiede zwischen Metall und Textil. Genau hier, bei den unterschiedlichen Materialien, liegt bereits das Dilemma: Bei zwei so verschiedenen Werkstoffen eine perfekte Farbübereinstimmung zu erzielen, ist praktisch unmöglich.

Bei unterschiedlichen Werktstoffen eine optimale Farbübereinstimmung zu erzielen, erfordert vor allem eines: große Erfahrung. Foto: zach, Photocase.com

Der Grund für dieses kaum lösbare Problem liegt in den unterschiedlichen Oberflächen: Die Struktur der Oberfläche hat großen Einfluss auf die Farbwirkung, denn durch die Schattenbildung wirken gleichfarbige Oberflächen mit zunehmender Rauigkeit dunkler. Auch können schon geringe Unterschiede beim Oberflächenglanz dazu führen, dass selbst identische Beschichtungen unter verschiedenen Blickrichtungen plötzlich eine große Farbabweichung zeigen.

Auch der Wechsel von Tages- und Kunstlicht in der Wohnung des anspruchsvollen Kunden mit dem extravaganten Farbgeschmack kann mitverantwortlich dafür sein, dass er das Ergebnis nun so nicht akzeptieren möchte: Da erst durch das Licht, das auf das jeweilige Objekt fällt, der Farbeindruck entsteht, nimmt das Auge somit immer das Resultat aus einer Kombination von Licht und den Reflektionseigenschaften der jeweiligen Oberfläche wahr. Verändert sich das Licht – beispielsweise beim Wechsel von Tageslicht zu Kunstlicht – so kann das zu Farbabweichungen führen. Metamerie nennt der Fachmann diesen Effekt.

Was geschieht nun im Fall des Kunden mit den farblich angepassten Heizkörpern? Muss dieser die Farbabweichungen akzeptieren oder muss der Maler nacharbeiten? Bisher gibt es keine bindend festgeschriebenen Normen, in denen genaue Toleranzwerte für solche Farbabweichungen festgelegt sind. Allenfalls für die Lackierungen von Autos, die Farben von Verkehrszeichen und für die sechs Farben von Sicherheitskennzeichnungen, wie sie etwa bei Warn- und Hinweisschildern am Arbeitsplatz verwendet werden, existieren verbindliche Regelwerke. Es gibt allerdings ein Merkblatt des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz, in dem einige Richtlinien und Grundsätze über Farbübereinstimmungen an und in Bauwerken festgehalten sind.

Grundsätzlich unterschieden wird in jenem Merkblatt Nr. 25 zwischen normalen und besonderen Anforderungen an die Farbübereinstimmung. Normale Anforderungen liegen etwa vor, wenn die verschiedenen Farbflächen durch einen Spalt oder Außen- und Innenecken an Wänden deutlich voneinander getrennt sind oder sie sich beispielsweise an unterschiedlichen Raumseiten befinden.

Besondere Anforderungen werden hingegen an Bauteile gestellt, die direkt aneinandergrenzen oder bei denen ein Objekt aus mehreren Teilflächen besteht: Wenn beispielsweise ein Maler die einzelnen Türen einer Schrankwand neu beschichtet, erwartet der Kunde mit Recht, dass hier keine merklichen Farbabweichungen auftreten. Ein strengerer Maßstab wird auch angelegt, wenn vorhandene Flächen ausgebessert werden, denn hier fallen Abweichungen natürlich besonders schnell negativ auf. Besondere Anforderungen sehen die Verfasser des Merkblatts auch bei Effektbeschichtungen und bei besonders beleuchteten Flächen vor.

Da in dem Beispiel die farbigen Heizkörper vom Teppich räumlich getrennt sind, gelten hier lediglich die Kriterien für normale Anforderungen. Das Merkblatt sieht für diesen Fall einen bestimmten maximal zulässigen Farbabstand vor, der in Delta-E-Werten nach dem CIElab-Farbsystem angegeben wird. Liegen die Abweichungen innerhalb dieses Grenzwerts, so muss der Kunde sie tolerieren – überschreitet die Farbdifferenz hingegen den maximal zulässigen Delta-E-Wert, so muss der Maler nacharbeiten.

Wie kann nun das Ziel einer optimalen Farbübereinstimmung erreicht werden? Auch dazu enthält das Merkblatt einige Empfehlungen. Zunächst einmal muss bei der Abtönung von Beschichtungsstoffen auf eine hohe Präzision geachtet werden – treten schon hier bereits größere Abweichungen auf, ist die Chance auf eine gute Farbübereinstimmung bereits vertan. Unabhängige Tests, in denen die Abtönung von Bautenlacken und Bautenfarben durch Farbmischanlagenuntersucht wurden, haben hier jedoch generell eine gute Farbtongenauigkeit ergeben.

Grundsätzlich unvermeidlich – auch das hält das Merkblatt fest – sind Farbabweichungen, wenn Bauteile aus unterschiedlichen Materialien farblich aneinander angepasst werden sollen. Um die Gegensätze möglichst gering zu halten, sollte bei der Farbtonabstimmung grundsätzlich das Originalmuster zur Verfügung stehen, empfiehlt das Merkblatt. Dieses Muster sollte nicht in irgendeiner Werkstatt oder einem Labor begutachtet werden, sondern in jedem Fall auch in den Lichtverhältnissen vor Ort. Die Objekte müssen exakt so platziert werden, wie sie auch später montiert beziehungsweise lackiert werden. Dies auch in Fällen wie der Heizkörper und Teppiche umzusetzen, ist in der Praxis freilich schwierig.

Auch der Untergrund sorgt immer wieder für Probleme: Sind die Farbunterschiede zwischen Untergrund und der folgenden Beschichtung besonders groß, kann dies dann letztlich doch zu Farbabweichungen führen. Abhilfe schafft hier eine zusätzliche Zwischenbeschichtung, die im Farbton der Schlussbeschichtung ausgeführt wird. Trotz aller Regeln und Grundsätze und der verfügbaren Messtechniken ermöglicht letztlich nur die Erfahrung und das geschulte Auge des Handwerkers und Farbgestalters optimale Ergebnisse. (ng/ud)

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