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10.07.2013

Das Auge lässt nach, die Farbwahrnehmung nicht

Britische Forscherin untersucht Einfluss des Alters auf das Farbensehen


Ganz normal, dass im Alter häufig Gehör und Sehschärfe nachlassen – doch was ist mit dem Farbensehen? Können ältere Menschen ebenso gut Farben wahrnehmen und unterscheiden wie junge? Dieser Frage ist nun die britische Wahrnehmungspsychologin Sophie Wuerger nachgegangen. Das überraschende Ergebnis: Die Empfindlichkeit des Auges für Farben leidet im Alter, doch auf die Farbwahrnehmung hat das nur einen geringen Einfluss. Das Gehirn gleicht die Defizite des Sinnesorgans weitgehend aus.

Alte Menschen können praktisch ebenso gut Farben wahrnehmen wie junge – obwohl ihre Sinnesorgane sonst häufig stark nachlassen. Foto: Ruben Jacob, Photocase.com
Alter Mann, Foto: Ruben Jacob, Photocase.com

Es gibt mindestens zwei Effekte, die das Farbsehen im Alter potenziell negativ beeinflussen: Die Linse im Auge, durch die das Licht auf die Netzhaut fällt, verfärbt sich im Lauf der Jahre gelblich. Dadurch kann kurzwelliges Licht sie nicht mehr so gut durchdringen – das Auge wird unempfindlicher gegenüber bläulich-grünen Farbtönen. Außerdem könnte die Leistungsfähigkeit der für das Farbsehen verantwortlichen Zapfen nachlassen, unter anderem da sich die Signalübertragung in den Nervenzellen bei alten Menschen verlangsamt.

Keine dieser Beeinträchtigungen hat einen letztlich gravierenden Einfluss auf die Farbwahrnehmung, fand nun die Wahrnehmungspsychologin Sophie Wuerger heraus. Sie hatte an insgesamt 185 Freiwilligen zwischen 18 und 75 Jahren Sehtests durchgeführt, in denen sie die Bewertung von Farbtönen erprobte  sowie die Fähigkeit, feinste Farbunterschiede wahrzunehmen. Getestet wurde dabei auch, wie sich unterschiedliche Beleuchtungssituationen auf die Farbwahrnehmung auswirken.

Allenfalls bei der Unterscheidung von Farben im Grünbereich verzeichnete die Forscherin signifikante Differenzen zwischen den jungen und älteren Probanden – ein Ergebnis, das wohl auf die Gelbfärbung der Linse zurückgeht. Ansonsten waren die Unterschiede zwischen den Generationen nur marginal.

Auffällig war, dass gerade die Beeinträchtigungen aufgrund der Gelbfärbung der Linse dennoch viel schwächer ausfielen, als aufgrund dieser Veränderung des Sehorgans zu erwarten gewesen wäre. Wuerger geht daher davon aus, dass sich die Verarbeitung der Farbreize im Gehirn über die Jahre hinweg an diesen Wandel anpasst. "Offenbar nimmt das Gehirn eine Re-Kalibrierung vor, wenn wir älter werden", erklärt die Wissenschaftlerin. (ud)