26.07.2006

Die deutsche Polizei wird europäisch-blau

Nach und nach sollen neue blaue Uniformen die ungeliebte grün-beige Dienstkleidung ersetzen

Senfsack, leberwurstbraun und sogar fäkalfarben – die Bezeichnungen für die aktuelle deutsche Polizeiuniform mit ihren gelben Hemden, moosgrünen Jacken und braun-beigen Hosen sind alles andere als schmeichelhaft. Lange müssen die Beamten die ungeliebte Dienstkleidung aber sowieso nicht mehr tragen: Die grün-beige Uniform wird zumindest in den meisten Bundesländern nach und nach durch modernere blaue Kleidung ersetzt. Damit wird sich die deutsche Polizei dem europäischen Standard anpassen, denn von den französischen Flics über die italienischen Carabinieri bis zur polnischen Polizei tragen fast alle europäischen Polizisten blau.

Schluss mit Beige, Gelb und Grün: Wie hier in Hamburg sollen die Polizisten bald fast überall in Deutschland aussehen (Bild: Polizei Hamburg)
Schluss mit Beige, Gelb und Grün: Wie hier in Hamburg sollen die Polizisten bald fast überall in Deutschland aussehen (Bild: Polizei Hamburg)

Wirklich neu ist blau als Uniformfarbe für die Polizei auch in Deutschland nicht: Bis zur Einführung der aktuellen Dienstkleidung Mitte der 1970er Jahre war zumindest in den nördlichen Bundesländern Blau die vorherrschende Farbe. Begonnen hat diese Vorliebe schon im 19. Jahrhundert in Preußen. Dort trug die Staatspolizei preußisch-blaue Waffenröcke, die bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Vorbild für viele Polizeiuniformen dienten. Lediglich die Gendarmerie auf dem Land, die dem Militär angegliedert war, wurde in Grün ausstaffiert.

 

Für Grün entschied man sich auch, als nach 1918 die erste einheitliche staatliche Polizei eingesetzt wurde. Doch die Farbe stieß bei den Siegermächten nicht auf Gegenliebe – sie sei zu militaristisch, hieß es. Daraufhin wurde die grüne Sicherheitspolizei durch die blaugewandete Ordnungs- und Schutzpolizei ersetzt. 1936 musste das Blau auf Anordnung der NS-Regierung jedoch wiederum Grün weichen, das diesmal für alle Polizeieinheiten inklusive der Feuerwehr verbindlich wurde.

 

In der ersten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dann überhaupt keine einheitlichen Polizeiuniformen mehr. Einige Länder kennzeichneten ihre Polizisten lediglich mit einer Armbinde, andere färbten alte Armeejacken um. Blau war dabei wieder die bevorzugte Farbe, denn Grün oder auch Grau erinnerten schmerzlich an Militäruniformen. Später setzten sich vor allem in Süddeutschland und auch in Schleswig-Holstein erneut grüne Uniformen, meist in einem sehr dunklen Grün gehalten, durch, während die meisten anderen Länder bei Blau blieben.

Im Lauf der Zeit wurden jedoch sowohl die blauen als auch die dunkelgrünen Länder immer unglücklicher mit ihren Uniformen. Besonders die blauen Polizisten wirkten nach Ansicht der Verantwortlichen zu autoritär und ihre Uniformen vermittelten eine Distanz, die nicht mehr erwünscht war. Also sollte ein neues Gewand für die Polizei her – bundeseinheitlich, moderner und vor allem schicker sollte es sein. Und es sollte freundlicher wirken als ihre bisherige Erscheinung. Vorgaben zur Farbe gab es dagegen nicht, die Designer hatten freie Hand.

 

Im September 1974, als die Innenminister der Länder über das zukünftige Aussehen der Polizei entschieden, standen schließlich noch drei Vorschläge zu Wahl: Eine extrem dunkle, fast schwarze Variante, ein Entwurf in einem intensiven Himmelblau und die grün-gelb-beigefarbene Kombination, die schließlich das Rennen machte – wenn auch denkbar knapp. Entworfen hatte sie der zur damaligen Zeit sehr bekannte Designer Heinz Oestergaard, der unter anderem auch Berühmtheiten wie Zarah Leander und Maria Schell einkleidete. Seine Uniform war in den damaligen, nach seiner eigenen Aussage "für das Auge sehr angenehmen" Modefarben gehalten und wurde von dem Designer selbst angeblich als "einheitliches Couture-Kostüm" bezeichnet. Sie wurde 1976 bundesweit eingeführt.

 

Der Anfang vom Ende dieser zuerst geliebten und später verachteten Dienstkleidung begann im Jahr 2002 in Hamburg – bezeichnenderweise dem Bundesland, das als eines der letzten im Jahr 1981 auf die Oestergaard-Uniformen umgestiegen war. Auf Initiative des umstrittenen damaligen Innensenators Ronald Schill entschied der Senat, die grün-beigen Uniformen durch blaue zu ersetzen und sich damit an der europäischen Standardfarbe für Polizeiuniformen zu orientieren. Auch hier wählte man wieder einen Entwurf eines bekannten Designers, nämlich den des Berliners Luigi Colani. Interessanterweise pries Colani auf der offiziellen Vorstellung der neuen Uniformen im Mai 2003 seinen Entwurf mit exakt denselben Attributen an, die seinerzeit der von Colani so verachteten Oestergaard-Uniform zugeschrieben wurden – moderner Schnitt, hohe Funktionalität und ausgeprägter Schick.

 

Mittlerweile haben sich fast alle Bundesländer für eine blaue Uniform entschieden, und auch die Bundespolizei tritt bereits in Blau auf. Lediglich in Baden-Württemberg, dem Saarland und Berlin steht die Entscheidung noch aus, während Bayern aus traditionellen Gründen an der grünen Variante festhält. Allerdings wird die Polizei nirgendwo von heute auf morgen "entgrünt": Die neue Dienstkleidung soll nach und nach verschlissene Teile der alten ersetzen. Paralell zu den Uniformen werden auch die Fahrzeuge der Polizei umgekleidet – von grün-weiß oder dem moderneren grün-silber auf blau-silber.