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25.02.2004

Farbenpracht im Echsenreich: Wie Chamäleons ihre Hautfarbe ändern

Mit jedem Wechsel ihrer äußeren Erscheinung reagieren die Tiere auf Faktoren wie Helligkeit und Wärme – und sie kommunizieren damit untereinander

Chamäleons gelten als farbige Verwandlungskünstler. Doch ganz so anpassungsfähig, wie viele Menschen glauben, sind die faszinierenden Echsen dann doch nicht.
Chamäleon

Chamäleons sind berühmt für das Farbenspiel ihrer Haut und müssen häufig als Vorzeigemodell für Anpassungsfähigkeit herhalten. Jedem Untergrund können die Tiere jedoch ihre Hautfarbe nicht angleichen. In den Hautzellen der Echsen sind spezialisierte Zellen dafür verantwortlich, dass die unterschiedlichen Muster und Farben entstehen, die bei jeder der 120 Arten anders sind.

Neben der veränderbaren Hautfarbe fasziniert bei den Echsen auch die Anatomie mit dem rollbaren Schwanz.
Neben der veränderbaren Hautfarbe fasziniert bei den Echsen auch die Anatomie mit dem rollbaren Schwanz.

Dass ein Chamäleon seine Farbe jedem beliebigen Hintergrund anpassen kann, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Tatsächlich verändern die Tiere zwar den Farbton ihrer Haut, doch sind diese Farbwechsel eher ein Ausdruck verschiedener Stimmungen oder eine Reaktion auf Temperatur- oder Lichtänderungen. Dabei sind die farblichen Variationen von Art zu Art unterschiedlich. Jeder Spezies steht nur eine begrenzte Palette von Farben zur Verfügung.

Ohne Licht und bei kühlen Temperaturen ist die Haut des Chamäleons relativ gleichmäßig hell – also auch meist in der Nacht. Da sich die wechselwarmen Tiere am Morgen zunächst aufheizen müssen, um aktiv werden zu können, färbt sich die Haut morgens so dunkel wie möglich. So fangen sie die meiste Wärmestrahlung von der Sonne ein. Zudem blasen sie sich möglichst stark auf, um die Hautoberfläche zu vergrößern und so den wärmenden Effekt weiter zu verstärken. Doch nur direkt der Sonne ausgesetzte Hautzellen werden dunkel. Im Schatten bleibt die Haut hell. Wird es den Tieren im Laufe des Tages in der sengenden Sonne zu warm, wechseln sie wieder auf hellere Farbtöne. Manche Arten werden bei starker Hitze sogar fast weiß.

Doch auch die Gemütslage eines Chamäleons drückt sich in seiner Färbung aus. Revierkämpfe werden nicht nur von Imponiergehabe, sondern häufig auch von prächtigen Farbenspielen begleitet. Sind Männchen auf Partnersuche, wählen sie ebenfalls besonders schöne und auffällige Farben, um die Damen ihrer Wahl zu erobern. Diese können bei Ablehnung jedoch zum Beispiel mit einer Rotfärbung ihrer Kopfschuppen reagieren und so das eindeutige Signal setzen: Bis hierhin und nicht weiter! So dient das Farbenspiel auch der Kommunikation mit Artgenossen. Ganz nebenbei kann ein farblich passendes Outfit den Tieren natürlich auch zur Tarnung dienen. Inmitten saftig grüner Blätter macht die Tiere eine gelbgrünliche Färbung der Haut sehr unauffällig.

Doch wie entstehen die wechselnden Farben in der Haut der ungewöhnlichen Echsen? Die Farbenpracht ist das Ergebnis eines Zusammenspiels mehrerer Mechanismen in den Hautzellen der Echsen. Besondere Hautzellen, so genannte Chromatophoren, besitzen verschiedene Farbpigmente. Diese können innerhalb der einzelnen Zelle zentral geballt oder ausgebreitet werden, wodurch unterschiedliche Farben entstehen. Ausgelöst wird das Farbspiel von Nervenimpulsen. Diese geben den Farbzellen den Befehl zur Konzentration oder Verteilung der Pigmentkörperchen. Damit reagiert das Nervensystem zum Beispiel auf Reize, denen Haut- oder andere Sinneszellen ausgesetzt sind.

Es gibt dabei mehr als nur einen Typ von Chromatophoren. Die Zellen werden nach der Art ihrer Pigmente unterschieden: Xanthophoren und Erythrophoren enthalten Carotinoide und Pterine, das sind rötlich-gelbliche Pigmente. In Guanophoren oder Iridophoren liegen Guaninkristalle, die das Licht reflektieren. Dank dieser Zellen können die Tiere auch ein weißliches bis silbrig schimmerndes Aussehen erreichen. Melanozyten haben dagegen verschiedene Melanine, die von gelb über rotbraun bis zu schwarz reichen können.

Außerdem tragen noch Flitterzellen, auch Iridozyten genannt, zum Gesamteindruck bei. Diese Zellen liegen unterhalb der anderen Farbzellen und enthalten Plättchen aus Guanin. Auch sie reflektieren das einfallende Licht und beeinflussen damit gemeinsam mit den verschiedenen darüber liegenden Chromatophoren das Farben- und Musterspiel der Haut.