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14.06.2006

Farbordnung mit Gefühl

Der amerikanische Maler Albert H. Munsell schuf das erste auf menschlicher Wahrnehmung beruhende Farbsystem

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte der amerikanische Künstler Albert H. Munsell sein Modell zur Ordnung der Farben. Das Munsell-Farbsystem ist das erste Farbmodell, das auf der menschlichen Wahrnehmung basiert und aus psychovisuellen Experimenten abgeleitet wurde. Es war eine der Grundlagen für die ersten international akzeptierten Farbnormen und ist bis heute eines der am häufigsten genutzten Farbsysteme – vor allem im nordamerikanischen Raum. Es gilt zudem als Wegbereiter für viele modernere Modelle wie etwa das DIN- oder CIE-System.

Das Munsell-Farbsystem ist wie viele andere Farbsysteme auf der Grundlage der drei Koordinaten Farb- beziehungsweise Buntton (hue), Helligkeit (value) und Sättigung (chroma) aufgebaut. Diese Modelle orientieren sich jedoch nicht an der Wahrnehmung: Werden die Zahlenwerte der Farbkoordinaten rein mathematisch in gleichen Schritten verändert, nimmt der Betrachter die daraus resultierenden Farbveränderungen keineswegs immer als gleichmäßig wahr. Diesen Mangel der rein wissenschaftlich – auf theoretischen Parametern aufgebauten – Modelle wollte Munsell mit seinem System beheben.

 

Der am 6. Januar 1858 in Boston geborene Künstler beschäftigte sich seit 1898 mit Farben und veröffentlichte im Jahr 1905 sein erstes Buch mit dem Titel "A Color Notation". 1915 folgte sein "Atlas of the Munsell Color System", in welchem Farbproben der Hauptfarben mit unterschiedlichen Sättigungs- und Helligkeitsgraden zu finden sind – der Kern seines Farbkörpers.

 

Die Ordnung der Farben in Munsells System beruht darauf, dass die Abstände der einzelnen Farben als gleich empfunden werden und nicht auf rein physikalischen Einteilungsschritten. Munsell definierte seinen Farbkreis auf der Grundlage der folgenden fünf – empfindungsgemäß im gleichen Abstand stehenden – Farben: Rot (R), Gelb (Y), Grün (G), Blau (B) und Purpur (P). Diesen Kreis aus Hauptfarben unterteilte er weiter, sodass schließlich ein vierzigteiliger Farbkreis entstand, in dem jede einzelne Farbnuance in gleichem Abstand zur nächsten empfunden wird.

Munsells Farbsystem basiert wie viele andere Farbordnungen auf den drei Koordinaten Farbton, Helligkeit und Sättigung.
Munsells Farbsystem basiert wie viele andere Farbordnungen auf den drei Koordinaten Farbton, Helligkeit und Sättigung.

Aufbauend auf diesem Farbkreis fügte der Maler die beiden anderen Parameter Helligkeit und Sättigung klassisch in das System: Die zentrale Achse des Modells ist eine Unbuntachse, in der die Grautöne ebenso empfindungsgemäß in gleichem Abstand zueinander angeordnet sind wie alle anderen Farben. Die Bunttöne werden auf einer Skala von 0 bis 10 zur Spitze hin immer heller bis zum farblosen Weiß, nach unten immer dunkler bis zu schwarz und verlieren sich zum Innern des Körpers in Grau.

 

Da die Farbordnung im Munsell-Farbkörper auf der menschlichen Wahrnehmung beruht, ist er nicht symmetrisch, sondern ungleichmäßig. Die Sättigung ist nicht bei allen Farbtönen gleich verteilt: Gelb zum Beispiel wird als helle Farbe empfunden, deren Nuancen sensibler wahrgenommen werden. Daher tauchen im zum Weiß gehenden oberen Teil des Farbkörpers mehr gelbe Farbabstufungen zwischen Grauachse und maximaler Sättigung auf als in der dunkleren unteren Hälfte. Bei dem eher als dunkel wahrgenommenen Blau verhält es sich hingegen genau umgekehrt: Hier sind im zum Schwarz reichenden unteren Teil des Farbkörpers mehr Abstufungen in der Sättigung zu finden als im hellen oberen Bereich.

 

Die konkrete Benennung einer Farbe im Munsell-System setzt sich aus den Bezeichnungen für Buntton (H), Helligkeit (V) und Sättigung (C) zusammen: H V/C. So wird etwa ein kräftiges Rot des Bunttons 5R mit einer Helligkeit von 6 und einer Sättigung von 14 mit dem vollständigen Code 5R 6/14 definiert. Zum praktischen Vergleich – etwa mit Oberflächenfarben – dient schließlich der Farbatlas, in dem sämtliche Farben übersichtlich angeordnet und mit den genauen Kennungen versehen sind.