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25.09.2013

Gelber Alleskönner

Wissenschaftler entdecken immer mehr Heileffekte des Curry-Farbstoffs Curcumin

Wer die indische Küche liebt, kennt die Gelbwurzel: Sie wird als Gewürz in vielen asiatischen Gerichten verwendet und verleiht nicht zuletzt dem Currypulver seine typische Farbe. Doch der in der Gelbwurzel enthaltene Farbstoff Curcumin kann noch viel mehr: Wissenschaftler entdecken immer mehr heilende Effekte der Substanz. So könnte das Curcumin nicht nur entzündungshemmend und gegen Krebs wirken, sondern auch gegen die Leberkrankheit Hepatitis C, fanden Forscher aus Hannover nun heraus.

Zu feinem Pulver geriebene Gelbwurzel ist ein wichtiger Bestandteil der indischen Küche – und auch eine Zutat des Currypulvers, das in der westlichen Küche verwendet wird. Foto: Elke Wetzig, CC-Lizenz
Curcumin, Foto: Elke Wetzig, CC-Lizenz

In den vergangenen zehn Jahren haben Forscher eine Fülle positiver Wirkungen des Curcumins entdeckt: So zeigten amerikanische Wissenschaftler, dass der Farbstoff bei Brustkrebs die Ausbreitung von Metastasen bremsen kann. Weitere Studien zeigten eine schützende Wirkung des Curcumins gegen Darmpolypen und damit gegen Darmkrebs. Andere Untersuchungen fanden eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung des Farbstoffs bei Patienten mit Arthrose im Knie. Auch zeigte sich ein positiver Effekt, der zur Vorbeugung von Prostatakrebs, von Alzheimer sowie von Hautkrebs beiträgt.  

Zu dieser Reihe möglicher Anwendungsgebiete ist nun eine weitere hinzugekommen: "In meiner Heimat essen die Menschen Gelbwurzel, wenn sie Leberbeschwerden haben", erklärt der aus Indonesien stammende Wissenschaftler Angga Kusuma vom Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover. "Das hat uns dazu angeregt, nach der Wirkung des Curcumins auf ein leberspezifisches Virus zu schauen."

Der Erfolg blieb nicht aus: In Zellkulturen verhinderte der gelbe Farbstoff das Eindringen von Hepatitis-C-Viren in die Leberzellen. Chronische Infektionen der Leber mit diesem Erreger sind inzwischen die häufigste Ursache für Lebertransplantationen. Die Schwierigkeit nach der Transplantation ist jedoch, dass die eingesetzte gesunde Leber schnell wieder von dem Virus befallen werden kann. Ebendies konnte – zumindest bei den Versuchen im Labor – das Curcumin verhindern.

Die Currywurst als Heilmittel? Weit gefehlt, denn die in Gewürzen enthaltene Menge an Curcumin ist zu gering, als dass eine merkliche medizinische Wirkung zu erwarten wäre. Foto: Rainer Z. CC-Lizenz
Currywurst, Foto: Rainer Z. , CC-Lizenz

Sollten also Transplantationspatienten möglichst viel Curry essen? "Die Ergebnisse machen natürlich Mut", meint Eike Steinmann, einer der beteiligten Wissenschaftler. Doch die Anwendung von Curcumin als Medikament hat einen Haken: Die sogenannte Bioverfügbarkeit des Farbstoffs ist sehr gering. Das heißt, er wird im Organismus sehr schnell abgebaut und kann daher im Körper nur sehr kurze Zeit seine Wirkung entfalten. Die Forscher suchen daher nach künstlich hergestellten abgewandelten Formen, deren Verweildauer im Körper höher ist.

Ähnliche Schwierigkeiten mit einer zu geringen Bioverfügbarkeit hatten sich bereits aus den früheren Studien zur Wirksamkeit von Curcumin ergeben: So ist beispielsweise die mit gewürzten Speisen aufgenommene Menge an Curcumin für eine vorbeugende Wirkung bei Darmkrebs viel zu gering. Der Farbstoff müsste daher in sehr hohen Dosen als medizinisches Präparat verabreicht werden. Verschiedene Forschergruppen arbeiten an solchen Medikamenten und hoffen so, das große Potenzial des Mittels erschließen zu können. Bisher gibt es jedoch nur wenige abgeschlossene, wissenschaftlich fundierte Studien, bei denen solche Präparate im klinischen Alltag an Patienten erprobt wurden.  (ud)