04.03.2009

Frühlingsbote in Schwarz

Die Züchtung schwarzer Tulpen galt lange Zeit als unmöglich – doch mittlerweile können Blumenfreunde zwischen mehreren annähernd schwarzen Sorten wählen

Tulpen sind etwas Besonderes. Zwar käme niemand auf die Idee, ihnen den Titel "Königin unter den Blumen" zu verleihen – diese Auszeichnung ist für Rosen und Orchideen reserviert. Aber dennoch beflügeln Tulpen seit ihrer Einführung in Holland vor rund 450 Jahren die Fantasie von Künstlern und Geschäftsleuten gleichermaßen. Ein besonderes Objekt der Begierde waren für lange Zeit die schwer zu züchtenden schwarzen Farbvarianten.

Richtig schwarz sind auch als schwarz bezeichnete Tulpen nicht: Sie schimmern meist in mehr oder weniger dunklen Purpurtönen. Foto: glitzerfee, Photocase.de

Um die Einführung der Tulpe in Mitteleuropa ranken sich viele Legenden. Eine davon berichtet von einem niederländischen Tuchhändler im 16. Jahrhundert, der zwischen Stoffballen aus der Türkei einige versehentlich dorthin geratene Tulpenzwiebeln fand. In der Hoffnung auf eine kulinarische Entdeckung ließ er sich einige der Zwiebeln braten, fand deren Geschmack aber so widerwärtig, dass er alle Zwiebeln auf den Misthaufen warf. Dort wurden die blühenden Tulpen dann der Legende nach von einem Botaniker entdeckt.

Nicht ins Reich der Legenden gehört dagegen der Börsencrash in den Niederlanden, der im 17. Jahrhundert durch die Spekulation mit Tulpenzwiebeln ausgelöst wurde. Weil die Nachfrage nach den erst kurz zuvor in Holland eingeführten Tulpen wesentlich größer war als das Angebot, schossen die Preise für die Blumenzwiebeln in kürzester Zeit in die Höhe. Eine einzige Zwiebel der damals begehrtesten Sorte "Semper Augustus", einer heute nicht mehr erhältlichen rot-weißen Varietät, wurde teilweise für mehr als 10.000 Gulden gehandelt. Dem rasanten Höhenflug folgte allerdings ein ebenso jähes Ende: Als sich die Händler plötzlich weigerten, die teuren Tulpen zu kaufen, blieben viele Spekulanten auf ihren Zwiebeln sitzen und die Spekulationsblase platzte.

Tulpen beflügelten aber weiterhin die Fantasie. Der berühmte Schriftsteller Alexandre Dumas etwa, der unter anderem den "Graf von Monte Christo" verfasste, widmete einer besonderen Tulpe einen ganzen Roman: In seinem 1850 veröffentlichten Buch "Die schwarze Tulpe" beschreibt er die Jagd nach einer schwarzen Zuchtform der Tulpen. Ähnlich wie die blaue Rose symbolisierte die schwarze Tulpe lange Zeit das Unerreichbare.

1895 verkündete der niederländische Tulpenzüchter Jan Jacob Grullemans aber dann, dass ihm das unmöglich Scheinende gelungen sei – die Züchtung einer schwarzen Tulpe. Stolz nannte er die neue Sorte "Queen of Night", Königin der Nacht. Tatsächlich wirkt die "Queen of Night" unter richtigen Lichtverhältnissen beinahe schwarz. Bei genauer Betrachtung sind die Blütenblätter aber keineswegs nachtschwarz, sondern schimmern in tiefdunklen Purpurtönen.

Seitdem sind noch etliche weitere Tulpensorten entstanden, die mehr oder weniger schwarz aussehen. Die Sehnsucht nach einer wirklich tiefschwarzen Tulpe bewegt die Züchter aber bis heute. 1986 etwa verkündeten holländische Blumenexperten, ihnen sei endlich die Zucht einer wirklich schwarzen Tulpe gelungen. Die Züchter behaupteten, dazu die beiden Sorten "Queen of Night" und "Wienerwald" miteinander gekreuzt zu haben. Auf die öffentliche Präsentation dieser mysteriösen neuen Sorte warten Blumenfreunde allerdings bis heute. (zen)