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13.04.2011

Ei mit Vergangenheit

Die Ursprünge gefärbter Ostereier reichen bis in die frühchristliche Zeit zurück

Jetzt liegen sie wieder in den Regalen der Supermärkte: Goldene, grüne oder lila Schokoladeneier, meist in Gesellschaft von Hasen in ähnlichen Farben. Kulturgeschichtlich haben sie einen langen Weg hinter sich – das farbige Osterei hat eine viele Jahrhunderte lange Tradition. Doch wo liegen die Anfänge dieses heute längst kommerzialisierten Brauchs? Die Spurensuche führt weit über das Mittelalter hinaus bis in frühchristliche Zeit.

Fertig gefärbte Ostereier sind heute Teil des Sortiments jedes Lebensmitteldiscounters. Foto: hydra, Photocase.com
Osterei, Foto: hydra, Photocase.com

"Ein kint naeme ein geverwet ei, vür ungeverweter eier zwei". Diesen Zweizeiler dichtete Anfang des 13. Jahrhunderts ein fahrender Kleriker, der sich Freidank nannte. Er beschrieb damit, dass Kinder ein gefärbtes Ei ("geverwet ei") zwei ungefärbten vorzögen. Der Satz steht in einer Sprüchesammlung namens "Bescheidenheit", in der Freidank Weisheiten aus dem Leben und Glauben seiner Zeit niedergeschrieben hatte, und gilt als die älteste bekannte Erwähnung gefärbter Eier im deutschen Sprachraum.

Die  Geburtsstunde des farbigen Ostereies dürfte jedoch schon weiter zurückliegen: Schon um 1142 ist aus Rom der Brauch bezeugt, dass Kinder und Jugendliche in der Osterzeit vor Kirchen und Wohnhäusern sangen und als Belohnung gefärbte Eier erhielten. Die Eier wurden häufig "Schöneier" oder – wegen der am häufigsten gewählten Farbe – "Roteier" genannt. Dieses Rot hat seine Entsprechung in der liturgischen Farbe des Osterfestes.

Warum jedoch ausgerechnet das Ei Teil des Osterbrauchtums wurde, darüber gibt es eine ganze Reihe sich ergänzender Erklärungsmuster. Eines der wesentlichen Elemente ist, dass im Mittelalter während der 40-tägigen Fastenzeit nicht nur auf Fleisch verzichtet werden musste, sondern auch auf Eier und Eierspeisen. Da lag es auf der Hand, dass mit dem Ende der Fastenzeit an Ostern nicht nur größere Mengen Eier für den Verzehr zur Verfügung standen, sondern sich viele Menschen freuten, nun wieder Eier essen zu können. Erst im Spätmittelalter trat das Verbot von Eierspeisen während der Fastenzeit wieder in den Hintergrund.

Neben dieser doch eher profanen Erklärung hatten Eier natürlich immer auch eine zentrale symbolische Bedeutung: So galt das Ei schon in frühchristlicher Zeit als Zeichen neuen Lebens, als Symbol der Hoffnung und Auferstehung. Hinter seiner Schale birgt es auf geradezu wunderbare Weise Leben. Vom "ovum spes" ("Ei der Hoffnung") sprach schon im 2. Jahrhundert der Bischof Melito von Sardes.

Die Ukraine ist bekannt für ihre besonders reiche Tradition bemalter Ostereier. Foto: public domain
Die Ukraine ist bekannt für ihre besonders reiche Tradition bemalter Ostereier. Foto: public domain

Sowohl zu dieser Symbolik als auch zum Ei als während der Fastenzeit verbotene Speise passen die schon im 12. Jahrhundert belegten sogenannten Eierweihen. Bei diesen wurde an Ostern um den Segen für all jene Speisen gebetet, die nach dem Ende der Fastenzeit nun wieder verzehrt werden durften.

Zur Bedeutung von Eiern für das Osterfest hat schließlich auch das Feudalsystem beigetragen: Eier waren häufig Teil der Abgaben, die Bauern an ihre Feudalherren leisten mussten. Typische Termine für diese Abgaben waren Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern.

An dieser Stelle kommt dann auch wieder die Färbung von Eiern ins Spiel. Nicht zuletzt, um die sprichwörtliche Gleichheit ("etwas gleicht wie ein Ei dem anderen") von Eiern aufzuheben und geweihte von ungeweihten Eiern unterscheiden zu können, entstand der Brauch, Eier zu färben. Mit dem Saft von Roter Bete etwa ließ sich eine Rotfärbung erzielen, Spinat färbte Eier grün, Zwiebelschalen braun. Bereits im Mittelalter entstanden immer aufwendigere Verzierungen, bis hin zum kunstvoll bemalten und bearbeiteten Osterei, wie es im 18. Jahrhundert aufkam. So war der französische Hof unter Ludwig XV. für seine von namhaften Künstlern bemalten Ostereier bekannt, die freilich keineswegs immer religiöse Motive zeigen, sondern vielmehr auch amouröse Szenen.

Doch auch im durch den Glauben geprägten Brauchtum des Volkes entwickelte sich das Osterei und seine Gestaltung fort. So entstand die Fülle von Farben und Mustern, die heute rund um das Osterei bekannt ist und ganze Märkte und Museen füllt. Nicht wegzudenken aus dem Osterbrauchtum ist heute schließlich eine Figur, die erstmals im 17. Jahrhundert auf den Plan trat und vor allem als Eiertransporteur fungiert: der Osterhase. (ud)