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21.01.2010

Farbiges Licht bringt Geschmacksempfinden in Stimmung

Das Auge isst nicht nur mit, es trinkt auch mit. Foto: Gortincoiel, Photocase.com
Foto: Gortincoiel, Photocase.com

Weißwein schmeckt unter roter oder blauer Beleuchtung am besten

Ein gutes Glas Wein, dazu Musik und schummriges Kerzenlicht: So sieht für manche Menschen der perfekte Ausklang eines Tages aus. Zumindest was das Kerzenlicht und den Wein angeht, scheint diese Kombination in der Tat besonders günstig zu sein, sagen deutsche Psychologen. Denn einen Weißwein genießt man am besten bei roter oder blauer Hintergrundbeleuchtung, dann schmeckt er nämlich besser, fanden sie in Tests mit Freiwilligen heraus. Grünliches und weißes Licht erwiesen sich hingegen als kontraproduktiv. Das Geschmackserlebnis entsteht im Kopf und daher haben auch das Ambiente und dessen Farbe einen großen Einfluss, erklären die Wissenschaftler den Zusammenhang.

Jeder, der schon einmal eine Berliner Weiße mit Schuss bestellt hat und dem daraufhin Bier statt in goldgelben Farbe in waldmeistergrün oder bonbonrot serviert wurde, weiß, dass die Farbe eines Getränks auch das Geschmacksempfinden beeinflusst. Das Auge isst nicht nur mit, es trinkt auch mit. Doch dieser Effekt reicht viel weiter als nur bis zur Farbe des Getränks selbst, sondern betrifft auch das Ambiente, in dem getrunken wird, konnten die Wissenschaftler der Universitäten in Mainz und Tübingen nun in drei Experimenten zeigen.

Im ersten Test hatten die 150 Freiwilligen die dankbare Aufgabe, ein Weingut in Oestrich-Winkel im Rheingau zu besuchen. Ehe es an die Verkostung ging, hatten die Probanden noch einen Fragebogen auszufüllen, in dem ihre önologischen Vorkenntnisse abgefragt wurden. Das Spektrum reichte dabei vom absoluten Laien bis hin zum – zumindest der eigenen Einschätzung nach – ausgewiesenen Weinkenner. Dann ging es zur Tat: Die Probanden hatten die Qualität des kredenzten Rieslings zu beurteilen, während der fensterlose Raum mit rötlichem, blauem, grünen oder weißen Licht illuminiert wurde. Die Gruppen der Tester wurden dabei so durch den Raum geschleust, dass jeder nur eine der Beleuchtungsvarianten mitbekam.

Die Probanden hatten daraufhin einen Fragenbogen auszufüllen, in dem sie Kriterien wie Fruchtigkeit, Süße, Bitterkeit oder Würzigkeit des Tropfens zu beurteilen hatten. Auch hatten sie anzugeben, wie viel sie für eine 0,75-Liter-Flasche dieses Weines auszugeben bereit wären. Das Ergebnis: Bei roter und blauer Hintergrundbeleuchtung schnitten die Weine auf einer zehnteiligen Skala im Schnitt um etwa 25 Prozent besser ab. Auch waren die Probanden bereit, für den identischen Wein bei rotem Hintergrundlicht über einen Euro mehr zu bezahlen als bei weißem oder grünem Licht.

Im zweiten Experiment fand im Labor und damit im deutlich weniger romantischen Ambiente statt. Die 135 Probanden hatten wieder die Qualität zweier Riesling-Weine zu beurteilen. Hier zeigte sich, dass das wechselnde Hintergrundlicht zwar das Geschmacksempfinden, nicht jedoch das Geruchsempfinden und die Beurteilung der Gesamtqualität beeinflusste. Im dritten Experiment schließlich verfeinerten die Wissenschaftler den Versuchsablauf und ließen die Probanden immer zwei Tropfen unmittelbar hintereinander beurteilen. Hier ergab sich wieder ein deutlicher Zusammenhang zwischen Geschmack und Farbe: So ließ Rotlicht die Weine fruchtiger und süßer schmecken als blaues Licht.

Wie genau das farbige Licht das Geschmacksempfinden beeinflusst, lasse sich damit erklären, dass bei dem als angenehm empfundenen Licht auch der Wein angenehmer schmecken würde, sagen die Forscher. Doch möglicherweise könnten noch andere Effekte zu den Resultaten beitragen – welche das sind, dass müssten jedoch erst weitere Experimente zeigen. Festgestellt werden kann allerdings bereits: Farbdesigner könnten bei der Gestaltung von Restaurants oder Bars mit der Auswahl der richtigen Farbe durchaus einen Einfluss auf den künftigen Umsatz nehmen. (ud)

Weitere Informationen:
Zusammenfassung der Originalarbeit der Forscher