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24.07.2013

Der kobaltblaue Riese

Astronomen bestimmen erstmals die Farbe eines extrasolaren Planeten

Die Erde ist nicht der einzige blaue Planet im Universum: 63 Lichtjahre von uns entfernt gibt es noch einen weiteren, blau schimmernden Begleiter eines Sterns. Der Himmelskörper trägt den sperrigen Namen HD 189733b und ist noch etwas dunkler als die azurblaue Erde, hat nun ein internationales Team von Astronomen bei Messungen mit dem Weltraumteleskop Hubble herausgefunden. Es ist das erste Mal, dass Wissenschaftler die Farbe eines Planeten außerhalb des Sonnensystems bestimmt haben.

So könnte der Planet HD 189733b aussehen, sollten ihm Kameras oder gar Raumfahrer jemals so nahe kommen. Grafik: Nasa/Esa, M. Kornmesser
Farbiger Planet, Grafik: Nasa/Esa, M. Kornmesser

Sollte es jemals Raumschiffe geben, mit denen Menschen so weit reisen könnten, böte sich den Astronauten beim Vorbeiflug an HD 189733b ein vertrautes Bild: Der Riesenplanet dürfte in Kobaltblau schimmern und auch eine Wolkenstruktur zeigen, die an unseren Heimatplaneten erinnert. Von einer Landung auf dem Planeten muss man allerdings abraten: Auf seiner Oberfläche herrschen Temperaturen von rund 1000 Grad Celsius, und es toben Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 7000 Kilometern in der Stunde. Außerdem regnet es kleine Silikat-Partikel – man könnte auch sagen: Glas.

Diese Verbindungen und nicht etwa Ozeane aus Wasser wie bei der Erde sind für die kobaltblaue Farbe des Planeten verantwortlich: Die Silikate streuen blaues Licht und verleihen so der Atmosphäre, die zudem unter anderem Wasserdampf, Methan und Kohlendioxid enthält, eine blaue Farbe. Um diesen Farbton zu bestimmen, konnten die Wissenschaftler nicht einfach ein Teleskop auf den Planeten richten und nachschauen: Da der Planet nicht selbst leuchtet und Billionen von Kilometern entfernt ist, kann er nicht direkt beobachtet werden. Das von ihm ausgehende Licht ist viel zu schwach und wird vom Licht seines Muttersterns überstrahlt, den er in geringem Abstand umkreist.

Auf dieser Umlaufbahn verschwindet er – von der Erde aus gesehen – bei jedem Umlauf einmal hinter diesem Stern. Die Astronomen maßen nun das Lichtspektrum vor, während und nach diesem Ereignis und beobachteten hierbei, dass nicht nur die Lichtintensität insgesamt nachließ, sondern das Spektrum auch Blauanteile verlor, wenn der Planet von seinem Mutterstern verdeckt wurde. Der Planet trägt also mit blauem Licht zum gesamten Lichtspektrum des Ensembles bei und muss folglich blau sein, schlossen die Forscher. "Es ist das erste Mal, dass die Farbe eines fremden Planeten gemessen wurde – wir können uns nun vorstellen, wie dieser Planet aussehen würde, wenn wir ihn direkt sehen könnten", erklärt Frederic Pont von der Universität im britischen Exeter, der die Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop leitete.

HD 189733b gehört zu den am besten erforschten Planteten außerhalb des Sonnensystems. Dies hängt zum einen mit dem nach astronomischen Begriffen geringen Abstand von 63 Lichtjahren zusammen. Begünstigt wird die Erforschung jedoch auch durch seine Umlaufbahn, die ihn nicht nur hinter seinen Mutterstern führt, sondern auch vor ihm vorbeiziehen lässt. Während eines solchen Transits durchquert ein Teil des Sternenlichts die Atmosphäre des Planeten. Aus den Veränderungen des Lichtspektrums können Astronomen auf die Zusammensetzung der Atmosphäre schließen. (ud)