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28.11.2007

Das Geheimnis der Rüstungsschmiede

Forscher finden in einem Gemälde des flämischen Malers David Teniers einen Teil, der wohl von Jan Brueghel dem Jüngeren stammt

Einen Blick in die Tiefen des Gemäldes eines flämischen Malers zu erhaschen – das war bisher extrem schwierig. Jetzt ist es US-Chemikern jedoch gelungen, die einzelnen Farbschichten eines solchen Bildes getrennt voneinander zu analysieren. Was sie dabei entdeckten, scheint ein Fall von Kunstbetrug zu sein: Ein Teil des Bildes, das von dem flämischen Maler David Teniers dem Jüngeren signiert ist, stammt offenbar von einem anderen Künstler, wahrscheinlich dem bekannteren Maler Jan Brueghel dem Jüngeren.

David Teniers der Jüngere (Flämisch, 1610 bis 1690), und Jan Brueghel der Jüngere (?) (Flämisch, 1601 bis 1678), The Armorer’s Shop, circa 1640 bis 1645, Öl auf Holz, 57,1 mal 80,6 Zentimeter, North Carolina Museum of Art, Raleigh, Purchased with funds from the State of North Carolina, 1952

Eigentlich war David Teniers auf Bauern, Szenen aus der Bibel, Prozessionen und derartiges spezialisiert. Doch irgendwann in den 1640er Jahren beschloss der Maler, sich an einer Rüstungsschmiede zu versuchen. Heraus kam ein kleines Tafelbild auf Eichenholz, in dessen linker vorderer Ecke ein Stapel aus Paradebrustpanzern, Schwertern und Schilden zu sehen ist, meisterlich gemalt mit realistisch wirkenden Metalleffekten. Der Rest des Bildes – vorne rechts sitzt ein Waffenschmied, und in der Mitte des Bildes stehen mehrere Arbeiter um eine Esse herum – ist in eher dunklen Farben gehalten.

Dieser Gegensatz zwischen den glänzend-hellen Rüstungsteilen und dem düsteren Rest des Bildes kam Kunsthistorikern schon länger verdächtig vor. Denn das Metall war nicht nur zu gut gemalt für einen Bauernmaler, sondern ähnelte vom Stil her zudem verdächtig dem des als Rüstungsexperten geltenden Malers Jan Brueghel dem Jüngeren – der außerdem zufällig David Teniers Schwager war. Und noch etwas war ungewöhnlich an dem Gemälde, entdeckten Forscher bei einer Untersuchung im Jahr 2001: Genau der Teil, der die auffälligen Panzer und Schwerter zeigt, besteht aus einem anderen Holz als der Rest.

Hat Teniers also einfach ein Stück aus seiner ursprünglichen Holzunterlage herausgeschnitzt und in die entstehende Vertiefung ein Bild seines Schwagers eingefügt? Sollte das stimmen, müsste sich das auch in den verwendeten Farben widerspiegeln, speziell in der sogenannten Imprimitur, der ersten einfarbigen Grundierung, die dem gesamten Bild eine charakteristische Grundtönung verleiht. Deren Zusammensetzung zu bestimmen, ist allerdings selbst mit den heutigen leistungsfähigen Analysemethoden schwierig. Zwar können Chemiker mittlerweile sehr genau sagen, welche chemischen Elemente an welcher Stelle eines Bildes verwendet wurden, ob sie jedoch zur ersten, zweiten oder gar der obersten Farbschicht gehören, blieb bisher im Dunkeln.

Jetzt haben US-Forscher jedoch eine Möglichkeit gefunden, in die verschiedenen Farbschichten hineinzublicken. Sie schossen Röntgenstrahlen auf die Farbe und registrierten, welche Frequenzen von den Bestandteilen der Farbschichten abgestrahlt wurden. Zusätzlich verwendeten sie noch einen Trick: Anstatt die gesamte Strahlung auf einmal aufzufangen, konzentrierten sie sich ausschließlich auf den Anteil, der in einem bestimmten Winkel abgestrahlt wurde – denn dieser Winkel ist abhängig von der Tiefe und hilft so, die Zusammensetzung einer einzelnen, definierten Farbschicht zu identifizieren.

Das Ergebnis bestätigte den Verdacht, denn an den Übergängen der beiden Holzsorten wechselte auch die verwendete Imprimitur. Während das eingesetzte Stück lediglich mit blei- und kupferhaltigen Farben grundiert war, fanden sich auf dem restlichen Gemälde auch eisenhaltige Pigmente. Der Teil mit den Rüstungsstücken ist also definitiv separat und wahrscheinlich auch früher gemalt worden als der Rest, schließen die Forscher. An einen Betrug Teniers wollen sie aber nicht so recht glauben. Vielleicht handelte es sich ja auch schlicht und einfach um eine nett gemeinte Geste, sozusagen brüderliche Hilfe, von Brueghel – schließlich gibt es in seinem Tagebuch mehrere Einträge, in denen er eine Zusammenarbeit mit seinem Schwager David erwähnt. (ilb)