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22.08.2007

Das Farbsystem des Aron Sigfrid Forsius

Dem finnisch-schwedischen Astronomen gelang 1611 mit seiner Farbkugel der Brückenschlag zwischen Antike und Moderne

Ruhm erntete er nicht zu Lebzeiten, denn seine Beschreibungen wurden erst über dreihundert Jahre später in der Königlichen Bibliothek in Stockholm wiederentdeckt: Der finnisch-schwedische Gelehrte Aron Sigfrid Forsius schuf 1611 das erste Farbsystem. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde das Werk erst 1969, als es beim ersten Kongress der International Color Association vorgestellt wurde. Das kugelförmige Modell enthält als Primärfarben Weiß und Schwarz. Aus ihnen entspringen seiner Auffassung nach alle anderen Farben. Dabei wählte er als Grundfarben Gelb, Rot, Grün und Blau, die er zwischen das Weiß und das Schwarz einordnete und ihnen verschiedene Graustufen verlieh – der erste Versuch, eine Grauskala von Hell nach Dunkel einzuführen.

Forsius Farbsystem, Grafik: ab
In Forsius Farbsystem sind die Farben auf Bögen zwischen Weiß und Schwarz aufgespannt. Grafik: ab

In Finnland geboren, in Schweden 1603 zum Professor für Astronomie ernannt, war Aron Sigfrid Forsius eher ein umstrittener Gelehrter. Er betätigte sich nicht nur als forschender Wissenschaftler, sondern widmete sich später mystischen Betrachtungen und begann zu predigen. 1619 wurde er seines Amtes enthoben, weil er astrologische Weissagungen vorgenommen haben soll.

Nichtsdestotrotz hatte er 1611 als erster ein Farbsystem entwickelt. Zwei Jahre später schon veröffentlichte der belgische Jesuit Franciscus Aguilonius sein mit Rundbögen ausgestattetes Farbsystem – und fast zwanzig Jahre später erschien der erste gedruckte Farbenkreis im medizinischen Werk des Engländers Robert Fludd. Zwar kamen Fludd und Aguilonius früher zu Ruhm. Doch Forsius Gedanken als Wissenschaftler zu den Farben sind für die damalige Zeit durchaus spannend: "Unter den Farben gibt es zwei Primärfarben, Weiß und Schwarz, in denen alle anderen ihren Ursprung haben", lautet einer seiner Kernsätze.

Damit zählte Forsius ebenso wie Leonardo da Vinci hundert Jahre vor ihm Weiß und Schwarz zu den Farben. Sie stellte er an die jeweiligen Pole seines Farbkreises. Und sie bestimmen von oben (Weiß) nach unten (Schwarz) seine Grauskala. Zwischen ihnen spannen sich von links nach rechts die anderen Farbtöne auf, die aus den Grundfarben Gelb, Rot, Blau und Grün entspringen. Rot ordnete Forsius mit all seinen Schattierungen auf der linken Kreisseite an, Blau auf der Rechten. Zwischen ihnen lag das Gelb rechts vom Rot und das Grün links vom Blau. In der Mitte war das Grau mit all seinen Abstufungen.

Forsius kommentiert sein Diagramm folgendermaßen: "Wenn man aber den Ursprung und die Beziehung der Farben richtig betrachten will, dann muss man von den fünf grundlegenden Mittelfarben ausgehen, die Rot, Blau, Grün, Gelb und Grau aus Weiß und Schwarz sind, und man muss ihre Abstufungen beachten, wenn sie entweder durch ihre Blässe näher an das Weiße rücken oder durch ihre Dunkelheit näher an das Schwarze." Damit präsentierte er als erster neben den vier Buntfarben gleichzeitig ihre Grauskala. Die Farbnamen wählte er dabei jedoch recht mystisch. Sie reichen von "Lebensfarbe" und "Apfelschimmel" bis hin zu "Flammengelb" und "Himmelsblau".

Mit seiner Farbkugel war Forsius dem Wunsch, eine umfassende Farbskala aufzustellen, schon sehr nahe gekommen. Die beiden Parameter Farbton und Helligkeit konnte jedoch auch er noch nicht zufriedenstellend in Einklang bringen. (ab)