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22.11.2006

Gelb: eine zwiespältige Farbe

Vom Symbol des Glücks und der Harmonie bis zur Farbe der Geächteten hat der goldene Ton viele Bedeutungen

Ein warmes sonniges Gelb wie das des Löwenzahns und der Sonnenblume ruft positive Assoziationen wie Optimismus und Energie hervor. Gleichzeitig ist Gelb aber historisch auch die Farbe der Geächteten und Verräter, und sie wird mit Neid, Egoismus und Geiz in Verbindung gebracht. Welche Bedeutung die Farbe Gelb im jeweiligen Zusammenhang bekommt, hängt zum einen von kulturellen Unterschieden ab. Zum anderen wird die Farbwirkung aber auch von der Qualität des Gelbes beeinflusst: Schon ein leichter Grauschleier lässt Gelb schmutzig erscheinen.

Wie keine eine andere Blume steht die Sonnenblume für die positiven Eigenschaften der Farbe Gelb: Heiterkeit, Sonne und Wärme. Foto: PhotoCase.com
Wie keine eine andere Blume steht die Sonnenblume für die positiven Eigenschaften der Farbe Gelb: Heiterkeit, Sonne und Wärme. Foto: PhotoCase.com

In seiner reinen, unverschmutzten Form erinnert warmes Gelb vor allem an die Sonne und deren Licht. Wer ein sonniges Gemüt hat, ist voll von Optimismus und Lebensfreude, und so werden auch diese Eigenschaften mit der Farbe Gelb in Verbindung gebracht. Zusammen mit Rot oder Orange vermittelt Gelb den Eindruck von Aktivität und Energie.

 

In der chinesischen Lehre des Feng Shui steht es für das Element Erde, bedeutet wegen seiner Verbindung mit der Sonne aber auch Helligkeit und Langlebigkeit. Im weiteren Sinne wird es mit Geduld, Nachsicht, Weisheit und Toleranz in Verbindung gebracht. In der Gestaltung von Räumen eignet Gelb sich besonders für Arbeits- und Wohnzimmer, weil es den Geist anregt und inspirierend wirkt.

 

In China und weiten Teilen Asiens steht Gelb für Glückseligkeit, Harmonie, Ruhm, Weisheit und höchste Kultur. Gelb spielt im Leben der Chinesen als Leben spendende Naturkraft eine Rolle: Der gelbe Lössstaub aus der Wüste Gobi, der regelmäßig weite Teile Nordchinas überzieht, ist extrem fruchtbar. Auch der Gelbe Fluss führt einen hohen Anteil an gelbem Lössschlamm mit sich, der sich am Flussufer in fruchtbaren Ablagerungen von bis zu zweihundert Metern Dicke ansammelt.

 

So ist es nicht erstaunlich, dass die Farbe Gelb im alten China die Hoheitsfarbe des Kaisers war. Nur der Kaiser und buddhistische Mönche durften safrangelbe Kleider tragen. In der chinesischen Philosophie des Yin und Yang, der sich ergänzenden Gegensätze, ist das männliche Yang gelb. Es steht für Kraft und das aktive, schöpferische Prinzip. Gelb ist in China – dem Reich der Mitte – auch die Farbe der Mitte, der fünften Himmelsrichtung. Wo Gelb mit so vielen guten Eigenschaften versehen ist, wertet es selbst Gold auf: Gold allein ist das Symbol des Reichtums, doch gelbes Gold steht für Treue und Unbestechlichkeit.

 

Umgekehrt verhält es sich in westlichen Kulturen. Gutes Gelb ist golden, wie beispielsweise das Gelb der Sonne oder reifer Ähren. Statt von gelben Blättern spricht man vom goldenen Laub des goldenen Herbstes. Dank der Assoziation mit der Ernte des Korns und den goldgelben Farben des Herbstes steht die Farbe Gelb auch für die Reife.

Gelb hat von Alters her auch eine wichtige Bedeutung als Warnfarbe. Foto: PhotoCase.com
Gelb hat von Alters her auch eine wichtige Bedeutung als Warnfarbe. Foto: PhotoCase.com

Trotzdem wurde Gelb im Mittelalter zur Farbe der Geächteten. In Leipzig wurden Prostituierten im Jahr 1506 kurze gelbe Umhänge vorgeschrieben, und in Hamburg mussten "wandelbare Vrouwen" bereits ab 1445 ein gelbes Kopftuch tragen. Auch Frauen mit unehelichen Kindern mussten ihre Schande durch gelbe Kleidung zur Schau tragen. Henkersknechte, Söldner und Andersgläubige hatten sich ebenfalls mit Gelb zu kennzeichnen, und wo Geächtete wohnten, strich man die Türen gelb.

 

Besonders die Juden hatten unter Diskriminierung durch die Farbe Gelb zu leiden. Da Gelb weder in der jüdischen noch in der christlichen Kirche als liturgische Farbe erlaubt ist, eignete es sich gut zur Kennzeichnung der Andersgläubigen: Es zog die eigene Religion nicht in den Schmutz und wertete die jüdische Religion nicht auf. Bereits seit dem 12. Jahrhundert mussten Juden einen auffälligen gelben Hut tragen, der spitz und hoch aufragte. Außerdem hatten sie große gelbe Ringe auf ihre Kleider aufzunähen. Auch im Dritten Reich erlebten Juden Diskriminierung durch die Farbe Gelb – die Nationalsozialisten zwangen sie, einen gelben Davidsstern zu tragen.

 

Neben seiner religiösen Neutralität eignete sich Gelb auch deshalb als Farbe der Diskriminierung, weil es sich als helle Signalfarbe schwer verstecken lässt. Außerdem war es als Kleiderfarbe grundsätzlich nicht beliebt, weil das Färben mit dem kräftigen Safran zu teuer war,und alle anderen gelben Farben schnell ausblichen. Verschmutztes und fades Gelb lässt denjenigen, der es trägt, blass und krank aussehen, und war aus diesem Grund keine gängige Kleiderfarbe.

 

Die optimale Fernwirkung der Farbe Gelb, vor allem in Verbindung mit Schwarz, hat sie zur Standardfarbe für amerikanische Schulbusse, Verkehrsschilder und Warnaufkleber im Labor gemacht. Auch im Tierreich ist Gelb als Warnfarbe verbreitet, der Feuersalamander beispielsweise warnt mit gelben Flecken vor seinem Gift.

 

In Europa warnte Gelb bereits seit dem Mittelalter vor Gefahr: Wenn in einer Stadt die Pest ausgebrochen war, wurde eine gelbe Flagge gezeigt. Noch heute hisst man auf einem Schiff die gelbe Flagge, wenn an Bord eine ansteckende Krankheit ausgebrochen ist. Die Flagge steht im Flaggenalphabet für den Buchstaben Q, was in dem Fall Quarantäne bedeutet.

 

Gelb galt auch als die Farbe der Galle – Galle und Gelb gehören sogar zur gleichen Wortfamilie. Nach altem Glauben sitzt der Ärger in der Galle, und wer sich zuviel ärgert, bekommt gelbe Haut, weil die Gallenwege sich verkrampfen und die Galle dann nicht mehr über den Darm abgeführt werden kann. Aus diesem Grund werden noch heute negative Emotionen wie Ärger, Geiz, Eifersucht, Neid und Egoismus mit der Farbe Gelb in Verbindung gebracht.

 

Trotz dieser "Altlasten" erfreut sich Gelb heutzutage einer gewissen Popularität, und das nicht erst seit Jan Ullrich im Gelben Trikot die Tour de France gewann: Marken wie der Gelbe Sack, die Gelben Seiten oder das gelbe Signet der Post zeugen davon.