28.03.2012

Gold ist nicht gleich Gold

Warum Goldschmuck gelb, grau, rot und sogar grün aussehen kann

Gold steht wie kaum ein anderes Material für edle Reinheit. Doch das trifft höchstens für Goldmünzen und Barrengold zu, denn in Wirklichkeit enthält das Gold, das für Schmuck und andere Gegenstände verwendet wird, große Anteile weiterer Metalle. Erst die Legierung mit Silber, Kupfer, Platin, Palladium oder Nickel verleiht dem Gold die für die Verarbeitung und den Gebrauch nötigen Eigenschaften. Und nur diese Zusätze ermöglichen die ungeheure farbliche Vielfalt des Goldes: So gibt es unter anderem Weißgold und Rotgold, Gelbgold, Graugold und sogar Grüngold, und das jeweils in eine Fülle von Abstufungen.

Gelbgold ist noch immer das klassische Material für Eheringe. Ein höherer Goldanteil ist hier wegen der mangelnden Härte oft nicht gewünscht. Foto: Musaromana, public domain
Eheringe, Foto: Musaromana, public domain

Wer einen Goldring oder ein anderes Schmuckstück aus Gold näher betrachtet, kann darauf die winzigen dreistelligen Zahlen entdecken, die dort meist an unauffälliger Stelle eingestanzt sind. Sie geben den tatsächlichen gewichtsmäßigen Goldanteil in Promille an: Die Zahl 585, wie sie beispielsweise auf vielen Trauringen zu lesen ist, bedeutet, dass der Goldanteil in dem Ring nur rund 585 Tausendstel beträgt. Der Rest, also knapp die Hälfte des Gewichts, besteht aus anderen Metallen. Typische Goldanteile sind auch 417, 375 und 333, wobei letzteres in vielen Ländern gar nicht mehr als Gold verkauft werden darf. Für edle Schmuckstücke wird hingegen meist Material mit höherem Goldanteil verwendet, typische Anteile sind hierbei 750, 833 und 916.

Wirklich rein ist nur sogenanntes Feingold, das zu mindestens 999 von 1000 Teilen aus Gold besteht. Wer einen Goldbarren oder eine edle Goldmünze erwirbt, erhält in der Regel Feingold, meist sogar mit einer Reinheit von 999,9. Für viel getragenen Schmuck wie beispielsweise einen Fingerring würde sich dieses Material jedoch kaum eignen, da es zu weich ist. Diese Weichheit ist jedoch gerade für das Prägen von Münzen eine willkommene Eigenschaft.

Goldbarren – wie hier der größte der Welt mit 250 Kilogramm – bestehen aus sogenanntem Feingold mit einer Reinheit von mindestens 999. Foto: PHGCOM, CC-Lizenz
Goldbarren, Foto: PHGCOM, CC-Lizenz

Am gängigsten für industriell hergestellten Schmuck in Deutschland ist Gold 585. Hier hat die Erfahrung über Jahrhunderte hinweg gezeigt, dass dieser Goldanteil bereits für eine sehr gute Beständigkeit gegen Anlaufen ausreicht. Gleichzeitig ist das Material für Goldschmiede gut zu verarbeiten, da es sich gut gießen, löten und formen lässt. Festgelegt ist bei Gold 585 jedoch nur der Goldanteil von 58,5 Prozent. Je nachdem, welche weiteren Metalle die restlichen 41,5 Prozent der Legierung ausmachen, verändert sich die Farbe des Materials.

So wird beim Gelbgold versucht, der Farbe des originalen, reinen Goldes am nächsten zu kommen. Dies geschieht durch eine Legierung mit Silber und Kupfer. Bei Gold 585 sind das in der Regel 30 Prozent Silber und 11,5 Prozent Kupfer. Bei geringerem Goldanteil, beispielsweise beim Gold 333, sind mit Silber und Kupfer als Zusätze jedoch nur noch blassgelbe Farbtöne zu erreichen.

Wird bei Gold 585 hingegen der Kupferzusatz ganz weggelassen und neben 27,7 Prozent Silber als weiteres Material Palladium verwendet, so entsteht eine der unzähligen Varianten von Weißgold. Dessen Farbe ist grauweiß und erinnert an die des Platins. Weißgold wurde daher vor knapp hundert Jahren als kostengünstiger Ersatz für dieses besonders teure Edelmetall entwickelt. Oft wird es auch als Graugold bezeichnet.

Weißgold hat kaum mehr etwas von der gelblichen Farbe des Goldes und wird daher auch als Platinersatz eingesetzt. Foto: 96dpi, CC-Lizenz
Weißgold, Foto: 96dpi, CC-Lizenz

Eine Goldlegierung ganz ohne Silber und nur mit dem Zusatz von Kupfer ergibt hingegen Rotgold. Bei höherem Goldanteil von 750 und mehr lässt sich nur mehr noch Rosègold erzeugen. Orangegold entsteht hingegen, wenn ein Teil des Kupfers durch Silber ersetzt wird. Auch hier gibt es eine Fülle von Varianten und Abstufungen, die vor allem vom verwendeten Goldanteil abhängen.

Zu den farblichen Exoten beim Gold gehört in jedem Fall das Grüngold: Es besteht üblicherweise aus Legierungen ohne Kupferzusatz, klassischerweise mit lediglich Silber als Legierungsmetall, was jedoch nur einen blassgrünen Farbton ergibt. Intensivere Grüntöne lassen sich durch den Zusatz von Cadmium oder Kobalt erzielen – wobei ersteres wegen seiner gesundheitsgefährdenden Eigenschaften für die Schmuckherstellung kritisch ist. Eingesetzt werden solche Legierungen jedoch bei Ziergegenständen aus Gold.

Damit wären zwar die wichtigsten Farbtöne beschrieben, die mit Gold möglich sind. Die Vielfalt ist jedoch nahezu unendlich, wenn es um die Zwischentöne und Varianten der genannten Legierungen geht. (ud)