23.05.2007

Die Kunst des Vergoldens

Die hauchdünne Verkleidung sorgte bereits im alten Ägypten für ein glänzendes Auftreten

Es ist auf manchen Heiligenschein gehaucht und hüllt viele Statuen in einen glänzenden Mantel: Blattgold. Tausendmal feiner als ein Haar, kann bei der Verarbeitung schon ein Atemhauch die dünnen Blättchen davonwehen. Doch nicht der Umgang mit dem zarten Material ist entscheidend für das spätere Aussehen und die Haltbarkeit der vergoldeten Oberfläche. Die richtige Behandlung des Untergrunds und der passende "Kleber" sind der Schlüssel zum Erfolg. Erfahrung und exaktes Arbeiten sind hier gefragt.

Goldengel, Foto: bhohe, PhotoCase.com

Der Engel auf der Siegessäule in Berlin, im Volksmund auch liebevoll 'Goldelse' genannt, ist sicherlich eines der bekanntesten goldenen Standbilder Deutschlands. Foto: bhohe, PhotoCase.com

Gold ist gerade bei Bilderrahmen allgegenwärtig. Foto: Petersen, PhotoCase.com

Gold ist gerade bei Bilderrahmen allgegenwärtig. Foto: Petersen, PhotoCase.com

 

Blattgold bringt bereits seit der Antike Bilder, Statuen, Möbel und Gebäude zum Glänzen. In Ägypten wurden vergoldete Särge sowie Mumien gefunden und auch aus dem alten Griechenland existieren Quellen, in denen die Kunst beschrieben wird, Ornamente und Statuen mit feinem Gold zu überziehen. Wahrscheinlich brachten Mönche die Technik nach Deutschland.

Hier entstand im kleinen Städtchen Schwabach ein Weltzentrum der Blattgoldherstellung. Denn bevor das Gold in Blattform in den Handel kommt, muss es erst einmal eine Menge Schläge einstecken und das erforderte zumindest früher kraftvolle Handarbeit. Zusammengeschmolzen mit verschiedenen Zusatzstoffen wie zum Beispiel Platin, Silber oder Kupfer, die für die unterschiedlichen Färbungen des Goldes sorgen, kommt das Gold in stolzer Barrenform in die Werkstatt. Dort drücken es schwere Walzen zum ersten Mal platt. In vielen verschiedenen Arbeitsschritten wird es daraufhin erst gequetscht und dann mit speziellen Hämmern geschlagen – auch heute zum Teil noch per Hand – bis es immer dünner wird und schließlich nur noch einen zehntausendstel Millimeter misst.

Damit die feinen Goldblättchen nicht zusammenkleben, werden sie, in kleine Quadrate von wenigen Zentimetern geschnitten, auf feinstes Seidenpapier gebettet. 25 bis 30 von ihnen ergeben ein so genanntes Heftchen, das im Handel erworben werden kann. Anfassen lässt sich das hauchdünne Gold nicht, ohne es zu zerknittern oder zu zerstören. Die Vergolder benutzen spezielle Pinsel, um das Edelmetall von der Unterlage zu lösen und in die gewünschte Position zu bringen, es "anzuschießen", wie es im Fachjargon heißt.

Doch bevor es zu diesem für den Laien beeindruckenden Vorgang kommt, sind entscheidende Vorarbeiten vonnöten, die eher Geschick und Sorgfalt erfordern als eine ruhige Hand. Die wetterbeständige Öl- oder Mattvergoldung setzt einen kompletten Anstrichaufbau einschließlich Schlussbeschichtung und aller Vorarbeiten voraus. Sie funktioniert grundsätzlich auf allen Untergründen, die sich derart behandeln lassen, dass sie nicht mehr saugend sind, zum Beispiel Holz, Stuck, Putz, Metall oder Stein. Während die Holz- und Metalluntergründe nach entsprechender Vorarbeit grundiert und lackiert werden, sind auf alkalischen Untergründen besondere Maßnahmen erforderlich, um die Alkalität von der Vergoldung fernzuhalten. In der Regel werden hierzu Epoxidharzgrundierungen eingesetzt, die vor der Vergoldung lackiert werden; ein gelber Hochglanzlack ist der häufigste Untergrund für eine Ölvergoldung.

Das Klebemittel bei der Ölvergoldung ist das so genannte Mixtion, das auf Leinöl basiert. Es wird dünn und gleichmäßig mit einem Pinsel aufgetragen und hat Trocknungszeiten von drei bis zwölf Stunden. Danach kann das Blattgold auf die leicht klebende Fläche gelegt werden. Ob das Mixtion trocken genug für das Einlegen des Goldes ist, stellt man übrigens fest, indem man mit dem Finger über die Oberfläche fährt. Es muss ein leichtes Pfeifgeräusch ertönen. Nach vollständiger Trocknung des Mixtion wird die leicht runzelige Goldoberfläche mit einem Wattebausch geglättet. Bei der nicht wetterbeständigen Polimentvergoldung sind die Vorarbeiten erheblich umfangreicher. In diversen Arbeitsschritten muss ein spezieller Leim aufgetragen werden. Auf die zu vergoldende Oberfläche werden als Grundierung ein so genannter Hautleim und auf ihn mehrere Schichten Kreide aufgetragen. Unter anderem bieten sich dafür Stein-, Bologneser-, Champagnerkreide und China-Clay an. Dieser Kreidegrund wird sorgfältig geschliffen.

Für die Farbe des Goldes entscheidend ist die darauf folgende Schicht: das eigentliche Poliment – eine besonders aufbereitete Tonerde in verschiedenen Farbtönen, die mit Hautleim vermischt wird. Rotes Poliment verwendet man für Glanzgold, gelbes Poliment für Mattvergoldungen. Auch das Poliment wird in mehreren Schichten aufgetragen. Ab jetzt darf die Oberfläche nicht mehr berührt werden, da die Fingerabdrücke auf dem späteren Goldüberzug sonst als Flecken noch zu sehen sind.

Um den Leim im Poliment zu aktivieren, wird er mit Wasser benetzt. Nun beginnt das eigentlich Auftragen des Blattgoldes mit einem speziellen Pinsel, dem Anschießer. Fährt man mit ihm über die Wange, hat er den richtigen Fettanteil, um die Goldblättchen aufzunehmen. Ist die so vergoldete Oberfläche vollständig getrocknet, kann sie poliert werden. Dazu verwendet man einen Achatstein oder Hämatit.

Belohnt wird diese Sorgfalt und Mühe durch eine langlebige Veredelung. Heiligenschein und Kirchenkuppel behalten über Jahrhunderte ihren unverwechselbaren Glanz. Denn das Gold selbst ist als Edelmetall außerordentlich stabil und unverwüstlich. Heute wird das Blattgold daher nicht nur zur Restauration und klassischen Vergoldung verwendet, sondern findet auch Einsatz in der Zahntechnik bei der so genannten Goldhämmerfüllung. Eine ganz andere Verwendung der dünnen Blättchen: als Zierde und Genuss in Gourmetrestaurants. Geschichtlich gesehen ist das Essen von Gold uralt – schließlich wurden ihm diverse Heileigenschaften zugesprochen –, doch als Speiseverfeinerung ist es erst seit kurzem hip. (ab)