29.09.2010

Grünes Meer erzeugt mehr Taifune

Die Meeresfarbe hat überraschend großen Einfluss auf die Entstehung von Wirbelstürmen

Wie grün die Ozeane in Wirklichkeit sind, das zeigt sich oft erst in der Meeresbrandung. Foto: *princessa*, Photocase.com

Auf den ersten Blick scheint der Fall klar: Das Meer ist blau. Doch bei genauer Betrachtung drängt sich die Erkenntnis auf, dass das vielerorts nicht ganz stimmt – denn zum Blau kommt oft noch ein gehöriger Anteil Grün hinzu. Verantwortlich dafür ist der grüne Farbstoff Chlorophyll, den Algen und Bakterien für die Photosynthese benötigen. Doch so wichtig das Chlorophyll ist, kann es doch auch einen fatalen Nebeneffekt haben, wie amerikanische Wissenschaftler nun herausfanden: Die Konzentration des Farbstoffs hat großen Einfluss auf die Entstehung von Wirbelstürmen.

Die Wissenschaftler gingen in ihrer Studie von Computersimulationen aus, bei denen sie die Chlorophyll-Konzentration in einzelnen Regionen des Nordpazifiks gezielt hoch- oder herunterfahren konnten. Zunächst stellten die Forscher um Anand Gnanadesikan vom Forschungslabor für geophysikalische Strömungsdynamik in Princeton die Konzentration des Farbstoffs anhand tatsächlicher, von Satelliten gemessener Werte ein und konnten so ihre Simulation mit den realen Wetterbedingungen abgleichen. Anschließend setzen sie den Chlorophyllwert in einigen Regionen des Nordpazifiks auf Null. Es wurden solche Regionen ausgewählt, die von einer ringförmigen Meeresströmung berührt werden, die große Teile des Ozeans umfasst.

Der Effekt der Veränderung der Meeresfarbe auf das Wettergeschehen war überraschend deutlich: Nördlich des Äquators stieg die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Wirbelstürmen um etwa zwanzig Prozent an – betroffen wären davon unter anderem die Philippinen und Vietnam. Noch weiter im Norden jedoch, in China und Japan, sank das Risiko für solche in der Region Taifune genannten Wirbelstürme hingegen um siebzig Prozent ab.

Den gravierenden Einfluss der Meeresfarbe auf das Wetter erklären die Forscher mit der Eindringtiefe des Sonnenlichts in das Meerwasser. Eine dichte Chlorophyllschicht nahe der Oberfläche führt dazu, dass sich vor allem die oberflächennahen Meeresschichten aufheizen, während in größere Tiefen kaum noch Licht vordringt. Fehlt das Chlorophyll hingegen, werden auch tiefere Schichten noch erreicht und erwärmt. Die Meeresoberfläche bleibt daher kühler, die Luft darüber heizt sich weniger stark auf und nimmt nicht so viel Feuchtigkeit auf. Durch das Zusammenspiel dieser Faktoren sinkt das Risiko für die Entstehung von Wirbelstürmen.

Das Ergebnis ist für die Forscher auch deshalb relevant, weil Messdaten darauf hinweisen, dass vor vierzig bis fünfzig Jahren die Chlorophyll-Werte im Nordpazifik etwa um fünfzig Prozent niedriger waren als heute. Tatsächlich hat seither auch die Zahl der Taifune zugenommen, wobei unklar ist, ob nicht auch globalere Klimaphänomene an diesem Wandel beteiligt waren. In jedem Fall seien die Ergebnisse für Klimasimulationen relevant, erklären die Forscher, denn sie zeigten, wie drastisch sich schon kleine Veränderungen der Meeresfarbe auf die Klimaentwicklung auswirken könnten. (ud)