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03.12.2008

Farbe sitzt erst rechts, dann links

Bei Kindern wechselt die für die Erkennung von Farben zuständige Hirnregion, wenn sich die Sprachfähigkeit entwickelt

Grün ist grün, gelb ist gelb und blau ist blau: Kaum ein anderer Sinneseindruck ist so eng mit Sprachbegriffen verbunden wie die Wahrnehmung von Farben. Dies spiegelt sich auch im Gehirn wider, haben britische Forscher bei Tests mit Kindern herausgefunden: Wenn Kleinkinder sprechen lernen und damit auch Farben benennen können, wandert die für die Verarbeitung von Farben zuständige Region im Gehirn von der rechten in die linke Gehirnhälfte – dort, wo auch das Sprachzentrum sitzt.

Sobald Kinder in der Lage sind, Farben zu benennen, findet die Verarbeitung der Farbinformation in der linken Gehirnhälfte statt. Foto: Alvesgaspar, wikipedia.de
Foto: Alvesgaspar, wikipedia.de

Wie bei den meisten Varianten seiner Wahrnehmung arbeitet der Mensch auch beim Farbensehen mit Kategorien. Dazu gehören die als elementar empfundenen Farbkategorien wie beispielsweise Gelb, Blau, Rot oder Grün. Wie eng diese Kategorien mit der Sprache zusammenhängen, konnten die britischen Forscher nun zeigen.

In ihren Experimenten hatten die Wissenschaftler insgesamt 37 Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren vor einen Computermonitor gesetzt. Auf dem Bildschirm erschienen vor einem grünen oder einem blauen Hintergrund jeweils blaue oder grüne Farbpunkte. Während die Kinder auf den Bildschirm blickten, richteten die Forscher eine Kamera auf sie, mit der sich die Bewegung der Augen aufzeichnen ließ. So konnten sie feststellen, wie schnell die Kinder einen der aufblinkenden Farbpunkte erkannten.

Ältere Kinder, die die Farbbegriffe bereits kannten, reagierten bei diesen Tests besonders schnell, wenn ein Punkt einer anderen Farbkategorie aufblinkte, also beispielsweise ein blauer Punkt vor grünem Hintergrund. Diese schnelle Reaktion zeigten sie jedoch nur, wenn der Punkt in der rechten Bildhälfte erschien. Dies deutet darauf hin, dass die durch die Sprache vorgegebenen Kategorien in der linken Hirnhälfte abgelegt sind, da das Gehirn ja sozusagen überkreuz arbeitet.

Diese besonders schnelle Reaktion auf Farben unterschiedlicher Kategorien trat auch bei den kleineren Probanden auf, die noch keine Farben benennen konnten – hier jedoch nur, wenn die Punkte in der linken Hälfte des Bildschirms erschienen. Die schnelle Farbwahrnehmung fand hier also in der rechten Gehirnhälfte statt, folgern die Forscher.

Die Kategorien für die Farbwahrnehmung seien ursprünglich in der rechten Gehirnhälfte verankert und wanderten mit der Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten in die linke Gehirnhälfte, schließen die Wissenschaftler. (ud)

Weitere Informationen:
Originalarbeit der Wissenschaftler