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05.03.2014

Einbruch in hohem Alter

Erst jenseits der siebzig lässt das Farbensehen deutlich nach

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", sang einst Udo Jürgens. Recht hatte er –  zumindest, was das Farbensehen angeht: In dieser Altersklasse gibt es noch kaum Beeinträchtigungen bei der Wahrnehmung von Farbe. Das ändert sich jedoch deutlich jenseits der siebzig, haben amerikanische Forscher nun herausgefunden: Bei knapp jedem zweiten über 75-Jährigen sind merkliche Störungen in der Farbwahrnehmung zu beobachten, ab 95 sind schließlich zwei von drei Senioren davon betroffen.

Mit 70 Jahren funktioniert das Farbensehen bei den meisten Menschen noch ohne Einschränkungen – danach geht es häufig bergab. Foto: Cattari Pons, Photocase.com
Sehen im Alter. Foto: Cattari Pons, Photocase.com

Ob das Gehör, die Sehschärfe und die Beweglichkeit: Mit den Jahren lassen viele Fähigkeiten nach. Doch beim Farbensehen scheint das Alter eine Ausnahme zu machen – war das Ergebnis einer Studie, die im vergangenen Jahr erschien: Darin hatte die britische Wahrnehmungspsychologin Sophie Wuerger bei 185 Freiwilligen zwischen 18 und 75 Jahren die Fähigkeit zum Farbensehen untersucht und nur geringe Unterschiede zwischen Alt und Jung festgestellt.

Der große Einbruch scheint jedoch deutlich jenseits der siebzig Jahre zu kommen – eine Altersklasse, die Wuerger nicht mehr untersucht hatte. Bis zu 102 Jahre alt waren hingegen die 865 Probanden, die Wissenschaftler um Marilyn E. Schneck von der Universität in Berkeley nun in einer neuen Studie zwei gängige Tests zur Farbwahrnehmung absolvieren ließen. Das Ergebnis: Bis zum Alter von etwa 70 Jahren funktioniert das Farbensehen noch weitgehend normal, danach geht es steil bergab. Bei 75-Jährigen sind 45 Prozent von merklichen Störungen betroffen, über 85 sind es 50 Prozent, bei Hochbetagten mit über 95 sind es schließlich fast zwei Drittel.

Die Einbrüche im Farbensehen betreffen in den meisten Fällen die Differenzierung zwischen Blau und Gelb. So scheitern die Betroffenen häufig an der Unterscheidung wenig intensiver Blautöne von Purpur-, Gelb- oder Gelbgrün-Tönen. Ursache dieser Beeinträchtigungen kann eine gelbliche Eintrübung der Linse sein, die dazu führt, dass kurzwelliges und damit bläuliches Licht das Auge nicht mehr so gut durchdringen kann. Die Wahrnehmung von Blautönen ist damit erschwert.

Zu einer solchen gelblichen Trübung des Auges können im Alter häufige Krankheiten wie Diabetes, der Grüne Star oder die Makula-Degeneration führen. Oftmals ist es jedoch schlichtweg die Alterung des Gewebes selbst, die eine solche Eintrübung auslöst. Bei einem Fünftel der älteren Probanden war das Farbensehen sogar so sehr beeinträchtigt, dass sich bei diesen die Störung sogar im täglichen Alltag negativ bemerkbar machen könnte, erklärt Schneck. (ud)