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30.03.2016

Der Berg der sieben Farben

Wie ein geologisches Phänomen ein kleines Dorf in Argentinien berühmt gemacht hat

Am Anfang, so erzählt eine indianische Legende, unterschied sich das Dorf Purmamarca im heutigen Argentinien durch nichts von anderen Dörfern. Es lag am Fuße eines Hügels, und dieser Hügel war so wenig farbig wie alle Hügel dieser Welt. Das betrübte die Kinder von Purmamarca. Sie wollten unterhalb eines farbigen und schönen Bergs leben. Und die Eltern sagten, sie würden sich schon noch daran gewöhnen. Doch eines Nachts zogen die Kinder los und begannen, den Berg farbig zu bemalen. Diese Geschichte wird bis heute in Purmamarca erzählt, einem 2.000-Seelen-Bergdorf ganz im Nordwesten des Landes.

(Mindestens) sieben Farben lassen sich in den Gesteinsformationen des Cerro de los Siete Colores erkennen. Foto: Alessandro, CC-Lizenz
Sieben Farben. Foto: Alessandro, CC-Lizenz

Ein geologisches Phänomen hat den Hügel, unter dem das Dorf liegt, farbig und den Ort berühmt gemacht. Doch die Legende klingt viel schöner als die Fakten, und daher soll sie zu Ende erzählt werden: Nacht für Nacht machten sich nun die Kinder auf und bemalten den Berg, jede Nacht mit einer anderen Farbe. Sieben Nächte lang. Die Erwachsenen im Dorf wunderten sich jeden Morgen, denn der Berg gewann jedes Mal eine Farbe hinzu.

Aber niemand dachte daran, dass die Kinder es waren, die den Berg bemalt hatten. Erst am Ende der letzten Nacht bemerkten die Eltern, dass die Kinder nicht in ihren Betten lagen. Voller Sorge suchten sie nach ihnen und konnten sie nirgends finden. Da kamen die Kinder lachend den Berg hinuntergerannt, und alle freuten sich, dass der Berg nun so schön – in sieben Farben – schimmerte. Aus dem so unscheinbaren Hügel war nun der Berg der sieben Farben geworden –  der "Cerro de los Siete Colores", wie er heute in der Sprache der spanischen Einwanderer heißt.

Heute zieht der Cerro de los Siete Colores Touristen aus aller Welt an. Sie bestaunen das Spektrum von fast Weiß über Rosa und Grün bis hin zum ans Schwarze grenzenden Dunkelrot. Unschwer lassen sich in den Marmorierungen die sieben Farbtöne finden, die dem Berg ihren Namen gegeben haben. Mit ein wenig gutem Willen könnten es sogar noch mehr sein.

Das Dorf Purmamarca wäre heute kaum bekannt – würde es nicht am Fuß des farbigen Hügels liegen. Foto: Juliane Schultz, CC-Lizenz
Das Dorf Purmamarca wäre heute kaum bekannt – würde es nicht am Fuß des farbigen Hügels liegen. Foto: Juliane Schultz, CC-Lizenz

Bleibt die Frage nach der Entstehung dieser farbigen Muster. Wie zu erwarten, muss man hier weit in die Erdgeschichte zurückgehen: Am ältesten ist hierbei das nur sporadisch vorhandene Grün, das vor etwa 600 Millionen Jahren durch Einlagerungen von Kupferoxiden und Phylliten entstanden ist. Das Weiß stammt aus Kalkablagerungen, die etwa 400 Millionen Jahre alt sind. Die diversen Rottöne kommen durch Eisenverbindungen zustande, die in verschiedenen Gesteinsarten und -schichten eingebunden sind. Das Gelb rührt von Schwefeleinlagerungen her, die vor 80 bis 90 Millionen Jahren entstanden sind. Manganverbindungen schließlich, die sich erst vor ein bis zwei Millionen Jahren gebildet hatten, färbten Gesteinsschichten bräunlich.

Jede farbige Gesteinsschicht für sich ist zwar nichts Außergewöhnliches und an vielen Orten der Welt anzutreffen. Doch hier macht die Kombination vieler so unterschiedlicher Farben den Reiz aus – und dann auch noch in der magischen Anzahl sieben. (ud)