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26.03.2008

Farben für die Königsdisziplin der Malerei

Ölfarben: Die Mischung macht die Kunst aus, Pigmente in Flüssigkeit zu bannen

Farbpigmente brauchen Bindemittel, um auf diversen Oberflächen zu haften. Dabei bringt Öl als Bindemittel Farben am Besten zum Leuchten. In der Malerei sind Ölfarben daher sehr beliebt. Da sie jedoch langsam trocknen und sich nicht leicht mischen lassen, erfordern sie kluges Vorausdenken und -planen. Selbst das Herstellen der Ölfarben ist eine Wissenschaft für sich und setzt viel Erfahrung mit den verschiedenen Eigenschaften der Pigmente voraus.

Bild: wikipedia.de

Die 1434 entstandene Arnolfini-Hochzeit (hier ein Ausschnitt) gehört zu den bekanntesten Werken des flämischen Malers Jan van Eyck, der mit seinem Werk der Malerei mit Ölfarben zu einer ersten Blüte verholfen hat. Bild: wikipedia.de

Foto: Hannele, PhotoCase.com

Ölfarben sind bis heute bei Malern sehr beliebt. Foto: Hannele, PhotoCase.com

 

Pure Farbmittel sind meist pulverförmig. Sie bestehen aus kleinsten Kristallen, auch Korn genannt. Dabei gelten Körner von über einem Hundertstel Millimeter schon als grobkörnig – dies ist bei den Farben Azurit, Malachit und Grünspan der Fall. Ruß, Indigo und Berliner Blau sind hingegen mit Korngrößen von unter einem Tausendstel Millimeter feinkörnig. Je kleiner das Korn, um so farbintensiver ist das Pulver.

Doch wirklich malen kann man mit solchen Farbstäuben noch nicht. Schon in der Steinzeit nutzten Menschen daher Öl als Mittel, Farbpulver zu binden. Dabei verhält sich ein Großteil der natürlichen Farben wie Wasser in einer öligen Salatsoße: Durch inniges Rühren beziehungsweise "Anreiben" in einem Mörser oder auf einer Stein- oder Glasplatte kann man erreichen, dass sich die Farbstäube fein in dem Bindemittel Öl verteilen – gelöst werden sie freilich nicht. Solche Farbstäube werden als Pigmente bezeichnet. Sie werden von den Farbstoffen unterschieden, die sich gut im Bindemittel lösen.

Doch nur dadurch, dass sich Pigmente nicht im Öl lösen, kann mit ihnen die gewünschte Viskosität und Streichfähigkeit einer Malpaste erreicht werden. Die Pigmente verleihen dem Farbmittel erst die nötige Substanz. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt. Beim Verrühren von Öl und Pigment muss zum einen darauf geachtet werden, dass sich der Farbstaub zwar möglichst fein und gleichmäßig im Öl verteilt. Zum anderen gibt es ein je nach Pigment unterschiedliches optimales Mischungsverhältnis von Öl und Farbstaub. Ab einer bestimmten Konsistenz reichen schon ein paar Tropfen Öl zu viel, um aus der cremigen Paste einen unbrauchbaren, dünnflüssigen Brei zu machen.

Ein anschauliches Beispiel für diesen Effekt sind zwei Glasplatten, die durch eine dünne Schicht Wasser zusammengehalten werden: Die Kapillarkräfte des Wassers sind so stark, dass sich die Glasplatten nicht einmal gegeneinander verschieben lassen. Doch ein paar Tropfen Wasser zu viel heben die Kapillarwirkung auf und die Platten fallen auseinander. Übertragen auf die Ölfarben verhält sich das Öl wie das Wasser, und die Pigmente sind die Glasplatten. Es sind die Kapillarkräfte des Öls, die die Eigenschaften der Paste bestimmen. Daher lassen sich feine Farbstäube leichter verarbeiten. Die Gesamtoberfläche der Farbkörnchen ist umso größer, je kleiner sie sind. Dadurch verringert sich die Menge an Öl pro Flächeneinheit und der Ölfilm zwischen den Körnern ist dünner, die Kapillarkräfte wirken stärker.

Ist der Mischvorgang mit dem Öl erfolgreich abgeschlossen, bedarf es jedoch meist noch weiterer Zwischenschritte. Denn die Pigmentteilchen können sich mit der Zeit wieder absetzen – wie zum Beispiel beim Ultramarinblau. Oder sie können sehr farbintensiv oder teuer sein, sodass es sinnvoll ist, sie ein wenig zu strecken. Hier können farblose Füllstoffe helfen, die gewünschten Eigenschaften zu erreichen. Manche Pigmente lassen sich so schwer mit dem Öl vermengen, dass ein bisschen Seife nachhelfen muss. Seife liebt sowohl Wasser als auch Öl und fungiert als eine Art Vermittler zwischen den Pigmenten und dem Öl. Das Mischen der beiden gelingt besser und die Paste wird cremiger.

Eine weitere Herausforderung ist, dass feinkörnige Pigmente das Austrocknen der Farbpaste verzögern, wohingegen Blei-, Mangan-, Kobalt- und Zinkpigmente dies beschleunigen. Je nach Pigmenteigenschaften müssen daher noch trocknungsbeschleunigende Mittel – so genannte Sikkative – oder trocknungsverzögernde Mittel wie Lein-, Sonnenblumen-, Mohn- oder Walnussöl hinzugefügt werden.

Erst wenn all diese Punkte erfolgreich gelöst sind, ist die Ölfarbe fertig. Wer sich die vielen Versuche und Rückschläge sparen will, die nötig sind, bis aus einem Pigmentstaub eine gut zu verarbeitende Farbpaste entsteht, der kann sich die Ölfarbe auch einfach aus der Tube kaufen. Eine Sternenskala von eins bis fünf auf der Verpackung zeigt die Pigmentdichte der Ölfarbe an. Je höher die Dichte, desto geringer die Transparenz und umso größer die Deckkraft der Farbe. Bei Bedarf können sowohl die selbst hergestellte als auch die Tubenfarbe mit Terpentin verdünnt werden, zum Beispiel wenn sie schon ein wenig angetrocknet ist.

Auf Leinwand oder Holz aufgetragen, entfalten Ölfarben ihre Pracht. Das Licht kann bis tief in ihre Farbschichten eindringen, wird an den Pigmentkörnern absorbiert und gebrochen und am Untergrund reflektiert. Satte, leuchtende Farben sind die Folge. Einige Farben, zum Beispiel Kobaltblau, Ultramarinblau und Krapplack, lassen sich mit anderen farbgebenden Verfahren wie dem Druck gar nicht wiedergeben.

Da Ölfarben sehr langsam trocknen – sie brauchen fünf bis zwölf Tage, um scheinbar trocken zu werden – muss der Maler sehr vorausschauend arbeiten, um bei Malen nicht unverwünschte Mischeffekte zu verursachen. Dabei "trocknet" Ölfarbe nicht wirklich, sondern reagiert mit Sauerstoff und Sonnenlicht: Das Öl oxidiert, wodurch sich seine Molekülketten untereinander vernetzen – es polymerisiert. Bei dem Vorgang schwillt die Ölfarbe zuerst ein wenig an, sie nimmt an Gewicht und Volumen zu, um dann im zweiten Schritt zu schrumpfen. Bis ein Ölgemälde vollständig getrocknet ist, kann es Jahrzehnte dauern. Da die Pigmentkörnchen jedoch in eine dauerhafte Filmschicht eingebettet sind, verändert sich der Lichtbrechungsindex und damit die Leuchtkraft der Farbe nicht: Kunstwerke bleiben der Nachwelt über Hunderte von Jahren erhalten. (ab)