02.06.2010

Farbige Zeichen der Solidarität

Mit Schleifen am Revers bekunden Millionen Menschen auf der Welt diskret aber bestimmt ihre Meinung

Wer eine Schleife am Revers trägt, bekundet Solidarität – mit wem, das kommt auf ganz die Farbe an. Jeder Farbton hat eine eigene Bedeutung: Es gibt rosa Schleifen, rote und gelbe, grüne und blaue, schwarze und weiße. So betrachtet, bleiben nicht mehr viele Farben übrig, die – in Form einer Schleife getragen – keine Bedeutung haben. Doch welche Statements geben Schleifenträger mit ihren kleinen Symbolen ab?

Die rote Schleife ist das am weitesten verbreitete Symbol, das am Revers getragen wird. Foto: see-R`, Photocase.com
Foto: see-R`, Photocase.com

Das weltweit sicherlich bekannteste Schleifensymbol ist die rote Schleife: Wer es trägt, will damit seine Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken kundtun. Das Symbol geht auf eine amerikanische Künstlerinitiative zurück, die es sich zum Ziel gesetzt hat, von der Krankheit betroffene Künstler zu unterstützen. Ihrem Mitgefühl wollten die Initiatoren mit der roten Schleife Ausdruck verleihen. In einem Meeting im Jahr 1991 hatte sich ein Ausschuss dieser Initiative "Visual AIDS" auf dieses Symbol geeinigt, das schnell auch außerhalb der Künstlerszene und in vielen Ländern Verbreitung fand.

Die Farbe Rot sei damals ausgewählt worden wegen ihrer Verbindung zum Blut und zum Leiden, aber auch zur Liebe, erklärten die Initiatoren später. Die erste massenhafte Kundgebung der Solidarität in Verbindung mit diesem Zeichen fand am Ostermontag des Jahres 1992 statt: Bei einem Konzert zu Ehren des im Jahr zuvor an Aids gestorbenen Leadsängers der Band "Queen", Freddie Mercury, trugen mehr als 100.000 Menschen dieses Zeichen. Auch viele Prominente, darunter Lady Diana, verliehen in den folgenden Jahren mit dem Symbol ihrer Solidarität mit Betroffenen Ausdruck. Der weltweite Erfolg des Zeichens überraschte selbst die Initiatoren: "Wir konnten es nicht glauben, dass es eine so weite Verbreitung fand", erklärt der Aktivist Allan Frame in einem Bericht der Hilfsorganisation UNAIDS.

In Europa weniger bekannt als in den USA ist die rosa Schleife: Propagiert wurde sie seit 1990 von einer Stiftung als Zeichen der Solidarität mit Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Diese "Susan G. Komen for the Cure" oder einfach kurz "Komen" genannte Organisation war von der Amerikanerin Nancy Goodman Brinker gegründet worden, nachdem deren ältere Schwester Susan Komen 1980 im Alter von nur 36 Jahren an Brustkrebs gestorben war. Seit der ersten Verteilung von rosa Schleifen vor zwei Jahrzehnten hat auch dieses Zeichen eine weite Verbreitung gefunden und wird von mehreren Organisationen und Stiftungen in den USA, aber auch in Europa genutzt.

Die gelbe Schleife tauchte in Deutschland erst jüngst in den Medien auf: Immer mehr Menschen demonstrieren damit ihre Solidarität mit den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Die Aktion geht auf die Oldenburgerin Monica Melloh zurück, deren Sohn als Soldat am Hindukusch eingesetzt war. Im Radio hörte sie den 1970er-Jahre-Hit "Tie a yellow ribbon round the old oak tree" ("Binde eine gelbe Schleife um die alte Eiche"), der die in den USA seit langem bekannte Saga eines amerikanischen Bürgerkriegssoldaten erzählt, der seiner Frau schrieb, sie solle ein gelbes Stoffstück in den Baum binden, wenn sie ihn noch liebe. Als er dann aus Schlacht und Gefangenschaft nach Hause zurückkehrt, findet er tatsächlich das gelbe Tuch im Baum.

Das Symbol des gelben Stoffs wird von vielen Amerikanern seit langem genutzt, um die Verbundenheit mit einem fernen Menschen zu zeigen. Während des Golfkriegs 1991 trugen viele US-Bürger gelbe Schleifen, um ihre Solidarität mit den Soldaten im Irak auszudrücken. Diese Tradition hat Monica Melloh nun aufgegriffen: Seit 2007 verkauft sie gelbe Stoffschleifen als Zeichen der Solidarität mit den deutschen Soldaten in Afghanistan – ein Zeichen, dass sie wohlgemerkt nicht als politisches Statement verstanden wissen will.

Die Mitte und Ende der 1990er-Jahre weit verbreitete blaue Schleife ist hingegen heute kaum mehr bekannt: Sie war damals, in den Jugendzeiten des Internets, auf Tausenden Internetseiten zu sehen. Mit dem Heranwachsen dieses Mediums kamen zu der Zeit in vielen Ländern Bestrebungen auf, die Inhalte staatlicherseits zu kontrollieren und zu überwachen. Die amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) stellte sich dem entgegen und schuf als Symbol des Widerstands die blaue Schleife. Das Thema Meinungsfreiheit, Kontrolle und Zensur im Internet ist bis heute in vielen Ländern zwar noch immer aktuell – dennoch ist die blaue Schleife längst ein Relikt aus der digitalen Vergangenheit.

Einen ganz konkreten Anlass hatte die schwarze Schleife, die vor allem in Spanien getragen wurde: Sie soll als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge in Madrid am 11. März 2004 dienen. In Deutschland wird heute das Tragen grüner und weißer Schleifen propagiert: Die grüne Schleife soll den Protest gegen den Abbau von Sozialleistungen und Verarmung in Deutschland symbolisieren, die weiße Schleife hingegen wirbt für Toleranz und Zivilcourage. (ud)