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04.08.2004

Brachte eine grün gemusterte Tapete Napoleon das Ende?

Wissenschaftler entlarven die Geschichte um die schleichende Arsenvergiftung des Feldherrn als eine Legende

Eine grün gemusterte Tapete, Arsen und eine Insel im Südatlantik spielen die Hauptrollen in einer mysteriösen Geschichte um den Tod Napoleons: Der Imperator mit der angeblichen Vorliebe für die Farbe Grün sei in der Verbannung auf St. Helena durch die arsenhaltigen Ausdünstungen der grünen Tapete in seinem Zimmer vergiftet worden, wird kolportiert. Doch auch wenn die wahren Gründe für das Ableben bis heute im Dunkeln geblieben sind: Diese Version vom Ableben des Feldherrn ist wohl nur eine Legende, sagen Wissenschaftler.

Um Napoleons Aufstieg ranken sich Geschichten und Anekdoten, um seinen Fall und sein Ende ebenso. Eine davon haben Wissenschaftler nun als Legende entlarvt.
Napoleon

Er war französischer Kaiser und beherrschte im frühen 19. Jahrhundert einen Großteil Europas. Doch das Ende des Eroberers war eher kläglich. Nachdem Napoleon in Waterloo geschlagen worden war, wurde er 1815 von den Engländern auf die 2.000 Kilometer vor Afrika gelegene Insel St. Helena verbannt. Dort lebte er in Longwood House bis zu seinem Tod am 5. Mai 1821. Von Depressionen geplagt verließ der Zeit seines Lebens kränkliche Mann kaum noch sein Haus und verfasste dort seine Memoiren.

Die Lebensumstände auf dem Eiland im Südatlantik waren alles andere als bequem, das Haus in einem maroden Zustand. Woran Napoleon in seinem Exil schließlich starb, darüber sind sich Forscher bislang jedoch nicht einig. Der britische Obduktionsbericht nannte Magenkrebs als Todesursache. Doch auch die Möglichkeit, dass der Herrscher vergiftet wurde, wird von vielen Experten in Betracht gezogen.

Diese Hypothese wurde in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestärkt, als in einer Haarprobe Napoleons Arsen nachgewiesen wurde. Auch neuere und genauere Analysen vor wenigen Jahren konnten bestätigen: Das Haar des Kaisers war etwa fünfmal stärker mit dem Gift belastet als das der heutigen Bevölkerung. Doch modernere Untersuchungen bestätigten auch, dass diese Menge kaum ausgereicht hätte, Napoleon tatsächlich zu töten. Daher spielten bei der Aufnahme des Giftes vermutlich eher natürliche Ursachen eine Rolle als unredliche Absichten mörderischer Verschwörer. Damals wurde zum Beispiel mehr Arsen über Nahrung und Trinkwasser aufgenommen als heute.

Doch auch auf eine Tapete mit einem speziellen Grün könnten die hohen Arsenmengen zurückzuführen sein, die im Haar Napoleons gefunden wurden. Das grüne Pigment "Scheeles Grün" wurde zur damaligen Zeit häufig verwendet – unter anderem auch für die Tapete in Napoleons Zimmer. Der im Jahr 1778 von dem schwedischen Chemiker Wilhelm Scheele entwickelte Farbstoff ist nichts anderes als Kupferarsenit, eine Verbindung aus Arsen und Kupfer. Das leuchtend grüne Farbpigment war seit etwa 1800 weit verbreitet. Die Substanz war preiswert und fand vor allem Anwendung bei der Herstellung von Farben für Textilien und Tapeten.

Doch die Bezeichnung "Giftgrün" kommt nicht von ungefähr. Mit Scheeles Grün bedruckte Tapeten konnten schädliche Arsengase freisetzen: Bei Feuchtigkeit zersetzte sich der Farbstoff und giftige Arsenverbindungen wurden an die Luft abgegeben. In der Hitze St. Helenas war hohe Luftfeuchtigkeit keine Seltenheit, so dass die grüne Tapete in Napoleons Zimmer durchaus als Ursache für die hohen Arsenwerte in Napoleons Haar in Frage kommt. Die grüne Farbe in der Wandbespannung könnte dem verbannten Herrscher zum Verhängnis geworden sein – zumal er sich gegen Ende seines Lebens von Depressionen geplagt immer häufiger bei geschlossenen Fenstern im Haus verschanzt haben soll.

Doch wo endet die Legende und wo beginnt die Wahrheit? Auch wenn Napoleon durch die Tapete große Arsenmengen aufgenommen hat, waren diese wohl nicht tödlich, sagen Wissenschaftler. Seine ohnehin schon angeschlagene Gesundheit hat das Gift jedoch sicherlich weiter belastet.

In dieses Bild passt auch eine erst kürzlich von amerikanischen Medizinern formulierte Hypothese, nach der Napoleon durch die Behandlung seiner übereifrigen Ärzte zu Tode gekommen sei. Steven Karch vom San Francisco Medical Examiner's Department und seine Kollegen hatten dazu die Aufzeichnungen über die letzten Wochen des Eroberers analysiert. Die dort beschriebenen Kuren mit täglichen Darmspülungen führten dazu, dass er sich ständig übergab und reduzierten seine Kaliumwerte vermutlich derart drastisch, dass es zu Herzproblemen und Störungen der Hirndurchblutung kam.

Der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte, war nach Ansicht von Karch jedoch eine Überdosis Quecksilberchlorid, welche die Ärzte Napoleon als Abführmittel verabreichten. Das Mittel senkte die Kaliumwerte noch weiter und Napoleon starb zwei Tage nach der Behandlung.