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03.12.2014

Farbenspiel im Whiskeyglas

Der amerikanische Fotograf Ernie Button macht Aufsehen erregende Bilder von eingetrocknetem Whiskey

Whiskey riecht und schmeckt nicht nur gut – auch das Auge kann sich an den brillanten Brauntönen erfreuen. Was jedoch den wenigsten Whiskeytrinkern auffällt: Besonders schön sieht Whiskey aus, wenn ein kleiner Rest davon in einem Glas eingetrocknet ist. Die wenigen festen Bestandteile des hochprozentigen Getränks ordnen sich dann zu farbigen Mustern an, die aus dem Atelier eines Künstlers zu stammen scheinen. Der amerikanische Fotokünstler Ernie Button hat davon nun Aufsehen erregende Makroaufnahmen gemacht.

Ernie Buttons Fotos sehen aus wie gemalt. Foto: Ernie Button
Whiskey-Bilder. Foto: Ernie Button

Die Bilder zeigen regelrechte Landschaften, wie sie ein Fantasy-Maler kaum besser hätte ersinnen können. "Es war sehr faszinierend für mich, dass eine scheinbar klare Flüssigkeit ein Muster mit einer solchen Klarheit und einem solchen Rhythmus hinterlassen kann", berichtet Button, nachdem er tief in leere Gläser geblickt und seine Makrokameras auf die Reise in diese farbige Welt geschickt hatte.

Die Faszination der farbigen Muster ließ ihn nicht nur zur Kamera greifen, sondern schließlich auch zum Telefon: Von Howard Stone, Professor an der Universität in Princeton, wollte er wissen, wie denn diese spektakulären Muster entstehen. Stone leitet an der renommierten Universität, wo einst auch Albert Einstein lehrte, eine Abteilung, die sich mit dem komplexen Verhalten von Flüssigkeiten befasst.

Aus dem Atelier eines Fantasy-Malers scheinen die Whiskey-Bilder des amerikanischen Fotografen Ernie Button zu stammen. Foto: Ernie Button
Whiskey. Foto: Ernie Button

Die Wissenschaftler, sonst mit eher profanen Flüssigkeiten wie Ölen oder Kraftstoffen befasst, griffen das Thema bereitwillig auf. Whiskey, so erfuhr Button, ist keineswegs ein simpler Forschungsgegenstand, sondern ein eher komplizierter Kandidat: Er enthält eine Mischung zahlreicher Feststoffe, doch schwierig macht die Untersuchung vor allem das Gemisch aus Alkohol und Wasser.

Die Wissenschaftler mussten nämlich feststellen, dass es zwar Studien gab, die das Austrocknen von rein wasserhaltigen Lösungen untersuchten und so beispielsweise erklären konnten, wie die Ränder in Kaffeetassen entstehen, doch Alkohol-Wasser-Gemische waren bisher noch immer ein wissenschaftlich weitgehend unerforschtes Terrain.

Ernie Button hat sich als Fotokünstler darauf spezialisiert, Mikrowelten in Szene zu setzen. Foto: Ernie Button
Whiskey. Foto: Ernie Button

Ausgerüstet mit Videomikroskopen drangen die Forscher daher in dieses bisher unbekannte Gebiet vor und zeichneten auf, wie einzelne Whiskeytropfen auf einer Glasoberfläche austrockneten. Dabei zeigte sich, welch komplexe Vorgänge dabei ablaufen: Zuerst verdampft nämlich der Alkohol, dessen Siedepunkt bei 78 Grad Celsius liegt, wodurch es zu Flüssigkeitsbewegungen in dem trocknenden Tropfen kommt. Bis schließlich das Waser auch noch verdampft ist, haben sich die winzigen Partikel, die den einzigartigen Geruch und Geschmack des Whiskeys ausmachen, zu den faszinierenden Mustern angeordnet.

Die Arbeit könnte durchaus auch einen praktischen Nutzen haben, erklären die Forscher: Prozesse, bei denen Flüssigkeiten auf Oberflächen abtrocknen, gebe es bei vielen industriellen Anwendungen. Für den Fotografen, Künstler und Whiskeytrinker Button ist hingegen vor allem interessant, ob die Art der Muster etwas über das Alter oder den Typ von Whiskey aussagt. In seinen Bildern konnte er diesbezüglich bisher jedoch keine grundsätzlichen Unterschiede festhalten – aber die Whiskey-Forschung dauert auch hier noch an. (ud)