30.04.2008

Die kostbarsten aller Farben

Farbige Diamanten erzielen Höchstpreise – doch immer häufiger werden sie künstlich hergestellt

Wer an Diamanten denkt, hat meist betörend glitzernde, kristallklare Edelsteine vor Augen. Dabei sind es keineswegs die farblosen Diamanten, die bei internationalen Auktionen die höchsten Preise erzielen, sondern einige ihrer bunten Verwandten. Im vergangenen Oktober wechselte beispielsweise ein blau gefärbter Diamant von rund sechs Karat für annähernd acht Millionen Dollar den Besitzer. Farbige Diamanten, von Fachleuten auch "Fancies" genannt, gibt es in den unterschiedlichsten Farbnuancen: Am häufigsten kommen Gelb- oder Brauntöne vor, am seltensten sind orange- und purpurfarbene Steine. Auch einige der bekanntesten Diamanten sind farbig, beispielsweise der "Dresdner Grüne Diamant" oder der blau gefärbte "Hope Diamant".

Foto: Courtesy of the Natural History Museum, Copyright Aurora Collection

Die unterschiedlichen Farben, in denen Diamanten in der Natur vorkommen - hier ein Teil der Aurora-Sammlung -, entstehen durch ganz unterschiedliche Mechanismen. Foto: Courtesy of the Natural History Museum, Copyright Aurora Collection

Foto: Courtesy of the Natural History Museum, Copyright Aurora Collection

Die Farbschattierungen der so genannten Fancies reichen von dunklem Pupur über Gelb zu sattem Grün. Foto: Courtesy of the Natural History Museum, Copyright Aurora Collection

 

So vielfältig die Farbvarianten, so unterschiedlich sind auch die Entstehungsweisen farbiger Diamanten: Die meisten gelben Exemplare gehen darauf zurück, dass Stickstoff-Atome im Kristallgitter des Edelsteins eingeschlossen sind. Je nach Verteilung dieser Atome kann der Diamant dabei unterschiedliche Gelbtöne aufweisen, von kaum sichtbaren Verfärbungen bis hin zu leuchtend gelben Steinen, die wegen ihrer Farbe auch "Canary Diamonds" genannt werden. Enthält der Diamant statt Stickstoff dagegen Bor-Atome, erstrahlt der Edelstein in blauen Schattierungen.

Ganz anders verläuft die Entstehung roter und rosafarbener Diamanten: Hier kommt es im Erdinneren zu Prozessen, bei denen das Kristallgitter der Diamanten deformiert wird. Verschieben sich die Kohlenstoffatome genügend, können die Edelsteine bestimmte Wellenlängen des Lichtspektrums absorbieren. Neben verschiedenen Rottönen können so auch bräunliche Farben im Diamanten entstehen. Purpurne Diamanten, die von Experten wie dem amerikanischen Diamantensammler Alan Bronstein als weltweit am seltensten angesehen werden, erhalten ihre rötlich-blaue Färbung ebenfalls durch diese Verformungsprozesse.

Besonders gefährlich mutet die Entstehung grüner Diamanten an: Um diesen Farbton zu erzeugen, müssen sich die Edelsteine im Erdinneren in der Nähe einer natürlichen Strahlungsquelle befunden haben. Durch den Einfluss dieser radioaktiven Bestrahlung erfährt das Kristallgitter der Diamanten eine charakteristische Veränderung, die den Steinen ihre grüne Farbe verleiht.

Viele dieser Farbvariationen lassen sich mittlerweile auch künstlich erzeugen. Dafür werden entweder natürlich entstandene Steine verwendet, die mit verschiedenen Methoden umgefärbt werden oder die Diamanten werden gleich komplett künstlich erzeugt. Die Methoden für die Umfärbung natürlich entstandener Steine sind dabei wenig zimperlich: Soll so ein Diamant die Farbe wechseln, wird er radioaktiv bestrahlt, unter Hochdruck gesetzt oder auf mehrere hundert Grad Celsius erhitzt. Damit können Diamanten mit vergleichsweise häufig vorkommenden Farben in seltenere und damit teurere Varianten umgewandelt werden. Diese veränderten Diamanten können dabei selbst von Fachleuten nur unter größten Schwierigkeiten identifiziert werden.

Auch komplett künstlich erzeugte Diamanten sind mittlerweile kaum mehr von natürlich entstandenen Edelsteinen zu unterscheiden. Vor allem amerikanische Firmen haben die Produktion von künstlichen Diamanten so weit perfektioniert, dass es diese im Labor erzeugten Edelsteine inzwischen für einen Bruchteil der Kosten natürlicher Diamanten zu kaufen gibt. Neben farblosen Diamanten stellen diese Firmen auch Diamanten in verschiedenen Modefarben her, wie orange, blau und gelb.

Eine beeindruckende Auswahl von natürlich entstandenen "Fancies" können Besucher des Londoner "Natural History Museum" bewundern – dort befindet sich im Moment die Aurora-Sammlung von Alan Bronstein. In dieser Sammlung befinden sich fast 300 farbige Diamanten in allen denkbaren Farben und Schattierungen. Wer nicht allein wegen dieser Ausstellung nach London reisen möchte, kann sich Teile der Sammlung auch im Internet ansehen, unter der folgenden Adresse: www.auroragems.com/view_selection.html. (zen)