29.04.2009

Farbecht dank Gamma

Die sogenannte Gammakorrektur sichert die Vergleichbarkeit von Farben auf dem Monitor

Fotos wirken auf verschiedenen Computern teilweise ganz unterschiedlich: Während sie auf dem einen Monitor in leuchtenden Farben erstrahlen, erscheinen sie auf einem anderen Bildschirm matt und grau. Um diese Helligkeitsunterschiede auszugleichen und eine annähernd vergleichbare Darstellung von Farben zu erreichen, ersannen Techniker die Gammakorrektur.

Damit bunte Farben am Bildschirm ebenso aussehen wie später im Ausdruck, muss das richtige Farbprofil gewählt werden. Foto: twobot, Photocase.com
Foto: twobot, Photocase.com

Der Begriff "Gamma" ist seit mehr als hundert Jahren in der Fotografie gebräuchlich. Dahinter verbergen sich komplizierte mathematische Formeln, die ursprünglich die Auswirkungen unterschiedlicher Belichtungszeiten auf die Fotoplatten zu erklären suchten. Die Fotoplatten von damals sind längst durch moderne Bildschirme ersetzt, aber Gamma gibt es immer noch. Die Bedeutung des Begriffs hat sich aber über die Jahre geändert: Heute dient Gamma in erster Linie dazu, die Helligkeitsunterschiede auf Monitoren in mathematische Begriffe zu fassen. Ein Gammawert von 1 entspricht dabei einer linearen Übertragung, kleinere oder größere Werte deuten dagegen auf eine Verzerrung der Helligkeit hin. Mit der Helligkeit verändert sich jedoch auch die Farbdarstellung.

Eine Eigenheit des menschlichen Auges verkompliziert die Sache für Computerhersteller allerdings zusätzlich: Unsere Augen verzerren Helligkeitsunterschiede bereits selbst. So steigt die empfundene Helligkeit in dunklen Bereichen von Fotos wesentlich schneller an als in hellen. Forscher ordnen dem menschlichen Auge daher ein Gamma von rund 0,2 bis 0,5 zu. Soll dieser Wert ausgeglichen werden, muss das Gamma auf dem Computerbildschirm entsprechend erhöht werden – da hinter Gamma aber eine sogenannte Potenzfunktion steckt, muss die Erhöhung des Bildschirm-Gamma vergleichsweise stark ausfallen.

Computerentwickler ersannen dazu die sogenannte Gammakorrektur – damit lassen sich die Helligkeit und die Farbdarstellung auf dem Monitor gezielt anpassen, so dass im Endeffekt eine annähernd farbechte Wiedergabe gewährleistet ist. Verschiedene Hersteller legen allerdings unterschiedliche Gammawerte zugrunde, so dass sich die Farbdarstellung je nach Bildschirm unterscheiden kann. Der Gammawert eines Monitors, der mit Windows betrieben wird, liegt beispielsweise durchschnittlich bei 2,2, während das Standard-Farbprofil bei Mac-Rechnern einen Gammawert von 1,8 aufweist. Mithilfe der Grafikeinstellungen auf dem eigenen Computer lassen sich die Gammawerte aber beliebig verändern und so den eigenen Sehvorlieben anpassen.

Soll allerdings ein Bild auf Papier gedruckt werden, das vorher nur am Bildschirm betrachtet wurde, empfiehlt sich eine Einstellung von 2,2, da auch die meisten Fotolabors mit diesem Wert arbeiten. So ist gewährleistet, dass ein Foto dann auch wirklich so aussieht wie vorher auf dem Bildschirm. Wer sicher gehen will, dass ein Gamma von 2,2 eingestellt ist, kann dies in der Systemsteuerung des Computer-Betriebssystems überprüfen. Bei Rechnern unter Windows gelangt man unter "Darstellung und Designs", "Anzeige", "Einstellungen" und "Erweitert" in das entsprechende Menü für die Farbdarstellung des Monitors. Bei Mac-Rechnern wählt man einfach in den Systemeinstellungen die Menüs "Monitor" und danach "Farbe".

In beiden Betriebssystemen kann man als Farbprofil das meist vorinstallierte sogenannte "sRGB-Profil" wählen. Die Bezeichnung steht für "Standard RGB". In diesem Profil ist der entsprechende Gammawert bereits enthalten. (zen)