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27.11.2013

Goyas schwarze Gemälde

Die Bedeutung der finsteren Werke des spanischen Künstlers ist bis heute ungeklärt

Eine männliche Figur kniet vor einem schwarzen Hintergrund. Sie hat die Augen wie im Wahnsinn weit aufgerissen und krallt eine kleinere menschliche Figur mit beiden Händen vor ihrem Körper fest, die sie gerade im Begriff ist zu verschlingen. Die Rede ist von dem Gemälde "Saturn verschlingt eines seiner Kinder" des spanischen Malers Francisco de Goya. Es ist eines der 14 "Pinturas Negras", der "Schwarzen Gemälde", die er ab 1820 an die Wände seines Landhauses malte. Die Bedeutung dieser Bilder mit der unheimlichen Grundstimmung und den teils grotesken und fast hexenartigen Gesichtern bleibt jedoch im Verborgenen.

Grausamkeit ist in den "Schwarzen Gemälden" ein zentrales Thema. Mit expressiven, braun-ockerfabenen Pinselstrichen zeigt der Künstler, wie Saturn sein Kind verschlingt. Repro: public domain
Saturn. Repro: public domain

1819 hatte Francisco de Goya (1746 bis 1828) das Landhaus "Quinta del Sordo" in der Nähe von Madrid gekauft, um sich aus dem Großstadtleben zurückzuziehen. Eine Krankheit, die den Verlust des Gehörs des Malers zur Folge hatte, und die napoleonischen Kriege prägten den Künstler während dieser Zeit. Unter diesen einsamen und emotional schwierigen Umständen begann Goya ab 1820, das Landhaus auszumalen. So entstanden in den beiden Haupträumen des Baus die "Pinturas Negras", die er direkt mit dunklen Ölfarben auf den Verputz der Wände malte.

Gemeinsam ist fast allen Werken die bedrückende Stimmung: Sowohl in den zerfurchten Minen der Figuren mit tiefen Augenhöhlen als auch in ihren Körperhaltungen scheinen sich Leiden, Katastrophen und Kriege widerzuspiegeln. Neben dem bereits beschriebenen Gemälde "Saturn verschlingt eines seiner Kinder" hat Goya mit "Duell mit Knüppeln" ein weiteres gewaltvolles Thema umgesetzt.

Viele der Bilder Goyas bleiben unerklärt, wie zum Beispiel die Szenen vom "Hund" und "Hexensabbat". In diesen Gemälden stellt Goya Themen dar, die sich komplett vom früheren Werk unterscheiden, da der Maler, der einst auch am Königshof tätig war und Auftragsarbeiten ausführte, auf nichts mehr Rücksicht nehmen musste und seine innere Welt durch seine expressive Malerei ausdrücken konnte. Die unheimliche Atmosphäre der Bilder, die auch durch die dunkle Farbkombination aus Schwarz-, Braun- und Ockertönen besonders betont wird, wird nur durch die vermischten Ockertöne gemildert, die einzelne Elemente und Szenen aufhellen und den Bildern etwas Leben einhauchen. Auf einigen Gemälden finden sich Spritzer von Rot, Blau und Weiß.

Interessanterweise zeigen einige Arbeiten bei Röntgenaufnahmen farbigere Untermalungen als das Kolorit, das die Bilder heute aufweisen. Im Werk "Saturn verschlingt eines seiner Kinder" zum Beispiel ist das Rot des Blutes im Hintergrund in mehreren Farbschichtungen aufgebaut: Kalziumsulfat, Preußischblau, Bleiweiß und schwarze Kohle, Zinnoberrot und Bleiweiß, Reste von Schwarz sowie Harzfirnisse.


Menschen fliehen fliegend davon, im Hintergrund scheinen sich kriegerische Handlungen abzuspielen. Die düstere Atmosphäre prägt das Gemälde "Phantastische Vision" aus den "Pintas Negras". Repro: public domain
Phantastische Vision. Repro: public domain

Nach dem Tod von Goya und dessen Sohn wechselte die "Quinta del Sordo" mehrmals den Besitzer, die "Schwarzen Bilder" waren zu diesem Zeitpunkt wenig bekannt. Die Gemälde wurden im Auftrag eines Nachbesitzers 1874 bis 1878 von der Wand abgenommen, auf Leinwand übertragen und restauriert. Auf der Weltausstellung 1878 in Paris betrachteten die Besucher die Werke als die Gemälde eines Wahnsinnigen. 1881 schenkte der Besitzer die Folge dem spanischen Staat und sie gelangte in den Prado, das bedeutendste Kunstmuseum Spaniens. Das Landhaus wurde abgerissen. Im Prado hängen die Werke auch heute noch und werden aufgrund ihres gefährdeten Erhaltungszustands nicht auf Reisen geschickt.

Was genau Goya mit "Las Pinturas Negras" ausdrücken wollte und ob alle Bilder in Beziehung miteinander stehen, weiß man nicht genau. Er hat sie nicht erwähnt und auch nicht kommentiert. Es ist auch nicht sicher, ob Goya die Werke für sich alleine geschaffen oder sie doch einem kleinen Publikum gezeigt hat. Heute sind die unheimlichen Gemälde die bekanntesten des Künstlers. (an)