12.06.2013

Farbe gegen Fälscher

Wie farbige Merkmale die Herstellung falscher Geldscheine verhindern sollen

Jeder kennt die Situation an der Kasse im Supermarkt oder an der Tankstelle: Die Kassiererin hält den eben überreichten 50-Euro-Schein unter eine Lampe, um seine Echtheit zu kontrollieren. Sie prüft dabei eines von rund fünfzig Sicherheitsmerkmalen, die Euronoten fälschungssicher machen sollen. Einige davon werden von den Notenbanken geheim gehalten, viele jedoch sind offensichtlich und manche davon – wie auch der eben beschriebene Beleuchtungstest – beruhen auf Farbeffekten.

Unter UV-Licht sind die farbig leuchtenden Melierfasern, die in alle Geldscheine eingearbeitet sind, deutlich zu sehen. Repro: public domain
Geldschein, Foto: public domain

Bei den Lampen an den Kassen handelt es sich meist um UV-Lampen. Wird eine Banknote unter das ultraviolette Licht gehalten, so bringt es das Papier selbst zwar nicht zum Leuchten. In das Material sind jedoch Fasern eingearbeitet, die in den Farben Rot, Blau und Grün leuchten. Diese sogenannten Melierfasern enthalten fluoreszierende Pigmente, die durch das energiereiche UV-Licht zum Leuchten angeregt werden.

Unter UV-Licht leuchten zudem einige der aufgedruckten Symbole in typischen Farben auf: So erscheint auf der Vorderseite die Flagge der Europäischen Union grün mit Sternen in Orange, auf der Rückseite leuchten die Landkarte, die Brücke und die Zahl, die den Wert der Banknote bezeichnet, gelb oder grün auf. Diese Sicherheitsmerkmale weisen alle Euronoten vom 5-Euro-Schein bis hin zu der seltenen 500-Euro-Note auf.

Doch auch unter Infrarotlicht entwickeln die Geldscheine ein typisches farbiges Eigenleben, das die Herstellung von "Blüten" erschweren soll: Je nach Wellenlänge des einfallenden Lichts verblassen oder verschwinden einzelne Teile der aufgedruckten Bilder, die bei gewöhnlichem Licht noch ohne Schwierigkeiten zu sehen waren. Dieser Effekt beruht auf der sogenannten Metamerie: Dabei sehen zwei Farben unter einer Lichtart gleich aus, unter einer anderen Lichtquelle zeigen sich allerdings Farbtonunterschiede .

Bei Scheinen mit einem Wert von 50 Euro und höher werden Wertzahlen mit optisch variabler Farbe aufgedruckt, wie Banker sagen: Hier wechselt die aufgedruckte Zahl – beispielsweise die "50" auf der Rückseite der 50-Euro-Note – von Purpur zu Olivgrün oder Braun, wenn der Schein zur Seite gekippt wird.

In Geldscheinen ab 50 Euro sind Hologramme eingebaut, die je nach Betrachtungswinkel sich verändernde dreidimensionale Objekte zeigen. Repro: Robert Kalina, ECB, public domain
Hologramm, Repro: Robert Kalina, ECB, public domain

Auf einem Kippeffekt basieren auch die sogenannten Kinegramme, die bei 5-, 10- und 20-Euro-Noten auf einem Folienstreifen auf der Vorderseite aufgebracht sind. Sie zeigen je nach Betrachtungswinkel die Wertzahl des Scheins oder das Eurosymbol, jeweils begleitet von einem schillernden Farbspiel. Im Gegensatz zu den zweidimensionalen Kinegrammen sind die Hologramme auf den höherwertigen Geldscheinen dreidimensional: Hier scheinen die Symbole über einem farbig schillernden Hintergrund zu schweben.

Vom Betrachtungswinkel abhängig ist zudem auch das Erscheinungsbild der Glanzstreifen auf der Rückseite der Geldscheine bis 20 Euro. Der Streifen zeigt ebenfalls die Wertzahl sowie das Eurosymbol und verschwindet bei bestimmten Betrachtungswinkeln nahezu. Damit sind die farblichen Merkmale, die Euronoten fälschungssicher machen sollen, jedoch noch längst nicht erschöpft: Glanzeffekte, bei denen einzelne Elemente schillernd hervortreten, sind beispielsweise ebenso Teil des Sicherheitskonzepts wie der Einsatz von Sonderfarben, die mit herkömmlichen Scannern und Druckern nur schwer erfasst werden können.

Doch zurück zur Kasse im Supermarkt: Statt mit UV-Lampen wird hier übrigens manchmal auch mit speziellen Markern gearbeitet, die auf den ersten Blick wie gewöhnliche Filzstifte aussehen: Ein kleiner Strich auf dem Geldschein soll hierbei einen ersten Hinweis auf die Echtheit der Banknote liefern. Der Stift ist mit einer chemischen Substanz versehen, die sich dunkel verfärbt, wenn das Papier Stärke enthält. Da Euronoten aus reiner Baumwolle bestehen, bleibt ein Strich mit dem Stift auf dem Papier unsichtbar. Ist der Schein hingegen gefälscht und aus gewöhnlichem, stärkehaltigen Papier hergestellt, erscheint sofort ein dunkler Strich auf dem Papier.  (ud)