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23.07.2008

Das Geheimnis der schwarzen Schafe

Australische Wissenschaftler entschlüsseln die genetischen Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Schafen

Nicht nur in Schottland kennt man das Bild: Grüne Wiesen, auf denen weiße Schafe gemütlich grasen, gehütet von einem Schäfer und seinem Hund. Außer dem Hirten kann die Tiere wohl kaum jemand auseinanderhalten. Aber hin und wieder kommt auch ein Tier zur Welt, das sich von seinen Artgenossen auf den ersten Blick unterscheidet: ein schwarzes Schaf. Australische Forscher haben nun die genetischen Grundlagen dieser Farbunterschiede entdeckt.

Foto: hmeberhardt, pixelio.de

Manche Schäfer schätzen einige schwarze Schafe in ihrer Herde, da sich die Tiere dann an den Anblick dunkler Tiere wie beispielsweise Wildschweine gewöhnen. hmeberhardt, pixelio.de

Foto: curacion, PhotoCase.com

Schwarze Lämmer sind bei manchen Züchtern nicht erwünscht und werden daher oft gleich nach der Geburt geschlachtet. Foto: curacion, PhotoCase.com

 

Schafe waren nicht immer weiß – ganz im Gegenteil: Bevor der Mensch durch Züchtung eingriff, waren die Tiere meist bräunlich, mit einem helleren Fell an der Bauchseite. Die Farbe des Fells war an die natürliche Umgebung angepasst und diente der Tarnung. Doch auch weiße Schafe gab es, nämlich in Gegenden, in denen häufig Schnee lag. Die ursprünglichen Schafe ähnelten eher den heutigen Mufflons. "Vor etwa 9.000 Jahren begann dann die Züchtung durch den Menschen", erklärt die australische Forscherin Belinda Norris von der australischen Wissenschaftsorganisation CSIRO. "Durch die Zuchtwahl entstanden verschiedene Rassen, die den Bedürfnissen der Menschen besser entsprachen. Sie produzierten mehr Fleisch, Milch und Wolle."

Besonders begehrt ist seit jeher die weiße Wolle, da sich diese besser verarbeiten und einfärben lässt. Doch auch in eigentlich weißen Herden werden hin und wieder schwarze Schafe geboren. Etwa jedes dreihundertste Schaf trägt Schwarz. Für die Züchter sind diese in der Regel kein Grund zur Freude – die schwarzen Fasern können nicht zusammen mit der Wolle der übrigen Tiere verarbeitet werden. Ein noch so geringer Anteil würde die Qualität der Wolle sofort senken. Manche Schäfer töten die dunklen Tiere daher oft schon sofort nach der Geburt.

Um den genetischen Ursachen der schwarzen Farbe auf die Spur zu kommen, entnahm das Forscherteam um Belinda Norris weißen und schwarzen Schafen Blutproben. Die Wissenschaftler untersuchten die Sequenz der darin enthaltenen DNA im Bereich des sogenannten "Agouti-Gens". Von diesem Gen war bereits bekannt, dass es in anderen Säugetieren wie Mäusen, Hunden und Katzen Einfluss auf die Farbe des Fells hat. Das Protein, dessen Bauplan auf dem Gen festgehalten ist, dient bei Mäusen beispielsweise als eine Art molekularer Schalter, der entweder die Produktion von roten und gelben oder von braunen Pigmenten bewirkt.

"Bei weißen Schafen lag das Gen in Form von mehreren in Reihe geschalteten Kopien vor, sogenannten 'tandem repeats'", erklärt Norris. "Das kann man sich wie die einzelnen Glieder einer Metallkette vorstellen." Schwarze Schafe besitzen dagegen nur eine Kopie des Gens, und diese ist zudem noch defekt.

Das Gen, das die schwarze Farbe hervorruft, ist rezessiv: Wie fast alle Tiere sind Schafe diploid, das bedeutet, sie besitzen ihr Erbgut in doppelter Ausführung. Einige Tiere können zwar ein weißes Fell tragen, in ihrem Erbgut aber trotzdem das rezessive Gen für die schwarze Farbe besitzen. Nur bei bestimmten Paarungen zwischen weißen Schafen kann so auch einmal ein schwarzes Schaf entstehen.

Um die weißen Schafe mit dem "schwarzen Gen" ausfindig zu machen, müsste man die DNA der Tiere untersuchen. Möglicherweise können Züchter dies in Zukunft selbst tun, sagt Norris: "Ziel unserer Forschung ist es auch, einen einfachen DNA-Test zu entwickeln. Landwirte können diesen dann einsetzen, um keine schwarzen Schafe mehr zu züchten." Die weitere Arbeit für Norris liegt in der genaueren Untersuchung des Gens. Geklärt werden soll unter anderem, ob es auch einen Einfluss auf den Stoffwechsel, das Immunsystem oder die Fortpflanzung hat. Möglicherweise beeinflusst es auch das Verhalten der Tiere – Studien an Füchsen deuten auf einen Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Temperament hin.

Wird es also eines Tages nur noch weiße Einheitsschafe geben? Vermutlich nicht: Auch heute gibt es sehr unterschiedlich gefärbte Schafrassen, die aufgrund ihres Fleisches gezüchtet werden. In der Lüneburger Heide führen manche Schäfer gerne einige schwarze Schafe in ihrer Herde mit. Durch die Gewöhnung an schwarze Artgenossen lässt sich die Herde auch durch Wildschweine nicht mehr so schnell verunsichern.

Die neuseeländischen Schafzüchter John und Fiona Gardner haben aus der Not sogar eine Tugend gemacht: Sie besitzen die weltweit einzige komplett aus schwarzen Schafen bestehende Herde der Welt. Die Wolle verkaufen sie exklusiv an ein großes italienisches Modehaus. (mb)