03.02.2016

Farbige Botschaften an die Stadt, die niemals schläft

Das Empire State Building in New York kommentiert seit Jahrzehnten mit Lichteffekten die Ereignisse des Tages

Für manche Menschen ist es das schönste Hochhaus der Welt: Das Empire State Building ist eines der Wahrzeichen New Yorks und eine Legende der Baugeschichte. In "der Stadt, die niemals schläft" kommentiert das Gebäude seit einem halben Jahrhundert mit farbigem Licht die aktuellen Ereignisse der Tages: Es weist auf Feier- und Gedenktage hin, würdigt sportliche Erfolge oder setzt Zeichen der Solidarität. Kaum ein anderes Gebäude auf der Welt erreicht mit farbigen Lichteffekten die Aufmerksamkeit so vieler Menschen.

Jedes Jahr am "Martin Luther King Day" erstrahlt das Empire State Building in den Farben der Bewegung des Bürgerrechtlers Rot, Schwarz und Grün. Foto: Arturo Pardavila III, CC-Lizenz über Flickr.com
Empire State Building. Foto: Arturo Pardavila III, CC-Lizenz

Das 1931 fertiggestellte Gebäude ist ein typischer Vertreter des Art-Déco-Stils und unterscheidet sich damit deutlich von den glatten, modernistischen Wolkenkratzern späterer Jahrzehnte. Schon deshalb ist das Gebäude ein Sympathieträger – ähnlich wie das Chrysler-Building, sein wenige Monate zuvor fertiggestellter kleinerer Bruder. Seinen legendären Ruf erworben hat das 381 Meter hohe Gebäude hingegen nicht zuletzt auch durch die zahlreichen Filme, in denen es zu sehen ist – allen voran natürlich "King Kong", in dessen Schlussszene der Riesenaffe von der Spitze des Gebäudes in die Tiefe stürzt.

Auch ohne Monster aufsehenerregend sind die farbigen Botschaften, die das Empire State Building Nacht für Nacht in den New Yorker Himmel schickt. Da züngeln rote, gelbe oder blaue Flammen empor, da pulsieren geometrische Muster im Rhythmus unhörbarer Beats, da laufen farbige Lichtbänder in rasendem Tempo auf und ab, da sendet das Haus Lichtpunkte in wechselnden Farben hinaus in die Nacht wie eine gigantische Diskokugel.

Die Vielfalt an Farben und Farbwechseln sind nahezu unendlich: Möglich wird dies durch ein LED-basiertes und computergesteuertes Beleuchtungssystem, das erst im Jahr 2012 installiert wurde und erstmals auch blitzschnelle Wechsel der Farben ermöglicht. Farbig illuminiert werden können damit der Mast aus Metall sowie die beiden obersten Abschnitte des Gebäudes, das sich stufenweise nach unten verbreitert.

Während der Gay Pride Tage – dem US-amerikanischen Pendant zum "Christopher Street Day" leuchtet der Wolkenkratzer in den Farben des Regenbogens. Foto: Anthony Quintano, CC-Lizenz über Flickr.com
Empire State Building. Foto: Anthony Quintano, CC-Lizenz

Begonnen hatte die Lichtshow am ehemals höchsten Gebäude der Welt bereits kurz nach seiner Eröffnung: Als am 8. November 1932 Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, wurde an der Spitze des Gebäudes ein Blinklicht angeschaltet. Bei diesem einen Licht blieb es bis 1956, als am Mastfuß vier Scheinwerfer, die sogenannten "Freedom Lights", installiert wurden. Diese Lichter sollten dem Gebäude eine ähnliche Bedeutung verleihen wie die Freiheitsstatue: Während die Statue ankommende Seereisende begrüßt, sollte das beleuchtete Empire State Building Fluggäste auf dem amerikanischen Kontinent willkommen heißen.

Die nächste Beleuchtungsgeneration ging bereits 1964 in Betrieb, doch erst 1976 begann die Tradition, mit der Farbe der Beleuchtung auf aktuelle Ereignisse Bezug zu nehmen. Damals war es das 200-jährige Bestehen der USA, das mit den Farben Rot, Blau und Weiß gefeiert wurde. Es folgten wechselnde Farben zu Anlässen wie Weihnachten oder Ferienbeginn. Sportliche Erfolge wurden an der Turmspitze ebenso farbig begangen wie der Besuch bedeutender Persönlichkeiten: Als 1995 Papst Johannes Paul II die Stadt besuchte, erstrahlte das Empire State Building in Weiß und Gold, nach seinem Tod 2005 erloschen die Lichter für einige Zeit.

Selbstredend, dass es seither immer wieder auch kommerzielle Illuminationen gibt, so zum Beispiel, als ein bekannter Süßwarenhersteller erstmals blau glasierte Schokolinsen auf den Markt brachte und das Empire State Building in Blau erstrahlte. Als Mariah Carey 2008 ein neues Album herausbrachte, zeigte sich die Turmspitze in deren Lieblingsfarben Violett, Pink und Weiß.

Manchmal entbehrt die Beleuchtung der Turmspitze auch nicht einer gewissen Originalität: Zum 75. Geburtstag des Comic-Helden Popeye leuchtete die Spitze in Grün – die Farbe von Spinat, das Lieblingsgericht des Matrosen. (ud)