15.04.2009

Farbige Ringe statt Zahlen

Wie ein Farbcode hilft, die technischen Daten von elektrischen Widerständen abzulesen

Wer schon einmal einen Blick ins Innere eines Fernsehers, eines Radios oder eines anderen elektrischen Geräts geworfen hat, hat sie vielleicht gesehen: kleine, zylindrische elektronische Bauteile aus einem hellbraunen, keramisch aussehenden Material, die mit bunten Ringen versehen sind. Die Bauteile sind Widerstände, und hinter den Farben der Ringe steht ein Code. Wer ihn lesen kann, weiß, wie viel Ohm der Widerstand hat, kennt die Qualität des Bauteils und kann abschätzen, wie sich schwankende Temperaturen auf den Wert auswirken.

Elektrische Widerstände sind klein bis winzig und wären kaum einzuordnen, wären auf ihnen Zahlen aufgedruckt. Foto: Andreas Frank, photocase.com

Widerstände sind klein bis winzig, noch dazu meist rund, und sie können in beliebiger Ausrichtung auf elektrischen Schaltkreisen montiert werden. Würden die technischen Spezifikationen in Form kleiner Zahlen aufgedruckt, wären mögliche Fehler bereits vorprogrammiert: Einzelne Ziffern würden verdeckt, Zahlen wären unleserlich oder müssten so winzig klein sein, dass sie nur mit einer Lupe zu entziffern wären. Daher haben findige Ingenieure bereits vor Jahrzehnten einen Farbcode entwickelt, mit dem sich die technischen Daten eines Widerstands in farbige Ringe übersetzen lassen.

Der Farbcode besteht dabei entweder aus vier, fünf oder aus sechs Ringen. Bei vier Ringen stehen die ersten beiden Ringe für die beiden Ziffern einer zweistelligen Zahl: Die Farben Schwarz, Braun, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Violett, Grau und Weiß sind den Ziffern 0 bis 9 zugeordnet. So ergeben sich alle Zahlen von 1 bis 99. Mit welchem Wert diese Zahl multipliziert werden muss, ergibt sich aus dem dritten Ring, dem Multiplikator-Ring.

Auch hier wird die oben aufgezählte Reihe von Farben vom Schwarz bis zum Weiß verwendet, ergänzt durch die Farben Silber und Gold. Silber bedeutet, dass die sich aus den ersten beiden Ringen ergebende Zahl mit dem Faktor 0,01 multipliziert werden muss, bei Gold sind es 0,1 und bei Schwarz 1, bei Braun 10 und bei Rot 100 – und so fort bis zum Faktor 1.000.000.000 beim Weiß. Der vierte Ring schließlich gibt die Toleranzklasse an, also die mögliche prozentuale Abweichung des tatsächlichen elektrischen Widerstands von den angegebenen Werten.

Ein Widerstand beispielsweise mit dem Farbcode rot – schwarz – braun – silber hat daher den Wert 200 Ohm mit einer Toleranz von zehn Prozent. Mit den vier Ringen lässt sich bereits eine große Zahl möglicher Widerstandswerte angeben. Muss die Genauigkeit jedoch noch höher sein, so werden fünf Ringe verwendet: Mit den ersten dreien lassen sich dreistellige Ziffern darstellen, der vierte Ring ist dann wieder für den Multiplikationswert zuständig und der fünfte steht wieder für die Toleranz. Schließlich gibt es noch Widerstände, die mit sechs Ringen versehen sind: Dieser sechste Ring gibt den sogenannten Temperaturkoeffizienten an, aus dem sich errechnen lässt, wie sich der Widerstand mit der Temperatur verändert.

Klar, dass für diesen Farbcode eine Norm gilt: In DIN 41429 ist detailliert geregelt, welcher Ring in welcher Farbe welche Bedeutung hat. Die Norm ist nur ein Beispiel für die technische Anwendung von Farbcodes: In der Elektronik oder am Bau wimmelt es von Festlegungen, bei denen Farben für bestimmte Funktionen stehen: Bei Kabeln in der Hausinstallation beispielsweise müssen Schutzleiter immer gelb-grün sein, Neutralleiter blau und die Strom führenden Phasen braun, schwarz oder grau. (ud)