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04.02.2004

Die Welt ist nur für ganz wenige Menschen schwarz-weiß

Was landläufig als Farbenblindheit bezeichnet wird, ist meist nur eine Farbenfehlsichtigkeit

Mit so genannten Ishihara-Tafeln lässt sich schnell und unkompliziert eine Farbfehlsichtigkeit diagnostizieren.
Mit so genannten Ishihara-Tafeln lässt sich schnell und unkompliziert eine Farbfehlsichtigkeit diagnostizieren.

Wirklich farbenblinde Menschen sind sehr selten. Die meisten Menschen mit Schwierigkeiten bei der Farbunterscheidung sehen nicht schwarz-weiß, sondern sind lediglich eingeschränkt farbentüchtig. Meistens hat dies genetische Ursachen, doch können auch Medikamente oder Alterungsprozesse dafür verantwortlich sein. Am häufigsten sind Farbanomalien, durch die Betroffene manche Farben lediglich nicht so gut voneinander unterscheiden können.

Waldbeeren, Erdbeeren oder Kirschen zu pflücken ist für die meisten Menschen sicherlich keine besondere Herausforderung. Schließlich ist Rot ganz klar Rot und Grün eindeutig Grün, so dass sich die Früchte leicht von den Blättern unterscheiden lassen. Dennoch gibt es Menschen, die diese beiden Farben nur schwer oder überhaupt nicht auseinander halten können. Umgangssprachlich werden sie häufig als farbenblind bezeichnet. Absolut blind für Farben sind sie jedoch nur in den seltensten Fällen. Die meisten können beispielsweise durchaus Blau und Gelb unterscheiden.

Farbentüchtige haben drei Arten von Zapfen mit Pigmenten, die jeweils im kurzwelligen, mittelwelligen oder langwelligen Bereich des Lichtspektrums maximal empfindlich sind. Für die Unterscheidung von Farben sind mindestens zwei Zapfentypen notwendig, deren höchste Empfindlichkeit jeweils in verschiedenen Bereichen des Lichtspektrums liegt.

Den meisten beschränkt farbentüchtigen Menschen fehlt eine Zapfenart. Dies führt dazu, dass sie weitaus weniger Farben unterscheiden können als der Großteil der Bevölkerung. Dieser Defekt heißt auch Dichromasie und die Betroffenen werden als Dichromaten bezeichnet. Sie sehen eine Stelle im Farbspektrum unbunt. Dies liegt daran, dass bei einem unbunten Lichtreiz alle Zapfentypen gleich stark gereizt werden müssen. Bei nur zwei Zapfentypen kann auch ein monochromatischer Lichtreiz, dessen Wellenlänge zwischen den maximalen Empfindlichkeiten der beiden verbliebenen Zapfen liegt, beide gleich stark reizen, so dass der Eindruck von Grau entsteht.

Dichromaten werden unterteilt in Protanope, Deuteranope und Tritanope – je nachdem, welcher der drei Zapfen ihnen fehlt. Protanopen fehlt das Zapfenpigment, das für den langwelligen Bereich des Spektrums zuständig ist. Betroffene können daher im Rotbereich schlechter Farben unterscheiden und verwechseln Rot und Grün. Außerdem haben sie beispielsweise Schwierigkeiten, im Verkehr aufleuchtende Bremslichter zu sehen. Deuteranope haben keine Zapfen, die im mittleren Bereich des Spektrums maximal empfindlich sind. Somit können auch sie Grün und Rot kaum unterscheiden. Beide Defekte werden daher auch unter dem Begriff Rot-Grün-Blindheit zusammengefasst. Tritanope Menschen sind weitaus seltener und haben keine Pigmente, die im kurzwelligen Bereich des sichtbaren Lichts arbeiten. Sie können daher kein Blau sehen.

Absorptionsspektren der drei Zapfenarten in der menschlichen Netzhaut: Der S-Zapfen (S für englisch short) absorbiert maximal im kurzwelligen Bereich des sichtbaren Lichts bei etwa 420 Nanometern, der M-Zapfen (M für englisch medium) im mittelwelligen Bereich bei 530 bis 353 Nanometern und der L-Zapfen (L für englisch long) im langwelligen Bereich bei 555 bis 565 Nanometern. Grafik: cp
Absorptionsspektren

In Mitteleuropa ist jeweils etwa ein Prozent der männlichen Bevölkerung protanop beziehungsweise deuteranop. Da die Gene für das Rot- und Grünpigment auf dem X-Chromosom liegen, sind Männer weitaus häufiger von einer Rot-Grün-Blindheit betroffen als Frauen. Ein Ausfall des Pigments macht sich bei ihnen immer bemerkbar, da sie im Gegensatz zu Frauen kein zweites X-Chromosom besitzen, das den Mangel ausgleichen könnte. Frauen müssen den Mangel von beiden Elternteilen geerbt haben, damit er sich auswirkt. Allerdings kann Farbenfehlsichtigkeit auch erworben sein. Schädigungen der Netzhaut oder der Verbindungen zwischen Netzhaut und der Sehrinde im Hirn, Alterungsprozesse und Nebenwirkungen von Medikamenten können beispielsweise erworbene Ursachen sein.

Weitaus seltener als Dichromaten sie die so genannten Zapfen-Monochromaten. Sie besitzen nur einen einzigen Zapfentyp. Damit können sie zwar ohne Beeinträchtigung sehen, aber keine Farben auseinander halten. Schätzungen zufolge leiden nur etwa 1 bis 25 unter einer Millionen Menschen unter diesem Defekt.

Völlig farbenblind sind auch diejenigen Menschen, die überhaupt keine Zapfen in der Netzhaut besitzen und damit keine Lichtsinneszellen zur Wahrnehmung von Farben haben. Solche so genannten Stäbchen-Monochromaten müssen ganz ohne Zapfen auskommen und sehen allein mit ihren Stäbchen, die bei wenig Licht arbeiten und für das Sehen in der Dämmerung und bei Nacht verantwortlich sind. Daher sind die Betroffenen sehr lichtempfindlich und müssen bei Tag meist eine dunkle Brille tragen.

Am häufigsten sind Menschen jedoch von so genannten Farbanomalien betroffen. Dabei sind zwar alle Typen von Zapfen in der Netzhaut vorhanden, doch sind die Empfindlichkeiten der Pigmente leicht verschoben, sodass das Farbunterscheidungsvermögen mehr oder weniger stark beeinträchtigt ist. So sehen die wenigsten Betroffenen die Welt tatsächlich in schwarz-weiß.