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17.10.2007

Farbig bauen mit Beton

Spezielle Pigmente sorgen für mehr Lebendigkeit in dem herkömmlichen Baustoff

Beton ist nicht nur grau. Beton kann auch bis ins Innerste bunt sein. Vom Pflasterstein über die Treppe bis hin zur Fassade – durch beigemischte Farbpigmente erstrahlt der Baustoff in frischer Farbigkeit. Dank wetterfester und farbbeständiger Pigmente eignet sich farbiger Beton für den Innen- wie den Außenbereich und eröffnet neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Die Fassade des Gebäudes der Stadtwerke in der Münchner Blumenstraße besteht aus rotem Beton. Foto: HeidelbergCement
Fassaden, Foto: HeidelbergCement

Bunte Fenster und verzierte Bogengänge auf Steinsäulen schmücken die neuromanische Kirche St. Benno in München. Zwischen 1888 und 1895 erbaut, gehört sie zu den künstlerisch bedeutendsten in ganz Süddeutschland. Ganz und gar ungewöhnlich mutet da auf den ersten Blick ihr neuer Altar an: Ein schlichter Kubus aus Beton, in warmem Rot. Sein Rot findet sich auch in den Seitenwänden des Chores wieder und stimmt ebenfalls mit dem Gewand des Christus in der über den Altar gespannten Kuppel überein. Dadurch verbindet die Farbe den Weltenherrscher im Himmel mit dem Altar als Christussymbol auf Erden, so die Idee der Künstler Anna Leonie und Kurt Sigrist.

Die perfekte farbliche Abstimmung des Betonkubus gelang mithilfe spezieller Eisenoxid-Farbpigmente, die dem Beton beigemischt wurden. Eisenoxid ist das am häufigsten verwendete Pigment zum Einfärben von Beton und liegt in vielen verschiedenen Farbtönen vor. Neben den Grundfarben Rot, Gelb und Schwarz sind durch Mischungen auch Beige, Orange und Braun möglich. Es gibt jedoch noch weitere geeignete anorganische Oxidpigmente, die sich zum Färben von Beton eignen. So sorgt Chromoxid (genauer Dichromtrioxid) für grüne Farbtöne, während Kobaltaluminiumoxid leuchtend blaue Farben erzeugt. Für ein strahlendes Weiß im Weißbeton oder auch nur für einen helleren Farbton sorgt das Pigment Titandioxid, das auch in Lacken, Wand- und Fassadenfarben als Weißmacher zum Einsatz kommt.

Alle Farbpigmente müssen für den Einsatz in zementgebundenen Baustoffen besonders widerstandsfähig sein, denn sie müssen dem alkalischen Zementleim trotzen und wasserunlöslich sein. Ebenso sind Witterungsbeständigkeit und Lichtechtheit für die Pigmente Pflicht.

Neben den Farbpigmenten spielt natürlich auch der Beton selbst eine Rolle im späteren Farbbild. "Der Farbton des Zements, die Eigenfarbe des Sandes und die gewählte Zusammensetzung tragen zum gesamten Farbeindruck bei", erklärt Dr. Robert Lukas, Prüfstellenleiter der BLG-Beton München und Prokurist in dem Baustofftechnischen Labor Betotech München. Um Farbpigmente und Betonzusammensetzung auszuwählen, empfiehlt er daher, ein Betonlabor zurate zu ziehen. Musterprobekörper und Musterbauteile helfen dabei, Farb- und optischen Gesamteindruck zu beurteilen.

In der Regel eignet sich zum Einfärben besonders Sichtbeton. Für hell leuchtende Farbtöne wird meist Weißzement verwendet. Für die gedeckten Farben, die zurzeit in Mode sind, reicht ein heller Grauzement aus. Doch dessen Farbe hat natürlich ebenso einen Einfluss auf den späteren Farbton. Je heller der Endfarbton sein soll, desto empfindlicher reagiert er auf die Eigenfarbe des Betons. Eher unempfindlich ist hingegen Schwarz.

Die Farbpigmentzugabe selbst kann nur zwei Prozent für schwache Einfärbungen und Pastelltöne betragen. Für eine vollständige Farbsättigung kann sie jedoch auf bis zu zehn Prozent und mehr ansteigen. Für zusätzliche Oberflächen- und Farbeffekte bearbeiten manche Bauunternehmer die Betonoberfläche noch, zum Beispiel durch Sandstrahlen. Aber auch durch den Einsatz besonderer Gesteinskörnungen lassen sich neue, interessante Farbeffekte erzielen.

Die neue Farbigkeit hält nicht nur in ungewöhnlichen Objekten wie dem Altar in St. Benno Einzug. Auch ganze Hausfassaden bieten sich an. Selbst Brücken erhalten durch die Farbe ein markantes Auftreten – so wie die neue Årsta-Eisenbahnbrücke im schwedischen Stockholm, entworfen von dem Büro Sir Norman Fosters, die im klassischen Falun-Rot der schwedischen Häuser die Bucht Årstaviken überquert. (ab)