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03.12.2003

Farbsysteme bringen Ordnung in die Vielfalt der Farben

Systeme reichen vom einfachen Farbenkreis bis zur ausgeklügelten dreidimensionalen Ordnung

Der Farbenkreis ist das einfachste aller Farbsysteme: Er entsteht, wenn Menschen die Farben des Spektrums nach ihrer Ähnlichkeit sortieren sollen. Bei Rot am einen und Violett am anderen Ende des Spektrums treffen die beiden Enden des sichtbaren Bereichs wieder zusammen. Die ungeheure Vielfalt der Farben lässt sich jedoch nur in dreidimensionalen Farbsystemen darstellen. Mehr als siebzig solcher Systeme sind heute bekannt.

Der Farbkreis ist das grundlegendste aller Farbsysteme: Das obere und untere Ende des sichtbaren Spektrums schließen sich bei Rot und Violett zu einem Kreis.
Farbkreis

Das in der menschlichen Wahrnehmung als weiß empfundene Sonnenlicht besteht in Wirklichkeit aus vielen einzelnen Farben. Sichtbar werden diese beim Durchgang durch ein Prisma, welches das weiße Licht in seine Spektralfarben zerlegt: Sie gehen von Rot über Orange, Gelb, Grün und Blau bis zum Violett kontinuierlich ineinander über. Jenseits von Rot und Violett gibt es für das menschliche Auge unsichtbare Lichtwellen: Infrarot und Ultraviolett.

Wenn farbtüchtige Versuchspersonen die Farben dieses physikalischen Spektrums nach ihrer Ähnlichkeit sortieren sollen, so ordnen diese nahezu immer alle Farben in einem kontinuierlichen Farbenkreis an. Die beiden Enden des Spektrums – Rot und Violett – ähneln sich und werden daher nebeneinander sortiert. Dass die Töne immer auf diese Weise angeordnet werden, ist auf die drei Typen von Lichtrezeptoren in der Netzhaut des menschlichen Auges zurückzuführen und auf die Art und Weise, in der diese Licht verschiedener Farben registrieren. Das auf Rot reagierende Molekül reagiert auch ein wenig auf Blau, weshalb sich die Farben an den beiden Enden des sichtbaren Spektrums zu einem Kreis zusammenschließen.

Doch ein simpler Farbenkreis reicht lange nicht aus, um die ungeheure Vielfalt aller Farben darzustellen, da lediglich die hochgesättigten, kräftigen Töne der Spektralfarben in ihm vorkommen. So fehlen beispielsweise Braun- oder Pastelltöne. Diese ins Helle oder ins Dunkle abweichenden Farbnuancen können erreicht werden, indem Sättigung und Helligkeit der Grundtöne variiert werden. Wird also der Farbenkreis ins Dreidimensionale ergänzt, indem die einzelnen Farben kontinuierlich heller, dunkler beziehungsweise weniger kräftig, also grauer werden, entsteht ein weit komplexeres System. Eine solche systematische Ordnung von Farben nach ihrer Ähnlichkeit heißt auch Farbsystem.

Die von Philipp Otto Runge Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte Farbenkugel zum Beispiel ist ein solches dreidimensionales System. Die Spektralfarben sind auf dem Äquator der Kugel angeordnet. Nach oben Richtung Nordpol werden die Farbtöne immer heller bis zum Weiß, nach unten zum Südpol immer dunkler bis zum Schwarz. Zum Mittelpunkt der Kugel nimmt die Sättigung der Farben ab, so dass auf der Erdachse die Grautöne von Schwarz nach Weiß angeordnet sind.

Diese geordnete Sammlung von Farben entsteht entweder durch subjektive Beurteilung und Sortierung von Farben oder durch Verwendung objektiver Methoden. Außerdem kann unterschieden werden zwischen Farbsystemen, die nach den Kriterien subtraktiver Farbmischung aufgebaut wurden, und solchen, die nach additiver Farbmischung konzipiert wurden. Die meisten historischen Systeme sind subtraktiver Natur. Das heißt, die Farben wurden durch Mischung und Sortierung von Pigmenten kreiert. Dabei ist der Unterschied zwischen primären Grundfarben und sekundären Farben zu beachten, die aus den primären mischbar sind. Bei additiver Farbmischung werden dagegen die Spektren einzelner Farben addiert, um andere Farbtöne hervorzubringen.

Bis heute sind mehr als siebzig verschiedene Farbsysteme bekannt. Alle bringen eine Ordnung in die Vielfalt der Farben, damit zum Beispiel verwendete Farben leicht wiedergefunden, Mischungsverhältnisse direkt rekonstruiert oder auch Farben katalogisiert werden können. Gerade die Modelle des vergangenen Jahrhunderts sind oft eher technischer Natur und in der Industrie praktisch einsetzbar. Manche erklären aber auch farbpsychologische Aspekte. Farbsysteme stellen immer einen Vergleichskatalog für Farben dar, in dem Farben in Farbton, Sättigung und Helligkeit verglichen und eingeordnet werden können.