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17.08.2011

Einfach nur bunt reicht nicht aus

Bei Kindergärten müssen Farbgestalter auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder eingehen

Kindergärten müssen bunt sein: Da besteht kein Zweifel bei Architekten und Planern, die sich mit dem Bau oder der Sanierung von Einrichtungen für Kinder befassen. Doch die Schaffung des richtigen farblichen Umfeldes setzt ein schlüssiges Konzept voraus. Einfach nur viele bunte Farben einzusetzen, reicht nicht aus – Kinder haben eigene, besondere Bedürfnisse, auf die der Farbgestalter eingehen muss.

Die Kindertagesstätte "Sonnenschein" in Leinefelde zeigt sich schon von der Straße aus als fröhlicher Ort, an dem sich Kinder wohlfühlen können. Die Architektur und der Farbentwurf stammen von Ottmar Stadermann, Hausen. Foto: Brillux
Kindergarten, Foto: Brillux

Obwohl Farbe ein zentrales Element der menschlichen Wahrnehmung ist, muss deren Wahrnehmung erst erlernt werden: In den ersten drei Lebensjahren lernen Kinder, Farben zu erkennen und zu benennen. Und schon bald entwickeln sich die ersten Präferenzen und Abneigungen. Rot, Violett, Gelb und Orange sind beliebte Farben bei Kindern im Kindergartenalter, später kommen Rosa, Grün und Blau hinzu. Schwarz, Weiß, Grau und Braun werden hingegen eher abgelehnt– genau jene Farben also, die im Erscheinungsbild vieler älterer Gebäude dominieren.

Bei der Sanierung etwa eines Kindergartens nun schlicht auf den Einsatz von intensiven Farben wie Rot, Violett, Orange oder Gelb zu setzen, wäre allerdings der falsche Weg: Großflächig eignen sich solche Farben höchstens für den Außenbereich – da jedoch besonders gut: Als farbiger Akzent im Straßenbild signalisieren farbenfrohe Fassaden schon aus der Ferne, dass es dahinter bunt und lebendig zugeht und können nicht nur für die Kinder so bereits eine positive Atmosphäre schaffen.

Als Wand- oder Deckenfarbe für Gruppenräume können intensive Farbtöne hingegen viel zu aufregend oder gar erdrückend wirken. Hier empfehlen Farbplaner den Einsatz harmonisch aufeinander abgestimmter Pastelltöne – kräftige farbige Akzente gibt es in Möbeln, Kleidung und Spielzeug ja ohnehin genug. Weiß oder sehr hell sollten höchstens die Decken sein, für die Wände werden Hellbezugswerte von 50 bis 70, für die Böden von 30 bis 50 empfohlen. Der Hellbezugswert ist eine zentrale Größe in der Farbgestaltung: Er gibt den Reflektionsgrad eines bestimmten Farbtons an, der sich zwischen Schwarz mit dem Wert 0 und Weiß mit dem Wert 100 bewegt. Ein Hellbezugswert von 80 bezeichnet daher einen sehr hellen Farbton, während Werte von 10 oder 20 für sehr dunkle Farben stehen.

Auch im Treppenhaus löst die Leinefelder Farbgestaltung die Raumsituation kindgerecht auf. Unter sechs Jahren verfügen Kinder noch über kein voll entwickeltes dreidimensionales Sehvermögen. Die deutliche Farbkodierung der Treppe und anderer Elemente gibt hier Hilfestellungen in der Tiefenwahrnehmung. Foto: Brillux
Treppenhaus, Foto: Brillux

In Bereichen, in denen sich die Kinder nur vorübergehend aufhalten, beispielsweise in Fluren und Treppenhäusern, können hingegen durchaus auch intensivere Farbtöne eingesetzt werden. Eine markante Farbgebung kann hier zur Orientierung beitragen. Von Kindern negativ bewertete Farben wie Weiß und Grau bieten sich hingegen für die Eingangsbereiche von Räumen an, die für Kinder ohnehin tabu sind, beispielsweise Technikräume oder die Sozialräume der Erzieherinnen. Kühlere Farben wie Blau- und Grüntöne sind günstig für Sport- und Therapieräume, während in Schlafräumen möglichst gedeckte Farben mit geringen Kontrasten dominieren sollten.

Kinder betrachten schon aufgrund ihrer Körpergröße die Welt aus einer anderen Perspektive als Erwachsene. Dies sollte sich nicht nur auf die räumliche Planung wie beispielsweise die Platzierung der Fenster auswirken, sondern auch auf die Farbgebung: So kann eine farbliche Aufteilung der Wand in der Horizontalen dazu beitragen, dass die Kinder den Raum als nicht so überwältigend hoch empfinden. Ein besonderes Augenmerk müssen Farbplaner auch auf die Farbwahl des Bodens richten, denn genau dort halten sich spielende Kinder die meiste Zeit auf. Eher dunklere Farbtöne sollten hier Stabilität vermitteln, ruhige Muster Sicherheit ausstrahlen und das Sehempfinden der Kinder nicht zu sehr herausfordern.

Was verboten ist, darf farblich nicht auffallen. In Leinefelde haben sich die Farbgestalter zunutze gemacht, dass Kindergartenkinder die Farben Weiß und Grau ablehnen. Zugänge zu Gefahren- und Verbotszonen sind daher in Grau gehalten. Foto: Brillux
Graue Tür, Foto: Brillux

Ein wichtiges Thema bei der Planung für die Farbgestaltung von Kindergärten ist neben der Schadstofffreiheit auch die Widerstandsfähigkeit der Beschichtungen gegen mechanische Belastungen und Verschmutzungen: Gefordert sind im Griffbereich der Kinder häufig Anstriche, die sich bei Bedarf reinigen lassen, was bei matten Oberflächen in der Regel nicht gegeben ist. Ideal sind Beschichtungen die sich bei der Reinigung besonders robust verhalten.

Bei dieser Fülle von Aspekten, die es bei der Farbgestaltung in Kindergärten zu berücksichtigen gilt, ist eine sorgfältige Planung und ein ganzheitliches Konzept unerlässlich. Häufig wird daher die Planung in die Hände von Farbgestaltern mit einer umfassenden Erfahrung mit derartigen Konzepten gelegt. (ud)