13.05.2015

Farbe schafft Orientierung

Das Parkhaus P8 in Bochum ist mehr als eine überdachte Stellfläche für Autos

Parkhäuser stehen nicht gerade in dem Ruf, architektonische Schmuckstücke zu sein. Es sind Zweckbauten, die ihre Aufgabe mehr oder minder gut erfüllen. Wohlfühlatmosphäre bieten sie für ihre Benutzer in der Regel nicht – die meisten Menschen sind froh, wenn sie ihr Inneres wieder verlassen haben. Ganz anders beim Parkhaus P8 in Bochum: Dank eines schlüssigen Farbkonzepts ist es gelungen, inmitten der Partymeile “Bermuda3eck” einen architektonischen Akzent zu setzen, der auf die Benutzer freundlich wirkt.

Mit viel Weiß hat Architekt Wolfgang Krenz dem Parkhaus seine bedrückende und düstere Atmosphäre genommen. Foto: Brillux
Parkhaus Innenansicht. Foto: Brillux

Das Gebäude stammt ursprünglich aus den 1960er-Jahren und bot mit seinen Grundrissen bereits eine gute Grundlage für einen gestalterischen Neuanfang. Der Grundgedanke hierbei war, bei den Nutzern wohlbefinden zu bewirken. “Man (und insbesondere Frau) soll sich dort grundsätzlich so wohlfühlen wie in anderen Gebäuden auch”, erklärt Architekt Wolfgang Krenz von Archwerk Generalplaner KG in Bochum, der für das Projekt verantwortlich zeichnete.

Die für die meisten Menschen beklemmende, von düsteren Betondecken und Neonlicht geprägte Atmosphäre vieler Parkhäuser galt es von vornherein zu vermeiden: Wolfgang Krenz wählte deshalb Weiß als prägenden Farbton – und zwar nicht nur an Wänden und Decken, sondern auch als Beschichtung für den Boden. Damit schuf er eine Atmosphäre, die Sicherheit und Transparenz vermittelt. Die Markierungen auf den Farbbahnen wurden in Schwarz ausgeführt, ebenso wie die Geländer an den Brüstungen der Parkdecks. 

Jedem Stockwerk ist eine Farbe zugeordnet, was den Nutzern die Orientierung erleichtert. Foto: Brillux
Parkhaus P8 Ausgang. Foto: Brillux

Farbigkeit sollte hingegen nur der Orientierung dienen. So erhielt auf Wunsch des Bauherrn die unterste Parkebene die Orientierungsfarbe Blau, die zweite Grün, die dritte Orange und die oberste Ebene schließlich Rot. Die Auswahl dieser Farben erfolgte mit großer Sorgfalt – galt es doch, eine Gleichwertigkeit zwischen diesen Tönen zu erzielen. Keiner sollte gegenüber den anderen hervorstechen und intensiver oder leuchtender als die anderen wirken.

Nach zahlreichen Bemusterungen und Testanstrichen waren die vier Töne schließlich gefunden, die nun für farbige Piktogramme und vollflächig für die Eingänge zu Aufzügen und Treppenhäusern verwendet wurden. Diese klare und einprägsame Farbensprache soll den Nutzern des Parkhauses die Orientierung erleichtern. Gleichzeitig fungieren diese Farben auch als Gestaltungselement und bilden einen Gegenpol zu dem Schwarz-Weiß der Farbbahnen und ihrer Markierungen.

Die Außenfassade ist durch eine mit dichromatischen Folien belegte Glasfassade geprägt. Foto: Brillux
Außenfassade P8. Foto: Brillux

Doch auch an der Außenfassade setzte Wolfgang Krenz farbige Akzente: Der ursprünglich offene Bau wurde mit einer von Stockwerk zu Stockwerk weiter auskragenden, verglasten Stahlkonstruktion verkleidet. Das Glas ist mit einer neuartigen dichromatischen Folie belegt, die je nach Lichteinfall für wechselnde Farbverläufe sorgt.

Der markanteste Blickfang ist jedoch der an das Gebäude angeschlossene Rundbau aus Stahl – eine Reminiszenz an die vom Bergbau geprägte Vergangenheit des Reviers. Neben Läden, Restaurants und Bars beherbergt er auf seinem Dach eine Skaterbahn, die einen weiteren Identifikationspunkt für die Nutzer schafft. Das Gebäude wurde 2013 mit dem 1. Preis in der Kategorie “Sonderpreis” des Deutschen Fassadenpreises ausgezeichnet.