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25.11.2015

"Blutregen" verunsichert spanisches Dorf

Wie eine Alge Regenwasser plötzlich rot färbt

"Und Mose hob den Stab und schlug ins Wasser, das im Nil war, vor dem Pharao und seinen Großen. Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt." An diese Schilderung aus dem 2. Buch Mose sahen sich im Herbst 2014 die Bewohner des spanischen Dörfchens Fuente Encalada erinnert: Regenwasser, das sich in Schwimmbecken, Fässern oder Zisternen gesammelt hatte, verfärbte sich innerhalb weniger Tage blutrot. Nach intensiver Suche fanden spanische Wissenschaftler die Erklärung für das Phänomen in Gestalt einer Alge, die das Wasser rot färbt.

Mancher Bewohner des Dorfes glaubte angesichts des roten Wassers zuerst an einen schlechten Scherz unliebsamer Nachbarn. Foto: Joaquin Perez
Blutregen. Foto: Joaquin Perez

Das Rätselraten war groß in dem kleinen Ort Fuente Encalada: Hatten unliebsame Nachbarn Wasserbecken und Zisternen mutwillig verunreinigt? Waren es Flugzeuge, die Chemikalien versprüht hatten? Wilde Gerüchte um das rätselhafte Rot im Wasser kursierten im Herbst 2014 in der spanischen Provinz Zamora und erreichten schließlich auch das Nachbardorf Ayoo de Vidriales. Dort lebt Joaquin Perez, ein wissenschaftlich interessierter Laie, der nun beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen.

Er fuhr nach Fuente Encalada und begann, Proben zu sammeln und die Rotfärbung zu dokumentieren. Schließlich entdeckte er kleine Partikel, von denen die Färbung auszugehen schien, an den Rändern und am Boden der Behälter. Er schickte die Behälter an die Universität von Salamanca, wo Wissenschaftler des Rätsels Lösung fanden: Die Rotfärbung wird von einem alten Bekannten verursacht, der Alge Haematococcus pluviales. Die Alge produziert das rote Pigment Astaxanthin, das unter anderem Flamingos und dem Fleisch von Lachsen ihre Farbe verleiht.

Joaquin Perez sammelte zahlreiche Proben des rot gefärbten Wassers. Foto: Joaquin Perez
Blutregen. Foto: Joaquin Perez

Der Urheber der Farbe ist damit ausfindig gemacht, doch wie die Alge ins Wasser gelangt war, wissen die Wissenschaftler damit noch lange nicht. In nordamerikanischen Binnengewässern ist sie weit verbreitet, ebenso entlang der europäischen Atlantikküste – nicht aber im spanischen Binnenland, zweihundert Kilometer vom Meer entfernt. In keinem der Seen und Tümpel rund um die Fundstellen des blutroten Wassers konnten die Wissenschaftler die Alge aufspüren.

Sie müsse also von weiter her kommen – zugeflogen sozusagen: Möglicherweise hätten nämlich starke Westwinde getrocknete Algensporen in die Region getragen, vermuten die Wissenschaftler um den Geologen Javier Fernández Lozano. Vielleicht stammten die Algen sogar aus Nordamerika, wie eine Auswertung von Wetterdaten ergab. Denn tatsächlich vermerkten Meteorologen im Herbst 2014 starke Luftströmungen aus Westen, in denen die Algensporen auf die Iberische Halbinsel gereist sein könnten.

Durch Algen rot verfärbte Gewässer sind zwar kein seltenes Phänomen und kommen an vielen Orten auf der Welt vor. Doch dass Algensporen weite Reisen übers Meer machen können, das konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden. (ud)