15.02.2012

Gestreifte Fliegenabwehr

Forscher wollen das Rätsel der Streifen beim Zebra nun gelöst haben

Es ist eine geradezu klassische Frage der Biologie: Warum haben Zebras Streifen? Die Erklärungen, die dazu im Umlauf sind, muten teilweise abenteuerlich an. Ungarische Forscher glauben nun, den experimentellen Nachweis gefunden zu haben, der eine der mehreren bekannten Hypothesen belegt: Die Streifen schrecken blutsaugende Insekten ab, beobachteten die Forscher bei Tests mit Zebra-Attrappen.

Steppenzebra, Foto: Svdmolen, CC-Lizenz
Streifen sind im Tierreich nichts Ungewöhnliches: Aber so kontrastreich wie beim Zebra sind sie selten. Foto: Svdmolen, CC-Lizenz

Für ihre Studie sind die Wissenschaftler nicht etwa in die afrikanische Savanne gereist, sondern nur auf einen Hof in der Nähe von Budapest. Dort gibt es zwar weder Zebras noch Tsetsefliegen – jene gefürchteten afrikanischen Blutsauger, die beim Menschen die Schlafkrankheit und bei Großtieren die Nagana-Seuche übertragen können. Doch leben dort Pferde und in deren Gefolge Bremsen, die  – obwohl nicht nahe verwandt mit ihren afrikanischen Pendants – so doch als Anschauungsobjekte dienen können.

Bereits bekannt war, dass Bremsen linear polarisiertes Licht erkennen können, wie es beispielsweise von sonnenbeschienenen Wasserflächen ausgeht. Die Lichtwellen schwingen hier geordnet in einer Ebene. Die Bremsen nutzen diese Wahrnehmungsfähigkeit, um Wasser zu finden, das sie unter anderem zur Eiablage benötigen. Doch auch bei der Suche nach potenziellen Futterquellen hilft den Insekten diese Fähigkeit. Und genau hier kommt die Fellfarbe ins Spiel, die auch die Polarisation des Lichts beeinflusst.

Für ihre Studie bastelten die Forscher Tierattrappen von der Form eines Pferdes, die sie mit verschiedenen Fellfarben belegten. Bestrichen wurden die künstlichen Felle mit einem klebrigen Öl, an dem die im Umfeld des Pferdehofs reichlich vorhandenen Blutsauger kleben blieben, sobald sie sich darauf niederließen. Durch einfaches Abzählen der festgeklebten Insekten konnten die Forscher Vergleiche anstellen, welche Fellfarbe und welches Muster am attraktivsten für die Tiere wirken.

Zebrafell, Foto: ohneski, photocase.com
So rätselhaft wie schön sind die gestreiften Felle der Zebras. Foto: ohneski, Photocase.com

Ein dunkles Fell zog deutlich mehr Bremsen an als ein helles – das war Pferdefreunden längt bekannt. Daher wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass die Attraktivität eines schwarzweißen Streifenmusters etwa dazwischen liegt. Doch weit gefehlt: Es wirkte auf die Blutsauger sogar weit weniger anziehend als Weiß, fanden die Forscher heraus. Die Wissenschaftler variierten daraufhin die Breite der Streifenmuster und suchten nach der optimalen Streifenbreite für den geringsten Insektenbefall.

Und tatsächlich: Die Streifenbreite, auf die sie hierbei stießen, entsprach ziemlich genau dem Muster des Fells, in dem afrikanische Zebras durch die Savanne ziehen. Neben den Helligkeitsunterschieden scheint auch dem Polarisationsmuster, das sich aus diesem Wechsel von Schwarz und Weiß ergibt, eine große Bedeutung zuzukommen: Ein graues Fell mit ebensolchen markanten Wechseln in der Polarisationsrichtung war ähnlich unattraktiv für die Insekten wie das klassische Zebramuster.

Die Forscher schließen aus ihren Ergebnissen, dass die markanten Streifen der Zebras tatsächlich unter dem evolutionären Druck der Insekten entstanden sind: Tiere, die weniger von Insekten gestochen und gebissen wurden, hatten höhere Überlebenschancen und pflanzten sich so eher fort. (ud)