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23.11.2011

Farbige Warnung

Warum manche Tiere mit leuchtenden Farben potenzielle Feinde abschrecken

Auffallen gehört für viele giftige Frösche zur Überlebensstrategie: Mit leuchtendem Gelb, schrillem Grün oder einem prägnanten schwarz-roten Muster setzen sie alles daran, von potenziellen Fressfeinden frühzeitig erkannt zu werden. Diese sollen davor gewarnt werden, versehentlich über die giftigen, und damit ungenießbaren Amphibien herzufallen. Solche Warnfarben gibt es jedoch nicht nur bei Fröschen, sondern bei vielen anderen giftigen Tieren wie Schlangen, Wespen, Käfern und Schmetterlingsraupen.

Wespen sind das klassische Beispiel für schwarz-gelbe Warnfarben. Foto: Jon Sullivan, public domain
Wespe. Foto: Jon Sullivan, gemeinfrei

Ungezählte Forschungsarbeiten gibt es zum Thema Farbe im Tierreich. Biologen haben untersucht, wie wirkungsvoll sich Tiere durch Tarnung vor Feinden schützen oder wie Farbe dazu beiträgt, den potenziell besten Partner zu finden. Doch das Prinzip "Auffallen durch Farbe" wurde von Wissenschaftlern bisher oft nur am Rande behandelt, haben die britischen Biologen Martin Stevens und Graeme Ruxton nun in einer umfassenden Analyse festgestellt.

Dabei gibt es viele spannende Fragen, die noch immer nicht im Detail geklärt sind, erklären die beiden Wissenschaftler. Dazu gehört etwa die Frage, warum sich in der Evolution als Warnfarben vor allem Rot, Gelb und Schwarz etabliert haben. So ist die Kombination von Schwarz und Gelb geradezu klassisch: Sie taucht auf den Hinterleibern von Bienen und Wespen ebenso auf wie auf der Haut des Feuersalamanders oder auf dem Panzer des Kartoffelkäfers. Alle diese Tiere führen giftige Sekrete mit sich, die sie für Angreifer zumindest ungenießbar, wenn nicht sogar gefährlich machen.

Rotbauchunken haben Warnfarben auf ihrer Unterseite, während ihnen die Oberseite eine gute Tarnung bietet. Foto: Christian Fischer, CC-Lizenz
Rotbauchunke, Foto: Christian Fischer

Gelbbauchunken haben zur Warnung von Fressfeinden zusätzlich noch eine markante Verhaltensweise entwickelt: Da (wie ihr Name schon sagt) nur der Bauch mit gelber Warnfarbe versehen ist, gehen die Tiere bei Gefahr ins Hohlkreuz und zeigen den potenziellen Angreifern ihre gelb-schwarze Unterseite – ein so markantes Verhalten, dass Biologen vom "Unkenreflex" sprechen. Zu beobachten ist es auch beim nahen Verwandten der Gelbbauchunke, der Rotbauchunke, die sich ebenfalls mit einem schmutzigbraunen Rücken tarnt, im Notfall jedoch eine rot-schwarze Unterseite zeigt.

Besonders extreme Farben zeigen, wie bereits erwähnt, die sogenannten Baumsteigerfrösche aus den Regenwäldern Südamerikas. Da das Hautsekret einiger Arten zur Herstellung von Giftpfeilen genutzt werden kann, werden die Lurche manchmal auch als Pfeilgiftfrösche bezeichnet. Neben schwarz-gelben Mustern sind hier auch extreme Rot- und manchmal sogar Blautöne zu finden.

Bei Baumsteigerfröschen hat die Evolution die farbstärksten Erscheinungen im ganzen Tierreich hervorgebracht, wie hier bei einem Exemplar der Art Oophaga granulifera. Foto: Patrick Gijsbers, CC-Lizenz
Frosch, Foto: Patrick Gijsbers, CC-Lizenz

Gelb, Rot und Blau: Interessanterweise sind das genau jene Farben, die auch beim Menschen häufig als Warnfarben eingesetzt werden – man denke etwa an die Warnschilder, die vor giftigen Chemikalien, vor radioaktiver Strahlung oder vor Explosionsgefahr warnen. Dass sich diese im Tierreich als die klassischen Warnfarben etabliert haben, könnte eine ganze Reihe von Gründen haben, spekulieren die beiden Biologen Stevens und Ruxton: So bilden sie gerade vor einem grünen Hintergrund, wie er in der Natur besonders häufig vorkommt, einen starken Kontrast – und das weitgehend unabhängig von der momentanen Beleuchtungssituation.

Letzteres ist besonders wichtig, da der Warneffekt ja vom frühen Morgen bis in das Abendlicht hinein und auch beispielsweise unter dem dichten Blätterdach des Regenwaldes noch zuverlässig funktionieren muss. Die Kombination von Gelb beziehungsweise Rot mit Schwarz besitzt außerdem auch in sich einen starken Kontrast, und zwar sowohl farblich als auch in Bezug auf die Helligkeit. Das Schwarz-Gelb beziehungsweise Schwarz-Rot verschwimmt auf sehr große Entfernungen zudem zu einer Einheit, die sich kaum von der Durchschnittsumgebung abhebt, was für die Träger den Vorteil hat, dass sie dann von potenziellen Räubern auch nicht mehr wahrgenommen werden können.

Welche der aufgezählten Faktoren bei der Evolution der Warnfarben tatsächlich mitgespielt hat, das freilich ist bisher nur Spekulation und müsste in weiteren Studien geklärt werden, erklären die britischen Wissenschaftler. Sicher ist: Der Einsatz von Warnfarben ist ein effektives Konzept, da er sich im Lauf der Evolutionsgeschichte über viele Arten hinweg entwickelt hat. (ud)