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20.08.2008

Farbe interdisziplinär

Ausstellung in Illmenau befasst sich mit der Farbigkeit im Leben und in der Naturwissenschaft

Farben machen das Leben bunt. Sie vermitteln Emotionen und sprechen direkt unser ästhetisches Empfinden an. Doch auch in den vermeintlich so kalten Naturwissenschaften sind sie unentbehrlich. Fluoreszierende Proteine in den verschiedensten Farben geben Aufschluss über Vorgänge in winzigen Zellen, bunte Bilder von Weltraumteleskopen liefern neue Einblicke in das kosmische Geschehen. Mit der Farbigkeit im Leben und in der Naturwissenschaft befasst sich nun eine Ausstellung in Ilmenau: "rot. grün. blau. Experiment in Farbe und Licht" heißt die Schau, die vom 28. August bis zum 2. November 2008 im Industriedenkmal Fischerhütte in Ilmenau zu sehen ist.

Das Farbenspiel auf den Federn von Kolibris gehört zu den faszinierendsten Farbphänomenen in der Natur. Foto: Mdf/Laitche,wikipedia.de
Foto: Mdf/Laitche, wikipedia.de

In der Wissenschaft kann man wichtige Erkenntnisse über den Mikro- und Makrokosmos durch Falschfarbendarstellungen erhalten", erklärt Konrad Scheurmann, Kurator der Ausstellung. "Weltraumteleskope nehmen mit ihren Sensoren Wellenlängen des Lichts auf, die wir mit unseren Augen nicht sehen können, wie etwa Röntgen- und Gammastrahlen. Diese werden in farbige Bilder übersetzt und machen dadurch Vorgänge im Weltall sichtbar." So können etwa die Geburt oder die Verschmelzung von Galaxien beobachtet werden.

In einer sehr viel kleineren Größenordnung werden bunt leuchtende Proteine eingesetzt. Zellbiologen nutzen sie seit ihrer Entdeckung zur Klärung verschiedenster Fragestellungen. Ursprünglich stammt das "Grün Fluoreszierende Protein" (GFP) aus einem Meeresbewohner, der pazifischen Meeresqualle Aequoria victoria. Das Gen für das GFP kann gentechnisch in andere Organismen kloniert werden und dort bestimmte Gewebe oder Zellbestandteile zum Leuchten bringen. "Früher wurde seziert, um den Aufbau des Körpers zu untersuchen. Doch ohne Techniken zur Zellfärbung waren der Erkenntnis engere Grenzen gesetzt", sagt Scheurmann.

Auch in der Hirnforschung liefern bunte Bilder tiefere Erkenntnisse über Vorgänge im Inneren des Körpers. "Mit moderner Technik kann man in das Innere des Kopfes sehen", beschreibt Scheurmann. "Durch farbige Darstellungen der Prozesse im Hirn kann man sichtbar machen, wie Empfindungen im Kopf verarbeitet werden. In unserer Ausstellung zeigen wir, wie das Farbempfinden sich auf die Hirnaktivität auswirkt.

Farbe als Forscherwerkzeug ist jedoch nur ein Teil der Ausstellung "rot. grün. blau." Es geht insbesondere um die Dualität von Farbe als Stoff und Farbe als etwas Immaterielles, sagt Scheurmann: "Klassischerweise sind Farben etwas Stoffliches. Man ist am Entstehungsprozess von Farbe aus Pigment und Bindemittel direkt beteiligt, kann sie anfassen und mit ihr arbeiten." In der Ausstellung wird dieser Aspekt etwa durch eine Sammlung von 280 Pigmenten beleuchtet. Auch der Prozess und die Geschichte der Farbherstellung werden beschrieben. "Andererseits ist Farbe in der heutigen Zeit immer mehr etwas Virtuelles, Immaterielles, Theoretisches. Mit Hilfe des Computers hat man viel mehr Möglichkeiten, mit Farbe zu arbeiten. Allerdings ist diese Arbeit dann etwas distanzierter."

Ein weiterer Unterschied: Pigmente oder mit Farbe bestrichene Flächen können je nach Tageszeit und Lichteinfall unterschiedlich wirken. Der Eindruck von Farbe entsteht erst durch die Reflektion des Lichts. Virtuelle Farben am Computerbildschirm wirken dagegen stets gleich, da die Pixel aus klar definierten Anteilen von Rot, Grün und Blau zusammengesetzt sind, die selbst Licht ausstrahlen. "Eine absolute Trennung zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen gibt es aber nicht", sagt Scheurmann, "Vor allem möchten wir den Besuchern vermitteln, wie allgegenwärtig Farbe in unserem täglichen Leben ist. Oft macht man sich dies nicht richtig bewusst."

Ein interessanter Sonderfall natürlicher Farbspiele ist der Kolibri. Nur fünf Zentimeter groß und zehn Gramm schwer, trägt er ein Federkleid, das für den Betrachter zwischen den Farben Rot, Grün und Blau zu oszillieren scheint. "Dieser Eindruck entsteht durch winzige Strukturen auf den Flügeln. Es gibt mehrere Schichten sich überlagernder Schuppen, die durch ihre Anordnung das Licht auf vielfältige Weise brechen", erklärt Scheurmann, "Es ist so ähnlich wie bei einer Ölschicht, die sich auf einer Wasserfläche ausbreitet." Den Besuchern der Ilmenauer Schau soll er verdeutlichen, dass sich Farbigkeit mehr in den Köpfen der Betrachter abspielt als in seinem Gewand.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Experimente für Kinder und Erwachsene. An einer Drehscheibe kann beobachtet werden, wie sich aus drei Grundfarben bei schneller Drehung Mischtöne ergeben, und Kinder können entdecken, weshalb Glühwürmchen leuchten. (mb)
Rückblick auf der Internetseite der Veranstaltung