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25.02.2009

Farbe steigert das Lebensgefühl

Mit leuchtenden Rottönen zieht Rupprecht Geiger den Betrachter in den Bann seiner Kunst

Der deutsche Maler und Bildhauer Rupprecht Geiger ist mit 101 Jahren einer der ältesten noch lebenden Künstler Deutschlands. Mit über 70 Schaffensjahren blickt er auf ein langes und kontinuierliches künstlerisches Leben zurück, in dem die Farbgebung, besonders die Farbe Rot, eine ganz besondere Rolle spielt.

Foto: MünchenWiki

Rupprecht Geigers großformatige, von Rottönen geprägten Farbflächen kennen auch U-Bahn-Fahrer in München: Im U-Bahnhof Machtflinger Straße setzen vier zweiteilige Objekte des Künstlers Akzente. Foto: MünchenWiki

Foto: MünchenWiki

Rupprecht Geigers Kunst am U-Bahnhof Machtlfinger Straße umfasst die Nord- und die Südseite des Bahnhofs. Foto: MünchenWiki

 

Kaum definierbare Farbverläufe gehen von einem dunklen Orange zu einem kräftigen Rot über, in das sich ein kreisrundes Pink hineinschiebt. Ein dunkles Rot trifft auf ein tiefes Schwarz, in dem sich ein Mehreck in leuchtendem Türkis und dunklem Blau öffnet. Die Bilder von Rupprecht Geiger sind unverwechselbar, sprachlich schwer zu beschreiben und eigentlich nur erlebbar. Auffällig ist: Es gibt verschiedene Abstufungen der Farbe Rot: Glutrot, Sonnenrot, Magentarot, ein Rot, das ins Schwarze geht. Oder ein Rot, das in ein grelles Pink mündet – mal als Kreis, mal als Rechteck, entweder als Grafik, Gemälde, Collage, Plastik oder auch als Rauminstallation.

1908 wird Rupprecht Geiger als Sohn des Malers und Grafikers Willi Geiger in München geboren. Er studiert zunächst Architektur an der Münchner Kunstgewerbeschule und arbeitet bis 1962 immer wieder in diesem Beruf. Das Malen bringt er sich selber bei. 1940 wird er an die Front in Russland eingezogen. In dieser Zeit entstehen Landschaftsaquarelle mit hohem farbenprächtigen Himmel über tiefliegendem Land. Schon jetzt beschäftigt sich Geiger mit der Farbe als Grundelement der Malerei. 1943 bis 1944 ist er als Kriegsmaler in der Ukraine und in Griechenland und stellt Licht mit verschiedenartig leuchtenden Farben dar. Farbe dient ihm schon hier als positiver Energieträger, denn: Eine auf die Farbe reduzierte Malerei lässt ihn das Gräuel des Krieges überhaupt nur überstehen.

In den 50er Jahren schafft Geiger den für seine Kunst charakteristischen Stil. Er entwickelt seine gegenstandsfreien und an geometrische Formen angelehnte Farbraumdarstellungen, die im Laufe des Jahrzehnts fast monochrom werden. So kreiert er zum Beispiel Gemälde, an deren schwarz-graue Flächen farbige, entweder orangefarbene oder rote Streifen grenzen. Das Licht scheint hier zu vibrieren, die kalten und warmen Farben zu kontrastieren, und die Formen scheinen in Bewegung zu sein. Das bereits in dieser Phase auftretende charakteristische Rot wird in den 60er Jahren zur dominanten Farbe neben Blau in großformatigen Gemälden. Für Geiger sind alle Farben, die auch nur zum rötlichen Ton hintendieren, Rot: vom hellsten Gelb bis ins tiefste Violett.

1949 gründet Geiger mit Willi Baumeister und Fritz Winter die "ZEN 49", die wichtigste Verbindung abstrakt arbeitender Künstler in der Nachkriegszeit. In den Jahren 1959 bis 1977 nimmt er mehrmals an der documenta in Kassel teil, und von 1965 bis 1976 hat Geiger eine Professur für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Sein bevorzugtes Arbeitsmittel ist jetzt fluoreszierende Acrylfarbe, die er mit der Sprühdose auf die am Boden liegende Leinwand bringt. Der unmittelbaren Wirkung dieser leuchtenden Farben kann sich kein Betrachter entziehen. Es entstehen Bilder, die sich auf eine Farbe konzentrieren und in ihrer minimalistischen Art an den Künstler Yves Klein erinnern. Ist bis Mitte der 70er Jahre die Form des Kreises das dominierende Element, wird es jetzt durch leuchtend, körperlos erscheinende Rechtecke abgelöst. Die Farben werden aggressiver und nebeneinander gestelltes Pink und Orange attackieren die Strenge der geometrischen Form.

Ab 1975 entstehen Geigers sogenannte "Farbtanks" – großformatige Architektur-Modelle, die ganze Räume füllen. Der Besucher betrachtet nicht mehr, er steht mittendrin in einem Raum voller Farben. Die Farbe bezeichnet Geiger hier als Energie, als ein Zentrum der Erholung. Für ihn hat Farbe immer denselben Effekt, nämlich das Lebensgefühl zu steigern. In den letzten Jahren befasst sich der Künstler überwiegend mit Collagen, das heißt mit der Kombination verschiedener Formen und Materialien, wobei seine Vorliebe für die Farbe Rot beherrschendes Motiv bleibt. In Geigers Spätwerk wird Rot fast zur einzigen Farbe: Rot ist für ihn Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme und Kraft. "Rot macht high", ist einer seiner Leitsätze. Heute arbeitet und lebt Rupprecht Geiger in München und ist mit seinen abstrakten Farbkompositionen einer der Hauptvertreter der Farbfeldmalerei in Deutschland. (an)