Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

07.09.2011

Blue statt Grün

Warum besonders umweltfreundliche Produkte heute oft mit dem Attribut "Blau" beworben werden

Besonders saubere und umweltfreundliche Produkte sind grün. Jahrzehntelang galt diese Farbzuordnung – so absurde Begriffe wie grüner Strom haben hier ihren Ursprung. Doch eine andere Farbe schickt sich nun an, Grün als Symbol ökologischer Korrektheit den Rang abzulaufen: die Farbe Blau, in diesem Zusammenhang meist englisch als "blue" bezeichnet und vielfach als farbiges Etikett gebraucht. Besonders auffällig ist dieser Trend bei den Automobilkonzernen, doch auch andere Branchen hat die blaue Welle bereits erfasst.

Einfach nur "grün" zu sein, reicht vielen Unternehmen nicht aus: Sie propagieren einen ganzheitlichen, nachhaltigen Ansatz – und assoziieren diesen oft mit der Farbe Blau. Foto: Astonishing, Photocase.com
Grüne Wiese, blauer Himmel, Foto: Astonishing, Photocase.com

Der Umstieg vom Grün zum Blau hat wie die meisten Modetrends vielschichtige Ursachen. Der wichtigste Grund dürfte im Image der Farbe Grün liegen. Grün bedeutet nicht nur Sauberkeit und Umweltfreundlichkeit, sondern klingt für manche auch ein wenig nach Gesundheitssandale – nicht gerade ein Image, das zu moderner Technik passt. Auch schwingt beim Grün oft ein wenig der Gedanke an Verzicht mit – und diesen will die Industrie ihren potenziellen Käufern gewisslich nicht vermitteln.

Dieses unerwünschte Image war auch einer der Gründe, die den Volkswagen-Konzern dazu gebracht hat, seine Dachmarke für umweltgerechtes Handeln "Think Blue" und seine besonders spritsparenden Automodelle im Produktprogramm "BlueMotion" zu nennen. VW gehört damit zu den Automobilkonzernen, die inzwischen auf Blau als Symbol für ökologisches Bewusstsein setzen. Während der 1999 erschienene, ganz auf Sparsamkeit getrimmte "3-Liter-Lupo" noch mit grünen Schriftzügen seine niedrigen Verbrauchswerte anpries, taucht heute bei VW überall die blaue Farbe auf, wenn es sich um besonders sparsame Modelle handelt. "Mit 'Think Blue' möchte Volkswagen signalisieren, dass umweltverträgliches Verhalten auch Spaß machen kann", erklärt Ines Roessler von der Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Blau sei ohnehin eine Markenfarbe des Konzerns – und stehe außerdem für die schützenswerten Ressourcen Wasser und Luft.

Ähnlich haben auch die Strategen des Daimler-Konzerns gedacht, als sie den Begriff "Blue Efficiency" kreierten, unter dem heute die besonders sparsamen Automodelle des Konzerns verkauft werden. Das Blau wecke hier positive Assoziationen zum Himmel und zum Meer, erläutert Konzernsprecherin Charlotte Siegel. Auch Autokonzerne aus Fernost sind auf den blauen Trend aufgesprungen: Wer beispielsweise ein besonders sparsames Modell des koreanischen Herstellers Hyundai erwirbt, findet ein schlichtes "blue" auf der Heckklappe.

Als Farbe des Himmels und des Meeres steht Blau wie keine andere Farbe für die Erde. Foto: Nasa, public domain
Erdball, Foto: Nasa, public domain

Doch selbst Handys werden heute mit Blau als Attribut verkauft. So hat Samsung ein Handy namens "Blue Earth" herausgebracht, dessen Gehäuse aus alten PET-Flaschen hergestellt wird und über eingebaute Solarzellen mit elektrischer Energie versorgt wird. Die inhaltliche Verbindung von Blau zum Erdball und dessen Schutz wird überhaupt häufig hergestellt – oft im Zusammenhang mit dem viel gebrauchten Schlagwort der Nachhaltigkeit: So wirbt die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilien (ÖGNI) für "blue buildings" – Gebäude, die nach Kriterien der Nachhaltigkeit geplant und gebaut wurden. Und unter dem Stichwort "Blue Responsibility" kamen 2011 in Frankfurt auf der internationalen Messe ISH Hersteller von Sanitärtechnik zusammen, um Möglichkeiten der Einsparung von Wasser im Bad aufzuzeigen.

Wachsende Bekanntheit erlangt auch der Begriff "blue economy", der vom belgischen Unternehmer und Buchautor Gunter Pauli geprägt wurde. In seinem 2010 erschienenen gleichnamigen Buch propagiert er die Chancen nachhaltiger, innovativer Ansätze für Umwelt, Wirtschaft und die Menschen gleichermaßen. Die "blue economy" sei damit eine Weiterentwicklung der "green economy", die sich noch überwiegend auf den Umweltgedanken konzentriert hatte.

Der Trend vom Grün zum Blau scheint damit eine Entwicklung widerzuspiegeln, der immer mehr Unternehmen folgen: Sie versuchen, nicht nur einfach ihre Umweltstandards zu verbessern, sondern wollen ihr Geschäft nach ganzheitlichen und nachhaltigen Kriterien ausrichten. (ud)