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21.09.2011

Farbige Täuschung im Nest

Warum Kuckuckseier dem Gelege der Wirtseltern farblich sehr genau gleichen

Der Kuckuck macht sich das Leben einfach: Er legt seine Eier in fremde Nester und überlässt die Aufzucht der Jungen anderen Vogeleltern – das weiß jedes Kind. Doch Wissenschaftler haben lange nach Erklärungen gesucht, wie es ihm gelingt, die Färbung seiner Eier so perfekt an die Farbe der Eier der Wirtseltern anzugleichen, dass der Schwindel in aller Regel nicht auffliegt. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun herausgefunden, dass die Evolution der Farbe der Eier des Kuckucks wohl parallel zu der Entwicklung bei den Wirtsvögeln abgelaufen ist.

Ungeachtet des Größenunterschieds wird der Jungkuckuck von den Wirtseltern wie eigener Nachwuchs versorgt. Foto: Per H. Olsen, CC-Lizenz
Kuckuck, Foto: Per H. Olsen

Vogelkundler haben bereits in den Nestern von mehr als 125 verschiedenen Vogelarten Kuckuckseier gefunden – erfolgreich ist der Brutparasit jedoch nur bei einem Bruchteil davon: Nur etwa 15 Vogelarten gelten als Hauptwirte, bei denen es dem Kuckuck meistens gelingt, einen Nachkommen im Nest unterzubringen. Das funktioniert jedoch nur mit einigen Tricks: Die Kuckucksmutter muss zuerst ihr Ei in einem unbemerkten Augenblick ins Nest des Wirtes legen, und damit dieses dann im Gelege des Wirtes möglichst wenig auffällt, nimmt sie eines der vorhandenen Eier heraus und verspeist es. Unbemerkt bleibt das Kuckucksei jedoch vor allem wegen seiner farblichen Ähnlichkeit zu den Eiern des Wirtsvogels – von hellblau über dunkelbraun bis hin zu gesprenkelten Farbtönen sind hier je nach Wirt zahlreiche Varianten möglich.

Jedes Kuckucksweibchen hat eine bevorzugte Wirtsvogelart – in der Regel die Art, bei der es selbst aufgewachsen ist. Die Färbung des Kuckuckseis entspricht dabei sehr genau der des Wirtsvogels und ist genetisch bedingt, wie kanadische Forscher erst vor einigen Jahren zeigen konnten. Das bedeutet jedoch nicht, dass es verschiedene Unterarten des Kuckucks gibt, die sich durch die Bevorzugung von Wirtsvögeln unterscheiden. Die genetische Prägung gilt vielmehr nur für weibliche Tiere und wird nur über die mütterliche Linie vererbt.

Das Blau des Eis des Gartenrotschwanzes kann der Kuckuck ebenso imitieren wie ...
Gartenrotschwanz

Die farbliche Anpassung der Kuckuckseier an die Eier des bevorzugten Wirts wird evolutionär immer wieder nachjustiert: Je ähnlicher die Farbe ist, desto geringer ist das Risiko, dass der Schwindel auffliegt und die potenziellen Pflegeeltern das falsche Ei unsanft aus ihrem Nest befördern. Auf diese Weise haben sich im Lauf der Evolution verschiedene Abstammungslinien herausgebildet, in denen die Weibchen immer wieder dieselben Wirtsvogelarten bevorzugen. Unklar war jedoch bis heute, wie überhaupt die Wechsel in der Färbung der Eier entstehen können. Wird dabei mit verfügbaren Farbstoffen die  Eierfarbe der Wirtsvögel imitiert? Oder sind beim Kuckuck und seinen Wirtsvögeln die gleichen Farbstoffe am Werk? Diesen Fragen sind Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams um Branislav Igic von der Universität von Auckland nun nachgegangen.

... den gesprenkelten Farbton beim Neuntöter. Die größten Eier im Nest sind hier jeweils die Kuckuckseier. Fotos: Grüner Flip, freies Nutzungsrecht
Neuntöter, Foto: Grüner Flip

Die Wissenschaftler nahmen in Finnland, Ungarn und Tschechien Proben aus den Eierschalen des Kuckucks und seiner Wirtsvögel und untersuchten die chemische Zusammensetzung. Das Ergebnis: Der Brutparasit und sein Wirt benutzen beide die Farbstoffe Biliverdin und Protoporphyrin.

Die Forscher gehen daher davon aus, dass die Entwicklung der Eierfarben bei beiden evolutionär schon immer eng gekoppelt war – hat sich die Färbung der Eier des Wirtes verändert, ist auch der Brutparasit mit der Pigmentierung seiner Eier nachgefolgt. Mit dieser engen Kopplung auf einer gemeinsamen biochemischen Grundlage ist es dem Kuckuck in der Evolutionsgeschichte gelungen, sich an die sehr unterschiedliche Färbung verschiedener Wirtsvögel anzupassen. (ud)